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21.05.2022

07:57

Die Lage am Morgen

Russland meldet Einnahme von Stahlwerk in Mariupol – Selenski fordert Entschädigungsfonds

Das hart umkämpfte Stahlwerk ist nach russischen Angaben komplett unter eigener Kontrolle. Der ukrainische Präsident bekräftigt daraufhin seine Kritik am Westen.

Das Stahlwerk war seit dem 21. April von russischen Truppen belagert worden. AP

Stahlwerk Azovstal in Mariupol

Das Stahlwerk war seit dem 21. April von russischen Truppen belagert worden.

Kiew Nach Wochen heftiger Kämpfe hat Russlands Armee eigenen Angaben zufolge das Stahlwerk Azovstal in der ukrainischen Hafenstadt Mariupol komplett unter ihre Kontrolle gebracht. Alle feindlichen Kämpfer hätten sich ergeben, teilte das Verteidigungsministerium in der Nacht zum Samstag in Moskau mit.

Die weitläufige Industrieanlage am Asowschen Meer war der letzte Ort in der strategisch wichtigen Hafenstadt im Südosten der Ukraine, der noch nicht vollkommen unter russischer Kontrolle gestanden hatte. Die ukrainische Seite äußerte sich zunächst nicht zur angeblichen Einnahme des Werks.

Nach Angaben aus Moskau kamen seit dem 16. Mai insgesamt 2439 ukrainische Soldaten, die sich in den Bunkeranlagen aus Sowjetzeiten verschanzt hatten, in russische Gefangenschaft. Am Freitag sei die letzte Gruppe von 531 Kämpfern gefangen genommen worden, hieß es. Das Stahlwerk war seit dem 21. April von russischen Truppen belagert worden.

Zuvor hatten die verbliebenen ukrainischen Verteidiger des Stahlwerks am Asowschen Meer erstmals erklärt, dass sie laut einem Befehl ihrer Armeeführung die Verteidigung der Stadt einstellen sollen. Dies sagte der Kommandeur des umstrittenen Nationalgarderegiments „Asow“, Denys Prokopenko, in einer Videobotschaft. Damit sollten Leben und Gesundheit der Soldaten der Garnison geschützt werden.

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    Am Montag hatten sich bereits die ersten 264 Soldaten ergeben, darunter über 50 Schwerverletzte. Nach russischen Angaben kamen am Donnerstag weitere in Gefangenschaft. Die Kommandeure und einige Kämpfer hatten bis zuletzt die Stellung gehalten. Insgesamt wurde in Moskau stets von rund 2500 ukrainischen Kämpfern ausgegangen. Die Regierung in Kiew hingegen hatte deren Zahl nur mit 1000 angegeben.

    Früherer Nato-Generalsekretär: „Deutschland ist zu zögerlich“

    Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenski machte – in einem noch vor der russischen Verkündung der Einnahme aufgenommenen Fernsehinterview – den Westen für die Entwicklung mitverantwortlich. Er habe die westlichen Staats- und Regierungschefs wiederholt aufgefordert, sein Land mit „geeigneten Waffen“ zu versorgen, „damit wir Mariupol erreichen können, um diese Menschen zu befreien“.

    Der frühere Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen kritisierte im Gespräch mit dem Handelsblatt den zurückhaltenden Kurs der Bundesregierung in diesem Punkt. Deutschland sei „zu zögerlich bei der Lieferung schwerer Waffen und bei der Verhängung von Sanktionen“, sagte der Däne

    „Natürlich ist Deutschland in hohem Maße von russischen Gasimporten abhängig, doch ich denke, eine klare Haltung der Bundesregierung würde die gesamte Dynamik in der Ukraine verändern“, sagte Rasmussen. „Wir brauchen deutsche Führung.“ Rasmussen forderte einen sofortigen Stopp aller Öl- und Gasimporte aus Russland nach Europa.

    Selenski fordert Fonds für Entschädigung

    Wegen der massiven Zerstörung in seinem Land brachte Selenski in seiner nächtlichen Videoansprache einen Fonds ins Gespräch für Entschädigungszahlungen an Länder, denen Russland mit Angriffen Schaden zugefügt habe. Das könne in einem „multilateralen Abkommen“ geregelt werden. Selenskyj schlug vor, russisches Kapital und Eigentum im Ausland einzufrieren oder zu beschlagnahmen und diesem neuen Fonds zuzuführen. „Das wäre gerecht“, meinte er.

    Die Kriegsschäden in der Ukraine summieren sich ukrainischen Schätzungen zufolge schon jetzt auf Hunderte Milliarden Euro. Russland hatte Ende Februar seinen Angriff auf das Nachbarland begonnen.

    Selenskyj schlug vor, russisches Kapital und Eigentum im Ausland einzufrieren oder zu beschlagnahmen und in einen Fonds zu geben, mit dem Entschädigungen und der Wiederaufbau finanziert werden könnten. dpa

    Wolodimir Selenski

    Selenskyj schlug vor, russisches Kapital und Eigentum im Ausland einzufrieren oder zu beschlagnahmen und in einen Fonds zu geben, mit dem Entschädigungen und der Wiederaufbau finanziert werden könnten.

    Die neue internationale Ukraine-Kontaktgruppe will sich am Montag erneut zusammenschalten. Das US-Verteidigungsministerium kündigte an, das Treffen werde diesmal per Video abgehalten. Mit dabei seien Vertreter von mehr als 40 Ländern.

    US-Verteidigungsminister Lloyd Austin hatte Ende April Partner aus rund 40 Staaten zu einem Treffen auf dem US-Luftwaffenstützpunkt im rheinland-pfälzischen Ramstein eingeladen, um über Hilfe für die Ukraine zu beraten. Dort hatte er künftige Treffen der Kontaktgruppe im Monatsrhythmus in Aussicht gestellt.

    So berichtet das Handelsblatt über den Ukrainekrieg:

    Selenski machte Russland auch für einen Raketenangriff auf ein Kulturzentrum im Osten des Landes mit acht Verletzten verantwortlich. Bei dem Beschuss in der Stadt Losowa im Gebiet Charkiw sei auch ein elf Jahre altes Kind verletzt worden, schrieb das Staatsoberhaupt im Nachrichtenkanal Telegram. „Die Besatzer haben Kultur, Bildung und Menschlichkeit als ihre Feinde identifiziert.“ Russland wiederum warf der Ukraine vor, zivile Objekte für militärische Zwecke zu missbrauchen.

    Das bringt der Tag

    Russland will die Gaslieferungen nach Finnland laut Angaben des finnischen Energiekonzerns Gasum am frühen Samstagmorgen einstellen. Darüber habe Gazprom Export am Freitag informiert, teilte der finnische Versorger Gasum in Espoo mit. Der russische Staatskonzern bestätigte das am Abend. Grund seien nicht erfolgte Zahlungen für das im April gelieferte Gas.

    Russland hatte verlangt, dass die Rechnungen nur noch in Rubel und nicht mehr in Euro oder Dollar bezahlt werden - und zuvor schon Polen und Bulgarien den Gashahn zugedreht, weil sie wie Finnland die vertraglich nicht vereinbarte Rubel-Zahlung abgelehnt hatten.

    Die letzten Soldaten hatten am Freitag ihre Kapitulation erklärt. Reuters

    Ukrainische Soldaten aus dem Stahlwerk in Mariupol

    Die letzten Soldaten hatten am Freitag ihre Kapitulation erklärt.

    Nach der Einnahme des Stahlwerks in Mariupol bleibt abzuwarten, ob Russland Angaben zum Verbleib der festgenommenen ukrainischen Kämpfer machen wird. Das Verteidigungsministerium in Moskau veröffentlichte ein Video von der Festnahme der Männer.

    Der russische Präsident Wladimir Putin hatte zugesichert, dass sie am Leben bleiben und medizinisch versorgt würden, wenn sie sich ergeben. Die letzten Verteidiger von Mariupol hatten am Freitag nach Wochen des Widerstandes ihre Kapitulation erklärt.

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