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20.10.2022

19:11

Energiekrise

Spanien, Portugal und Frankreich einigen sich auf neue Pipeline

Von: Sandra Louven

Die Länder wollen eine Wasserstoffleitung zwischen Barcelona und Marseille bauen. In der Energiekrise wird sie aber erst Gas von Spanien nach Nordeuropa bringen.

Die drei Regierungschefs haben überraschend einen monatelangen Streit beigelegt. IMAGO/Agencia EFE

Pedro Sánchez, Emmanuel Macron, António Costa

Die drei Regierungschefs haben überraschend einen monatelangen Streit beigelegt.

Madrid Völlig überraschend haben sich die Regierungschefs von Spanien, Portugal und Frankreich auf einen „grünen Energiekorridor“ geeinigt. Dieser wird die Iberische Halbinsel besser mit dem Rest Europas verbinden. Eine neue Pipeline soll unter dem Meer von Barcelona nach Marseille verlaufen und grünen Wasserstoff transportieren.

Während der Energiekrise und danach wird die Pipeline namens Barmar aber auch Gas transportieren. Grüner Wasserstoff gilt als Energieträger der Zukunft. Um ihn zu transportieren, sind entweder neue Netze nötig oder die bestendenden Gaspipelines müssen umgebaut werden. Noch ist aber technisch nicht klar, wie viel Aufwand und Kosten das verursacht.

Die Einigung ist eine Wende in einem monatelangen Streit um die sogenannte Midcat-Pipeline, die Spanien von Katalonien über die Pyrenäen nach Frankreich bauen wollte. Auch Bundeskanzler Olaf Scholz hatte sich dafür starkgemacht, um von den großen Regasifizierungskapazitäten Spaniens zu profitieren und über Frankreich Gas aus Spanien importieren zu können.

Details sollen im Dezember in Alicante geklärt werden

Der französische Präsident Emmanuel Macron hatte sich jedoch geweigert und unter anderem erwartete Proteste von Klimaschützern gegen die Pipeline angeführt. Dieses Problem bestehe bei einer Leitung unter dem Meer weniger. Spanien und Portugal, aber auch Deutschland, das dringend Ersatz für die fehlenden Gaslieferungen aus Russland sucht, hatten in den vergangenen Wochen Druck auf Macron ausgeübt.

Die neue Leitung unter dem Meer sei „die direkteste und effizienteste Option, um die Iberische Halbinsel an Zentraleuropa anzubinden“, heißt es in einem gemeinsamen Kommuniqué des spanischen Ministerpräsidenten Pedro Sánchez, des portugiesischen Regierungschefs António Costa und des französischen Präsidenten Macron.

Die beiden lagen ebenfalls im Streit um das Pipelineprojekt Midcat, das Scholz befürwortete. Reuters

Emmanuel Macron und Olaf Scholz

Die beiden lagen ebenfalls im Streit um das Pipelineprojekt Midcat, das Scholz befürwortete.

Sie hatten sich wenige Stunden vor dem Beginn des EU-Gipfels in Brüssel getroffen, auf dem die EU-Mitglieder über Mechanismen zur Senkung der Energiepreise debattierten. Details des Projekts wollen die drei Regierungschefs bei einem weiteren Treffen Anfang Dezember in Alicante klären. Bis dahin sollen nun Experten die technischen Einzelheiten ausarbeiten.

„Dies ist eine sehr gute Nachricht für Spanien, Portugal, Frankreich und im Wesentlichen Europa“, sagte Sánchez. „Es ist eine Verpflichtung zur Solidarität mit dem übrigen Europa.“ Macron lobte die Vereinbarung ebenso: Sie diene dem Ziel Spaniens und Portugals, auf dem Energiemarkt weniger isoliert zu sein, und werde gleichzeitig Frankreichs Politik der Energiewende gerecht.

Spanien hat die größten Regasifizierungskapazitäten Europas

Im Zuge des Ukrainekriegs hat Russland seine Gaslieferungen nach Europa weitestgehend eingestellt. Zahlreiche Regierungen, vor allem die deutsche, sind seitdem auf der Suche nach alternativen Lieferanten. Dabei ist Spanien ins Zentrum des Interesses gerückt.

Das Land besitzt die größten Kapazitäten in Europa, um Flüssiggas (LNG) zu regasifizieren. Das ist nötig, um Flüssiggaslieferungen per Schiff aus anderen Teilen der Erde annehmen zu können. Spanien besitzt sechs Regasifizierungsanlagen und damit ein Drittel des europäischen Anlandevolumens und 44 Prozent der LNG-Speicherkapazität.

In den Anlagen wird LNG wieder in den gasförmigen Zustand versetzt und dann in das Gasnetz eingespeist und über Pipelines weitertransportiert. Europa konnte bislang von den spanischen Kapazitäten nicht profitieren, weil es nur zwei kleine Pipelines gibt, die Spanien mit Frankreich verbinden. Spanien und Portugal, das ebenfalls über eine Regasifizierungsanlage verfügt, fordern seit Jahren, dass die Iberische Halbinsel sowohl beim Strom- als auch beim Gasnetz besser an den Rest Europas angebunden wird.

Spanien hat zudem ehrgeizige Pläne für die Produktion von grünem Wasserstoff. Premier Sánchez will sein Land zur europäischen Drehscheibe für diese saubere Energieform machen. Eine Wasserstoffpipeline kommt ihm da gerade recht. Das Midcat-Projekt, das schon einmal begonnen und dann wieder stillgelegt worden war, ist aber nun endgültig beerdigt.

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