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12.06.2018

06:53 Uhr

Gipfel in Singapur

Kim besteht den Trump-Test im Vier-Augen-Gespräch

VonChristoph Kapalschinski, Martin Kölling, Mathias Peer

Der US-Präsident und Nordkoreas Diktator haben beschlossen, eine Vereinbarung zu unterzeichnen. Stunden vorher hatte Kim bereits einen großen Auftritt.

Gipfeltreffen

Historischer Handschlag in Singapur

Gipfeltreffen: Historischer Handschlag in Singapur

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SingapurEs ist vollbracht: Nordkoreas Führer Kim Jong Un und US-Präsident Donald Trump haben tatsächlich eine Einigung erzielt. Beide brachen am Dienstagmittag um 12.45 Uhr Ortszeit von ihrem Treffen auf.

Trump und Kim gingen demonstrativ plaudernd auf die Kameras der wartenden Journalisten zu. Es gehe nun zur Unterzeichnung, sagte Trump. Was in dem Übereinkommen stehen wird, ließ er aber zunächst offen. Trump sagte, das erzielte Ergebnis sei „besser als alle erwartet hatten“. Erst für gut zwei Stunden später ist eine Pressekonferenz am Tagungshotel angesetzt, in der Trump sich erklären will.

Schon zuvor lief das Treffen offenbar ganz nach Trumps Vorstellungen. 60 Sekunden wollte der US-Präsident laut eigener Aussage brauchen, um im Vier-Augen-Gespräch zu sehen, ob es seinem nordkoreanischen Konterpart ernst ist mit den Friedensgesprächen. Kim hat den Trump-Test bereits am Dienstagmorgen bestanden: „Wir werden erfolgreich sein“, sagte Trump schon nach dem ersten Abtasten. Eine erweiterte Runde mit den Beratern und Ministern durfte somit wie geplant starten.

Händedruck vor großen Flaggen

Gerade einmal eine Viertelstunde war da der erste historische Moment des ersten US-nordkoreanischen Gipfeltreffens in Singapur her: Kim und Trump begrüßten sich mit einem lang anhaltenden Händedruck vor den Flaggen ihrer beiden Länder auf der Insel Sentosa.

Danach standen sie vor dem Hotel kurz nebeneinander, um für ein Pressefoto zu posieren und gingen anschließend gemeinsam in das Gebäude – Kim vorweg, bis Trump ihm die Hand auf die Schulter legte und ihm sanft den Weg durch die richtige Tür wies.

Angekommen im Konferenzraum zeigte sich Trump schon vor dem entscheidenden Vier-Augen-Gespräch überraschend optimistisch: „Es ist mir eine Ehre. Wir werden eine großartige Beziehung haben. Da habe ich keinen Zweifel“, sagte Trump. Auch Kim stimmte in den Tenor ein: „Die alten Vorurteile waren ein Hindernis auf unserem Weg. Aber wir haben sie überwunden – und jetzt sind wir heute hier“, sagte Kim. Trump flüsterte seinem Kontrahenten daraufhin zu: „Vielen Dank“ – und reckte den Daumen hoch.

Kim Jong Un auf Stadtrundfahrt

Dabei gab es zum Auftakt Singapurs großer Gipfelshow einen klaren Sieger: Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un machte sich wenige Stunden vor dem Treffen mit US-Präsident Donald Trump auf eine überraschende Sightseeing-Tour in dem Stadtstaat.

Über die nordkoreanische Nachrichtenagentur ließ er verbreiten, er habe an dem Tag die Wirtschaftspolitik des Stadtstaats eingehend kennengelernt und sich positiv über die Schönheit der Stadt geäußert. Er werde für die Zukunft von Singapur lernen.

Mehr zum Kim-Trump-Gipfel

Am späten Abend verließ er lächelnd sein Hotel und marschierte umringt von Dutzenden Bodyguards durch die Innenstadt. Passanten jubelten dem Diktator zu, zu hören war, wie eine Frau dem brutalen Machthaber zurief: „Ich liebe Sie, Mr. Kim.“ In der Gartenanlage „Gardens by the Bay“ posierte Nordkoreas Herrscher fröhlich neben Singapurs Außenminister für ein Selfie – womöglich das erste des Diktators überhaupt.

Dem früheren Reality-TV-Star Trump hat Kim damit klar die Show gestohlen. Der US-Präsident verbrachte den Abend fernab vom Scheinwerferlicht der Kameras in seinem Hotelzimmer im Shangri-La-Hotel. Er telefonierte mit dem japanischen Premierminister Shinzo Abe und dem südkoreanischen Präsidenten Moon Jae In. Zu hören war hinterher lediglich, dass sich die Staatschefs nach dem Gipfel erneut austauschen wollen.

Nikkei-Index im Plus

Die ersten Bilder von Trump gab es erst am frühen Dienstagmorgen: Sein schwer gesichertes Präsidentenauto „The Beast“ machte sich pünktlich um acht Uhr morgens auf den Weg durch die Polizeiabsperrungen in der Innenstadt. Mehrere Limousinen und Busse der US-Delegation begleiteten ihn.

Offenbar aus dem Auto twitterte Trump – aber in ganz anderer Sache: Er lobte eine Supreme-Court-Entscheidung in den USA zur Wählerregistrierung in Ohio. Eine halbe Stunde später teilte er mit, dass sein Wirtschaftsberater Larry Kudlow einen Herzinfarkt erlitten habe und sich in medizinischer Behandlung befinde.

Um das eigentliche Thema des Tages hatte sich Trump schon am frühen Morgen gekümmert. Um halb sechs Uhr Ortszeit twitterte er: Die „Haters and Losers“ würden bereits den Fakt kritisieren, dass es überhaupt ein Treffen mit Kim gebe. Dabei hätten die USA bereits ihre Geiseln zurückbekommen und Zugeständnisse bei Nordkoreas Atomtests erhalten. „Und die Experten, die mich von Anfang an kritisiert haben, haben nichts anderes zu sagen“, schrieb er. „Alles wird gut sein“, fügte er hinzu.

Wenn es um den Showeffekt geht, ist die Erwartung an den Gipfel bei Beobachtern hoch. Kaum jemand glaubt an einen Eklat. „Ich erwarte einen erfolgreichen Gipfel“, sagt Kim Joon-hyung, Professor an der südkoreanischen Handong-Universität.

Inhalt der Erklärung könnte dünn sein

Anders sieht es bei den Ergebnissen aus. Bisher ist offen, ob Trump und Kim neben Fotos ihres historischen Händedrucks mehr als eine wohlklingende Erklärung veröffentlichen werden. Doch ein derart magerer Ertrag wäre eine Enttäuschung. „Beide Führer brauchen eine Fotogelegenheit, das ist auch in Ordnung“, meint Experte Kim. „Aber das ist nicht genug.“

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Schon bevor die Ergebnisse des historischen Gipfeltreffens feststehen, hat Nordkoreas Machthaber große Erfolge erzielt.

Um den Gipfel ansatzweise als Erfolg reklamieren zu können, müssten die USA und Nordkorea sich in Kim Joon-hungs Augen zumindest auf eine gemeinsame Definition des Begriffs Denuklearisierung und einen Zeitplan für die kommenden detaillieren Verhandlungen einigen. „Ein Zeitplan wäre etwas, das wir seit 25 Jahren nicht hatten“, meint er. Und je konkreter die Vereinbarungen wären, je besser sei das Ergebnis.

Die Börsen in Asien erwarten offenbar keine negativen Nachrichten von dem Treffen: Der japanische Nikkei-Index eröffnete 0,75 Prozent im Plus und stand bis zum Ende des Vormittagshandels mit 0,28 Prozent im Plus. Sollte der Gipfel allerdings scheitern und die Gefahr einer militärischen Auseinandersetzung wieder steigen, dürften die Märkte deutlich ins Minus drehen.

Die Zeit für eine Einigung ist aber knapp. Der Gipfel mit Kim wird nun wohl kürzer ausfallen als ursprünglich geplant. Eigentlich war von einem ganzen Tag die Rede, den Trump und Kim miteinander verbringen wollen. Nach derzeitiger Planung wird das Treffen der beiden Staatschefs allerdings schon nach dem Mittagessen enden: Kims Abreise ist offenbar für 14 Uhr (8 Uhr MESZ) geplant.

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