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10.08.2022

16:15

Energie

Trockenheit und fehlende Energie-Alternativen: Frankreichs Atomkraftwerke überhitzen Flüsse

Von: Tanja Kuchenbecker

Die Atommeiler brechen europäische und nationale Normen, weil sie wärmeres Kühlwasser in die ohnehin wasserarmen Flüsse leiten. Umweltorganisationen warnen vor schweren Folgen.

Das Kernkraftwerk ist das drittgrößte in Frankreich. imago stock&people

Das AKW Cattenom

Das Kernkraftwerk ist das drittgrößte in Frankreich.

Paris Frankreichs Kernkraftwerke könnten im Zuge der Energieknappheit Umweltgrenzwerte überschreiten. Die AKWs leiten schon länger als eigentlich erlaubt wärmeres Kühlwasser in die bereits überhitzten und wasserarmen Flüsse – das könnte auch die Fischpopulation gefährden.

Die Ausnahmegenehmigungen gelten seit dem 6. August zunächst bis zum 11. September. Französische Medien berichten zudem, dass die Flüsse zu warm werden könnten, um die Reaktoren überhaupt noch ausreichend zu kühlen. Einige haben ihre Produktion bereits gedrosselt.

Die Atomkraftwerke nutzen Flusswasser zur Kühlung und führen das wärmere Wasser anschließend wieder in die Flüsse zurück. Fünf der Kernkraftwerke im ganzen Land dürfen nun mehrere Wochen lang wärmeres Kühlwasser in die Flüsse leiten als eigentlich laut europäischen und französischen Normen erlaubt. Bisher gab es nur einmal eine vergleichbare Ausnahme: im Jahr 2018, nur für ein Kernkraftwerk und weniger als zwei Tage.

Die Auflagen für die AKWs sind in einer EU-Richtlinie von 2014 geregelt, die die Mitgliedstaaten in nationales Recht umgesetzt haben. Ausnahmen sind möglich, aber umstritten. Doch in Frankreich kommen derzeit gleich mehrere Probleme zusammen, die den Sonderfall notwendig machen.

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    Seit Wochen ist es ungewöhnlich heiß, doch die AKWs müssen weiterlaufen, weil sonst die Energie knapp wird. In vielen Fällen steigt so die Temperatur in den Flüssen weit über die erlaubten 28 Grad. In einigen Regionen waren sogar noch niedrigere Werte wie 25 Grad als Grenzwert angesetzt, die ebenfalls überschritten wurden.

    Umweltschutzorganisationen wie France Nature Environnement befürchten, dass viele Fische aussterben und sich aggressive Arten durchsetzen könnten. Sie werfen dem Staat vor, die erneuerbaren Energien nicht genügend ausgebaut und dadurch Engpässe verursacht zu haben.

    Frankreich muss Strom importieren

    Früher produzierte Frankreich noch genug Strom für den Export, derzeit muss es aufgrund der Probleme in den Kernkraftwerken importieren. Für den kommenden Winter sagen Experten Versorgungsschwierigkeiten voraus.

    Angesichts des Ukrainekriegs und der Gaskrise setzt Frankreich weiter auf Atomkraft. Doch zahlreiche Atomkraftwerke weisen im Moment Probleme auf, müssen gewartet werden und produzieren keinen Strom. Derzeit läuft nur die Hälfte der 56 Reaktoren. Deshalb kann die Energieproduktion in den noch funktionierenden Meilern nicht gedrosselt werden, um die Flüsse zu schonen.

    In ganz Frankreich herrscht in diesem Sommer eine extreme Dürre, durch die viele Flüsse stark ausgetrocknet sind, was wiederum dazu führt, dass diese sich schneller erhitzen. Die Trockenheit habe ein „historisches Ausmaß“, erreicht, sagt Frankreichs Premierministerin Élisabeth Borne.

    Frankreichs Kernkraftwerke machen 30 Prozent des nationalen Wasserverbrauchs aus, was in Zeiten von Dürre und Wassermangel besonders ins Gewicht fällt. In vielen Gemeinden in ganz Frankreich muss schon Wasser gespart werden, Gärten und Golfplätze sollen nicht mehr gegossen, Autos nicht mehr gewaschen und Pools nicht neu gefüllt werden. Doch für die AKWs gelten Ausnahmen, um genug Energie zu erzeugen.

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