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18.03.2020

20:23

Coronavirus

EU-Kommissionsvizin Jourova warnt vor Fake News über Messenger-Dienste

Von: Till Hoppe, Larissa Holzki

Die Vizepräsidentin der EU-Kommission sorgt sich über die Rolle von Diensten wie WhatsApp in der aktuellen Krise – und dürfte die Anbieter bald zum Gespräch bitten.

Die Vizepräsidentin der EU-Kommission warnt vor einer „zunehmenden Menge von Falschinformationen über den Ausbruch von Covid-19“. AP

Vera Jourova

Die Vizepräsidentin der EU-Kommission warnt vor einer „zunehmenden Menge von Falschinformationen über den Ausbruch von Covid-19“.

Brüssel, Köln Regelmäßiges Trinken schütze vor der Ansteckung mit dem Coronavirus. Wer morgens tief einatme und dann mindestens zehn Sekunden lang die Luft anhalten könne, ohne zu husten, der sei nicht infiziert.

Derartige Ratschläge werden derzeit per Kettenbrief über beliebte Messengerdienste wie WhatsApp oder über geschlossene Facebook-Gruppen verbreitet. Viele Nutzer leiten die Nachrichten an ihre Familien und Freunde weiter – obwohl die Tipps aus wissenschaftlicher Sicht wertlos sind.

Den Behörden bereitet das erhebliche Sorgen: Die Vizepräsidentin der EU-Kommission, Vera Jourova, warnt nun vor einer „zunehmenden Menge von Falschinformationen über den Ausbruch von Covid-19“. Besonders gelte es nun, die Rolle von verschlüsselten Messengerdiensten wie WhatsApp dabei besser zu verstehen, sagte sie dem Handelsblatt.

Das Problem: Die privaten Chats sind kaum zu kontrollieren – und zwar auch nicht von den Plattformbetreibern selbst. „Wie soll man Inhalte entfernen, die man nicht sieht?“, fragt ein EU-Experte.

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    Die Kommission dürfte die Plattformen bald erneut zum Gespräch bitten. Jourova hatte Vertreter von Google, Facebook, Twitter und Microsoft bereits Anfang März getroffen, um Maßnahmen gegen Falschinformationen im Zusammenhang mit dem Coronavirus zu diskutieren. Damals forderte sie die Plattformen auf, irreführende Anzeigen zu entfernen und dafür die Sichtbarkeit vertrauenswürdiger Informationen wie zum Beispiel die der Weltgesundheitsorganisation zu verbessern.

    Die Unternehmen haben allesamt den Verhaltenskodex unterzeichnet, in dem sie sich freiwillig zum Kampf gegen Desinformationen verpflichten.

    Größter Teil der problematischen Inhalte scheint organisch zu sein

    Unter wachsendem medialen Druck hatte WhatsApp am Mittwoch weitere Schritte zur Eindämmung von Falschinformationen angekündigt. Unter anderem werde der zu Facebook gehörende Dienst das internationale Faktencheck-Netzwerk des Poynter-Instituts (IFCN) mit einer Million US-Dollar unterstützen.

    Das IFCN hat bereits im Januar eine Initiative gestartet, um Informationen im Zusammenhang mit dem Coronavirus zu verifizieren. Mittlerweile beteiligen sich nach Auskunft des Netzwerks mehr als 100 Faktenprüfer aus 45 Ländern. Die finanzielle Zuwendung von WhatsApp soll unter anderem genutzt werden, um die Ergebnisse in neuen Formaten zu präsentieren und Studien über gesundheitsbezogene Fehlinformationen anzuschieben.

    Auch Jourova hatte WhatsApp um Auskunft über seine Gegenmaßnahmen gebeten. Sie sieht noch ein weiteres Problem: „Der größte Teil der problematischen Inhalte scheint organisch zu sein, stammt also von den Nutzern selbst.“ Dagegen aber lässt sich schwieriger vorgehen als gegen zentral gesteuerte Desinformationskampagnen.

    Auch diese finden sich aber – besonders aus Russland: „Kreml-freundliche Medien spielen eine wichtige Rolle bei der Verbreitung von Desinformationen über das Coronavirus“, schreibt die East StratCom Task Force des Auswärtigen Dienstes der EU in einem internen Bericht, der dem Handelsblatt vorliegt. Ziel sei es, Unruhe in der Bevölkerung zu stiften und das Vertrauen in die nationalen Behörden und Gesundheitssysteme zu untergraben.

    Jourova appelliert daher an die Bürger: „Wir alle sollten Informationen prüfen, bevor wir sie teilen, und uns an professionelle Medien halten anstatt an Gerüchte.“ Das sei in der Krise ähnlich wichtig, wie sich regelmäßig die Hände zu waschen.

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