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17.07.2022

20:29

Flugzeugabsturz

Ukrainisches Frachtflugzeug stürzt über Griechenland ab: „Vom Himmel kam ein Feuerball“

Von: Gerd Höhler

Bewohner und Feuerwehrleute berichten von giftigen Dämpfen und Explosionen. Das Flugzeug hatte 11,5 Tonnen Munition geladen. Alle Besatzungsmitglieder kamen ums Leben.

Anwohner und Politiker fragen sich, was die Maschine geladen hatte. Reuters

Überreste der Antonow An-12

Anwohner und Politiker fragen sich, was die Maschine geladen hatte.

Athen „Wir sahen einen Feuerball, der aus dem Himmel auf die Erde zuraste. Dann folgte der Aufprall. Im selben Moment fiel der Strom aus.“ So beschreibt eine Bewohnerin aus dem Dorf Antifilippi den Absturz der ukrainischen Frachtmaschine nahe der nordgriechischen Hafenstadt Kavala am späten Samstagabend.

Handy-Videos von Augenzeugen zeigen, wie das schon in der Luft brennende Flugzeug auf die Erde zurast. Beim Aufprall gab es eine gewaltige Explosion. Der Feuerschein war kilometerweit zu sehen. Feuerwehrleute und Rettungsmannschaften konnten wegen des starken Rauchs, zahlreicher Detonationen und giftiger Gase zunächst nicht bis zur Absturzstelle vordringen.

Spezialisten der griechischen Armee begannen am Sonntagnachmittag, die Wrackteile der abgestürzten Transportmaschine zu untersuchen. Die Behörden warnten die Bevölkerung vor möglicherweise giftigen Dämpfen. Das Flugzeug hatte 11, 5 Tonnen Munition geladen. Die ersten Untersuchungen ergaben aber am Sonntagabend, dass von dem Wrack keine unmittelbare Gefahr ausgeht.

Die Rettungskräfte müssten sich schnell wieder zurückziehen, Feuerwehrleute klagten über Atemwegsprobleme. AP

Feuer an der Absturzstelle in der Nacht

Die Rettungskräfte müssten sich schnell wieder zurückziehen, Feuerwehrleute klagten über Atemwegsprobleme.

Videoaufnahmen von Drohnen zeigten das Ausmaß der Katastrophe. Die abstürzende Maschine hatte eine Schneise der Zerstörung in die Felder gepflügt. Von dem Flugzeug sind nur noch kleine Trümmer übrig. Manche liegen weit verstreut in der Umgebung. Lediglich vom vorderen Teil des Rumpfes waren größere Stücke zu erkennen. Alle acht Besatzungsmitglieder kamen bei dem Absturz ums Leben. Der ukrainische Konsul in Thessaloniki sagte, es habe sich um Ukrainer gehandelt.

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    Das Flugzeug vom Typ Antonow An-12, eine viermotorige Turboprop-Frachtmaschine, war am Samstagabend um 20.36 Uhr (MESZ) in der serbischen Stadt Nis gestartet. Das 1971 an die russische Aeroflot ausgelieferte Flugzeug gehörte erst seit Anfang dieses Jahres der ukrainischen Fluggesellschaft Meridian Aviation. Ziel des Fluges war Dhaka, die Hauptstadt von Bangladesch.

    Der serbische Verteidigungsminister Nebojsa Stefanovic gab am Morgen bei einer Pressekonferenz in Belgrad bekannt, die Maschine habe Mörsergranaten und Blendgranaten an Bord gehabt. Die Ladung war für das Verteidigungsministerium in Bangladesch bestimmt. In der jordanischen Hauptstadt Amman plante die Besatzung eine Zwischenlandung, um aufzutanken. Doch dazu kam es nicht.

    Über der nördlichen Ägäis meldeten die Piloten der griechischen Flugsicherung Probleme mit einem der Triebwerke und baten um Genehmigung für eine Notlandung. Die Maschine flog dann eine 180-Grad-Kurve, um den Flughafen von Kavala anzusteuern.

    Bruchlandung auf einem Maisfeld

    Aber den erreichte sie nicht mehr. Der Pilot kündigte noch eine Notlandung im Gelände mit eingefahrenem Fahrwerk an, bevor um 22.45 Uhr Ortszeit der Funkkontakt abriss. Zwei Minuten später verschwand auch das Radarsignal der Maschine. Kurz darauf stürzte die Maschine etwa 20 Kilometer vor dem Flughafen Kavala auf ein Maisfeld. Weil das Flugzeug beim Absturz eine Hochspannungsleitung streifte, fiel in der Umgebung der Strom aus.

    Christos Tsokalidis saß im Dorf Paleochori mit Freunden gerade draußen beim Abendessen. „Wir sahen Flammen, die vom Himmel kamen, dann hörten wir den Aufschlag. Sogar zwei Stunden nach dem Absturz waren Explosionen von der Absturzstelle wahrzunehmen“, erzählte Tsokalidis.

    Eine Anwohnerin berichtete, die abstürzende Maschine habe ihr Haus nur knapp verfehlt. „Es war ein unglaubliches Dröhnen, das Flugzeug kam über den Berg, drehte sich und stürzte ins Feld“, sagte die Frau. Stamatis Kouretsis aus der Ortschaft Antifilippi gehörte zu den Ersten, die den Unglücksort erreichten. „Die ätzenden Dämpfe brannten uns im Hals“, berichtet er.

    Noch Stunden nach dem Absturz brennt es an der weitläufig abgesperrten Absturzstelle. AP

    Reste der Maschine aus der Nähe

    Noch Stunden nach dem Absturz brennt es an der weitläufig abgesperrten Absturzstelle.

    Die Behörden forderten die Bewohner der umliegenden Dörfer zunächst auf, Fenster und Türen zu schließen und ihre Häuser nicht zu verlassen. Am Sonntagnachmittag traf eine 14-köpfige Spezialeinheit der griechischen Streitkräfte zur Bekämpfung von ABC-Kampfstoffen am Unglücksort ein. Auch aus dem Umweltministerium in Athen flogen Experten nach Kavala.

    Die Fachleute sollten klären, ob von den Flugzeugtrümmern Gefahr ausgeht. Bis dahin galt ein Ausgeh- und Fahrverbot für die Gegend. „Die Menschen sind sehr nervös“, berichtete der Gouverneur der Präfektur Thrazien, Christos Metios. „Wir warten auf die Ergebnisse der Untersuchung.“ Vorsichtshalber bereiteten die Behörden eine mögliche Evakuierung des Dorfes Antifilippi vor.

    Katastrophe

    Acht Tote bei Absturz von Frachtflugzeug im Norden Griechenlands

    Katastrophe: Acht Tote bei Absturz von Frachtflugzeug im Norden Griechenlands

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    Am Sonntagabend kam dann die Entwarnung: Die Fachleute vor Ort fanden keine giftigen Substanzen. Damit können nun die Untersuchungen zur Unfallursache beginnen. Die Ermittler konnten einen der Flugschreiber der Maschine bergen. Seine Auswertung könnte Hinweise zur Ursache des Absturzes geben. Auch sieben Leichen der acht Besatzungsmitglieder wurden in den Trümmern gefunden.

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