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31.08.2018

13:33

EU-Kommissionspräsident Juncker kündigt Ende der Zeitumstellung an Reuters

EU-Kommission

Jean-Claude Juncker will in der Kommission für die Abschaffung werben.

Europäische Union

EU-Kommissionspräsident Juncker kündigt Ende der Zeitumstellung an

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker will die Umstellung zwischen Winter- und Sommerzeit innerhalb der Europäischen Union kippen.

Die EU-Kommission soll nach Angaben ihres Präsidenten Jean-Claude Juncker noch am heutigen Freitag beschließen, die halbjährliche Zeitumstellung abzuschaffen. Nachdem die übergroße Mehrheit der Bürger in der Union sich dafür ausgesprochen habe, die Umstellung wieder abzuschaffen, werde das nun auch gemacht, kündigte Juncker am Freitag im ZDF an.

Er werde in der Kommission für die Abschaffung werben, „dass die Sommerzeit in Zukunft für alle Zeit gilt“. „Das werden wir heute beschließen“, sagte er mit Blick auf die laufende Kommissionsklausur. Es wäre sinnlos, die Menschen erst zu einem Thema zu befragen, und dann, wenn es einem nicht passe, dem nicht zu folgen. Jetzt seien „die Mitgliedstaaten und das Europäische Parlament am Zug. Das Europäische Parlament bewegt sich eh seit Jahren in diese Richtung“, sagte Juncker.

In einer EU-Umfrage zur Sommerzeit hatten sich 84 Prozent der Teilnehmer dafür ausgesprochen, die Zeitumstellung abzuschaffen. In Deutschland lag der Anteil exakt genauso hoch wie im EU-Durchschnitt.

Teilgenommen hatten rund 4,6 Millionen EU-Bürger. Das entspricht 0,89 Prozent der EU-Bevölkerung. In Deutschland lag der Anteil mit 3,79 Prozent weit darüber.

Auch in Österreich, Luxemburg, Finnland und Estland beteiligten sich überdurchschnittlich viele Menschen. Die geringsten Teilnehmerquote hatten Italien und Rumänien (jeweils 0,04 Prozent der Bevölkerung) sowie Großbritannien (0,02 Prozent).

Die Ablehnung der Zeitumstellung war unter den Teilnehmern in fast allen Ländern überwältigend: In Finnland und Polen erreichten die Gegner des Hin und Her Quoten von jeweils 95 Prozent, in Spanien 93, in Litauen 91 und in Ungarn und Kroatien jeweils 90 Prozent der Abstimmenden. Nur in Griechenland und Zypern waren die Befürworter der Zeitumstellung unter den Teilnehmern in der Mehrheit, mit einem Anteil von 56 Prozent beziehungsweise 53 Prozent.

Bei der Umfrage konnten Teilnehmer angeben, ob sie die Zeitumstellung weiter wünschen oder für eine Abschaffung plädieren. Und sie konnten anklicken, ob im Fall der Fälle lieber dauerhaft die Sommer- oder die Winterzeit gelten sollte. Kommt dauerhaft die Sommerzeit würde das beispielsweise bedeuten, dass die Sonne am 21. Dezember in Düsseldorf um 9.35 Uhr statt um 8.35 Uhr aufgehen würde.

Soll die Sommerzeit dauerhaft eingeführt werden?

Nach der Vorstellung der Ergebnisse hatte der Chef der Unionsabgeordneten im EU-Parlament, Daniel Caspary, Sympathie für ein Ende der Zeitumstellung geäußert, jedoch zu Bedenken gegeben, dass eventuell nicht alle EU-Staaten dauerhaft die Sommerzeit einführen wollten. Dies könnte dann zu der ungünstigen Situation führen, dass es zwischen mehr EU-Ländern Zeitunterschiede gebe als derzeit.

Merkel unterstützt Juncker

Der Rückhalt des EU-Parlaments gilt dennoch als sicher. Unter den Mitgliedsstaaten sei die Lage nicht ganz so eindeutig, sagte der CDU-Abgeordnete Peter Liese diese Woche. Aber: „Ich sehe auch da keine Mehrheit gegen die Abschaffung.“ Einige EU-Länder haben sich ohnehin schon positioniert. Litauen, Estland und Lettland sprachen sich ebenso für eine Abschaffung der Zeitumstellung aus wie Finnland.

Nach Junckers Ankündigung äußerte sich am Freitag auch die Bundeskanzlerin: „Ich persönlich hätte jedenfalls dafür eine sehr hohe Priorität“, sagte Angela Merkel, als sie auf ihrer Afrika-Reise auf die mögliche Abschaffung der Zeitumstellung angesprochen wurde.

Es hätten sich in Europa noch nie so viele Menschen an einer Online-Abstimmung beteiligt, begründete Merkel ihre Haltung. „Ich freue mich, wenn die Kommission dieses Votum ernst nimmt.“

Schlafstörungen, Konzentrationsschwierigkeiten, Gereiztheit

In Deutschland hatten sich im Frühjahr bereits in einer repräsentativen Umfrage im Auftrag der Krankenkasse DAK 73 Prozent der Befragten gegen die Zeitumstellung ausgesprochen. Rund ein Viertel berichtete, schon einmal Probleme damit gehabt zu haben. Etliche Menschen leiden demnach nach dem Uhrendreh an Schlafstörungen. Zudem wurden Konzentrationsschwierigkeiten und Gereiztheit als Folgen angegeben.

Umstritten ist, ob die Zeitumstellung den Nutzen bringt, der ursprünglich erwartet wurde. So knipsen die Deutschen laut Umweltbundesamt zwar wegen der Zeitumstellung im Sommer tatsächlich abends seltener das Licht an – im Frühjahr und Herbst wird jedoch morgens mehr geheizt. Energieeinsparungen sind damit nicht unbedingt gegeben.

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Genau dies war allerdings die Idee, als die Uhrenumstellung nach der Ölkrise in den 1970er-Jahren eingeführt wurde. In Deutschland gibt es sie in der heutigen Form seit 1980. Seit 1996 stellen die Menschen in allen EU-Ländern die Uhren einheitlich am letzten Sonntag im März eine Stunde vor – und am letzten Oktobersonntag wieder eine Stunde zurück.

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Kommentare (3)

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Herr Hans Henseler

31.08.2018, 10:33 Uhr

Gute Entscheidung, und hoffentlich wird die Sommerzeit dann staendig gueltig sein.

Herr Günther Heck

31.08.2018, 12:08 Uhr

Herr Henseler,

noch nicht einmal das schaffen die. Zumindest nicht so!

Wetten!

Ich hätte sie so gelassen und würde jetzt nix mehr verstellen. Alles gut, oder?

Herr J.-Fr. Pella

31.08.2018, 13:52 Uhr

Diese äußerst wichtige Entscheidung der EU
kann nur der z. Zt. wichtigste Mann innerhalb der EU, nämlich Herr Juncker, zu einer guten Entscheidung bringen. Benötigt werden dazu
das EU-Parlament,
die EU-Kommission
die EU-Mitgliedsländer und bitte nicht vergessen,
ca. 35.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei der EU.

Die Sorge, daß auch alles klappt, steht A L L E N auf d. Stirn geschrieben.
Den Beteiligten wünsche ich ein schönes Wochenende.

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