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Die 200-Euro-Generation

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Die 200-Euro-Generation

In Vergessenheit geraten

Finanzkrise - So sehr leidet die griechische Wirtschaft unter Reformen

In Vergessenheit geraten: Finanzkrise - So sehr leidet griechische Wirtschaft unter Reformen

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Oft stehen die Teilzeitarbeitsverhältnisse allerdings nur auf dem Papier. „Tatsächlich werden viele Teilzeitbeschäftigte von den Arbeitgebern gezwungen, praktisch Vollzeit zu arbeiten“, weiß der frühere Arbeitsminister Giorgos Koutroumanis. Dadurch entgehen den Rentenkassen erhebliche Beiträge, sagt Koutroumanis. Die Betroffenen wagen es nicht, sich zu beschweren, weil sie wissen, dass sie ihren Job verlieren, wenn sie die Mehrarbeit verweigern.

Zu Beginn der Krise sprach man in Griechenland von der „650 Euro-Generation“. Gemeint waren junge Berufsanfänger, aber auch Akademiker, die in der Gastronomie oder im Einzelhandel jobbten. Dafür gab es damals rund 650 Euro. Der staatlich festgesetzte Mindestlohn betrug seinerzeit 751 Euro. Inzwischen haben sich die Einkommensverhältnisse dramatisch verschlechtert.

Jetzt macht das Wort von der „200 Euro-Generation“ die Runde. Heute beträgt der Mindestlohn für Vollzeitbeschäftigte unter 25 Jahren 510,95 Euro. Die tatsächlichen Löhne liegen aber oft weit darunter. Nach Berechnungen des Gewerkschaftsbundes GSEE verdienen mehr als 340.000 Beschäftigte zwischen 100 und 400 Euro im Monat, fast 130.000 bekommen sogar weniger als 100 Euro. Fast drei von zehn Beschäftigten arbeiten schwarz.

Die hohe Langzeitarbeitslosigkeit, die Schwarzarbeit und die schlecht bezahlten Teilzeitjobs sind eine soziale Zeitbombe. Den wenigsten dieser Menschen dürfte es gelingen, nennenswerte Rentenansprüche zu erwerben oder gar privat fürs Alter vorzusorgen. Sie sitzen in einer lebenslangen Armutsfalle.

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Immer mehr griechische Unternehmen stellen Menschen ein, die nur Teilzeit oder nur einige Tage in der Woche arbeiten. In den ersten neun Monaten des Jahres wurden gut 1,6 Millionen neue Arbeitsstellen geschaffen.

Auch die heutigen Rentner müssen den Gürtel immer enger schnellen. „Meine Bezüge sind seit 2010 von 1250 auf 970 Euro gefallen“, erzählt der pensionierte Bankangestellte Babis Nikas. Manche Rentner berichten sogar von Kürzungen um 40 Prozent. Die Folge: Altersarmut wird zu einem immer größeren Problem. Nach Angaben des Rentnerverbandes Endisy bekommen fast 45 Prozent der Pensionäre weniger als 665 Euro im Monat – und leben damit unterhalb der Armutsgrenze.

Viele Menschen sind am Ende ihrer Kräfte, weiß Giorgos Protopapas, Direktor der SOS-Kinderdörfer in Griechenland: „Viele Familien haben die Rente der Eltern als einziges Einkommen. Nun bricht auch dieses mehr und mehr weg. Deshalb geht vielen Familien die Luft aus. Sie sind inzwischen absolut perspektivlos.“ Betreute die Hilfsorganisation vor der Krise etwa 50 Familien, sind es jetzt über 1800 bedürftige Familien mit mehr als 6000 Kindern und Erwachsenen.

Immer mehr junge Griechinnen und Griechen fliehen vor der Dauerkrise aus ihrem Land. Nach einer Schätzung der Bank von Griechenland sind seit 2008 rund 427.000 Menschen ausgewandert – überwiegend junge, gut ausgebildete Fachkräfte und Akademiker. Nach Berechnungen der Nichtregierungsorganisation Endeavor Greece tragen die Auswanderer in ihren Gastländern mit jährlich 12,9 Milliarden Euro zu deren BIP bei. Griechenland verliert also nicht nur seine besten Talente. Das Land blutet durch die Auswanderung auch finanziell immer weiter aus.

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