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17.04.2019

09:09

Frankreich

Macron will Notre-Dame in fünf Jahren wiederaufbauen – Experten skeptisch

Von: Thomas Hanke

Frankreichs Präsident will die Wiederherrichtung der Kathedrale Notre-Dame schnell vorantreiben. Experten zweifeln daran, ob der Dachstuhl wieder aus Holz gebaut werden kann.

Fernsehansprache nach Brand

Macron will Notre-Dame innerhalb von fünf Jahren wiederaufbauen

Fernsehansprache nach Brand: Macron will Notre-Dame innerhalb von fünf Jahren wiederaufbauen

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ParisDer französische Staatspräsident Emmanuel Macron hat am Dienstagabend ein ambitioniertes Versprechen abgegeben: „Der Wiederaufbau von Notre-Dame soll in fünf Jahren abgeschlossen sein, wir können es schaffen“, sagte er in einer kurzen Fernsehansprache.

Verschiedene Experten hatten während des Tages gesagt, die Rekonstruktion könne sogar mehrere Jahrzehnte dauern. So viel Zeit will sich der Präsident nicht lassen.

Den Franzosen und allen Menschen weltweit, die ihre Anteilnahme an der durch ein Feuer teils zerstörten Kathedrale von Paris gezeigt haben, dankte Macron. „Wir sind ein Volk der Erbauer, wir haben so viel wieder aufzubauen“ – was möglicherweise auch eine Anspielung auf die sozialen Risse war, die durch die französische Gesellschaft gehen. Franzosen und Menschen in aller Welt seien durch die Zerstörung von Notre-Dame „im Herzen getroffen“.

Städte und Dörfer seien durch Kriege und Revolutionen, durch die Fehler der Menschen zerstört worden, „aber wir haben sie immer wieder aufgebaut“, erinnerte der Präsident und fügte in mahnendem Ton hinzu: „Alles, was Frankreich ausmacht, ist fragil.“

„Wir werden die Notre-Dame-Kathedrale sogar noch schöner wieder aufbauen“, sagte Macron und dankte Feuerwehrleuten und Spendern. „Was wir in der Nacht in Paris gesehen haben, ist unsere Fähigkeit, uns zusammenzutun“, sagte Macron. Er versprach, dass das Feuer nicht sein Engagement schmälern werde, auf die finanzielle Unzufriedenheit der Gelbwesten-Protestteilnehmer zu reagieren.

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Seine Rede über die politischen Schwerpunkte, die eigentlich für Montagabend angekündigt war und dann wegen des Feuers verschoben wurde, will er „in den nächsten Tagen“ halten, „aber der Moment ist noch nicht gekommen, erinnern wir uns an die letzten Stunden – jeder hat gegeben, was er konnte, jeder an seinem Platz, in seiner Rolle“.

Diejenigen, die eine schnellere programmatische Ansage von ihm verlangen und bereits einzelne seiner mutmaßlichen Ankündigungen lancieren, wies er vorsichtig zurück: „An der Spitze eines Lands zu stehen bedeutet nicht, Dinge zu verwalten.“ Es gehe auch um Emotionen und darum, „den Faden unserer nationalen Geschichte wieder(zu)finden“, sagte er in einer teilweise fast spirituell wirkenden Rede.

Bei einem heftigen Feuer am Montagabend war die Kathedrale Notre-Dame im Herzen von Paris schwer beschädigt worden. Eine internationale Geberkonferenz soll Geld für den Wiederaufbau sammeln. Einen entsprechenden Vorschlag machte die Bürgermeisterin von Paris, Anne Hidalgo. Auch private Großspender stehen schon bereit und haben Hunderte Millionen Euro versprochen.

Der Kunsthistoriker Stephan Albrecht von der Otto-Friedrich-Universität Bamberg sieht einen Wiederaufbau mit Skepsis. Der Dachstuhl gehe auf eine Holzkonstruktion aus dem 13. Jahrhundert zurück, deren Baupläne nicht mehr verfügbar seien. „Es gibt nur vage Zeichnungen, wie das ausgesehen hat“, sagte Albrecht der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (Mittwoch). Er könne sich daher nicht vorstellen, dass der Dachstuhl wieder aus Holz aufgebaut wird. Der Wissenschaftler erwartet Notre-Dame als „Dauerbaustelle“.

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Markus Castor vom Deutschen Forum für Kunstgeschichte in Paris geht davon aus, dass der Großteil der Schäden wohl durch Löschwasser verursacht worden ist. Auf die Frage, ob der Brand den schlimmsten Schaden in der Geschichte der weltbekannten Kathedrale verursachte, antwortete Castor: „Absolut.“

Während der Französischen Revolution von 1789 sei das Bauwerk zwar ausgeräumt worden. Doch es habe keine Schäden gegeben, „die in die Grundstruktur des Gebäudes eingreifen“, so der Experte. „Die erste Priorität wird sein, die Statik des Gebäudes zu analysieren, zu sichern, und da auch wieder ein Dach drauf zu bekommen.“

Als Zeichen der Solidarität sollen am Mittwoch die Glocken vieler französischer Kirchen um Punkt 18.50 Uhr läutern. „Der Brand in der Kathedrale Notre-Dame de Paris ist ein Schock weit über die Katholiken unseres Landes hinaus“, erklärte die französische Bischofskonferenz.
Mit Agenturmaterial

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