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03.05.2022

16:20

Energie-Versorgung

LNG-Terminal: Griechenland wird zum Knotenpunkt für Gas in Südosteuropa

Von: Gerd Höhler

Die Länder der Balkanregion wollen sich bei der Erdgasversorgung enger vernetzen. Eine Schlüsselrolle spielt der Bau eines LNG-Terminals im Norden Griechenlands.

Griechenlands Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis ROPI

Kyriakos Mitsotakis

Griechenland will nach Plänen des Ministerpräsidenten und der Nachbarländer zum Drehkreuz für die Energieversorgung Südosteuropas werden.

Athen Der Krieg Russlands gegen die Ukraine lässt die Staaten Südosteuropas in der Energiepolitik enger zusammenrücken. Die Staats- und Regierungschefs von Griechenland, Bulgarien, Nordmazedonien und Serbien sowie der Präsident des Europäischen Rats, Charles Michel, gaben am Dienstag in der nordgriechischen Hafenstadt Alexandroupoli das Startsignal zum Bau eines Terminals für verflüssigtes Erdgas (LNG).

Die Anlage soll die Balkanregion mit Erdgas versorgen. Damit wollen sich die Länder aus der Abhängigkeit vom russischen Staatskonzern Gazprom befreien.

Der griechische Premier Kyriakos Mitsotakis sprach von einem „Leuchtturmprojekt“: Es zeige die Entschlossenheit der Staaten der Region, bei der Energieversorgung zusammenzuarbeiten. „Die jüngsten Erpressungen Moskaus machen diese Kooperation nötig und dringlich“, sagte er.

„Wir werden bald in der Lage sein, das russische Gas zu ersetzen“, kündigte Mitsotakis an. Auch EU-Ratspräsident Michel unterstrich die Bedeutung des Vorhabens für die Diversifizierung und Sicherung der Energieversorgung Europas.

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    Gebaut und betrieben wird das Terminal vom Unternehmen Gastrade. 18 Kilometer südwestlich der Hafenstadt soll eine schwimmende Speicher- und Regasifizierungsanlage (FSRU) verankert werden. Der an Gastrade beteiligte Reeder Peter Livanos lässt dafür derzeit einen seiner Gastanker auf einer Werft in Singapur umbauen.

    Die weiteren Aktionäre bei Gastrade sind die griechische Copelouzos-Gruppe, der griechische Gasversorger Depa, der Netzbetreiber Desfa und der staatliche bulgarische Gaskonzern Bulgartransgaz. Auch der nordmazedonische Pipelinebetreiber NER verhandelt über einen Einstieg bei Gastrade.

    EU fördert das Projekt mit 166,7 Millionen Euro

    Erste Pläne für das Terminal gehen bis ins Jahr 2009 zurück. Angesichts des Ukrainekrieges wird die Umsetzung jetzt beschleunigt. Die Anlage soll vor Ende 2023 in Betrieb gehen.

    Die EU fördert das auf 394 Millionen Euro veranschlagte Projekt mit 166,7 Millionen Euro. Das schwimmende Terminal wird über eine Unterwasser-Pipeline mit dem Festland verbunden, wo das Gas ins griechische Netz eingespeist und von dort auf die Nachbarländer verteilt wird.

    Wichtigstes Verbindungsglied ist eine 180 Kilometer lange Pipeline zwischen der nordgriechischen Stadt Komotini und dem bulgarischen Stara Sagora. Die 240 Millionen Euro teure Leitung wurde von Griechenland, Bulgarien und der EU finanziert und soll im Juni in Betrieb gehen. Damit bekommt Bulgarien nicht nur Anschluss an das geplante LNG-Terminal Alexandroupoli, sondern auch an den sogenannten südlichen Gaskorridor, der Erdgas aus Aserbaidschan über Georgien, die Türkei und Griechenland nach Italien bringt.

    Außerdem bauen seit Februar Bulgarien und Serbien mit finanzieller Hilfe der EU und einem Kredit der Europäischen Investitionsbank an einer Gaspipeline zwischen beiden Ländern. Sie soll im Oktober 2023 in Betrieb gehen. Damit bekäme auch Serbien Anschluss an das Terminal in Alexandroupoli. Außerdem unterzeichneten die Regierungen in Athen und Skopje im vergangenen Jahr Verträge zum Bau einer 123 Kilometer langen Pipeline, durch die Gas aus dem griechischen Netz nach Nordmazedonien fließen soll.

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    Die Kapazität der FSRU Alexandroupoli wird in der ersten Phase 6,1 Milliarden Kubikmeter pro Jahr betragen. Gastrade plant bereits eine zweite Anlage. Gastrade-CEO Konstantinos Sifnaios sagte am Dienstag, die Regulierungsbehörde habe vergangene Woche dafür ihre Genehmigung erteilt. Damit werde es möglich, auch Moldawien und die Ukraine mit Gas zu beliefern.

    Zusammen würden beide Anlagen auf eine Kapazität von 11,6 Milliarden Kubikmetern pro Jahr kommen, sagte Sifnaios. Zum Vergleich: Griechenlands Jahresverbrauch liegt aktuell bei rund sechs Milliarden Kubikmetern, Bulgarien und Serbien verbrauchen jeweils rund 3,5 Milliarden Kubikmeter.

    Dabei investiert Griechenland schon länger in seine LNG-Infrastruktur und baut diese nun massiv aus: Die Speicherkapazität des bereits seit 1999 bestehenden Terminals Revithousa bei Athen, das aktuell 43 Prozent der griechischen Gasimporte deckt, wird von 225.000 auf 375.000 Kubikmeter gesteigert. Geplant sind zudem neue Terminals bei Korinth, Thessaloniki und Volos.

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