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23.08.2019

15:58

Handelsstreit

China schlägt zurück: Strafzölle auf US-Waren im Wert von 75 Milliarden Dollar

Von: Torsten Riecke

Peking kündigt neue Strafzölle auf US-Importe an. Das dürfte auch Thema beim G7-Gipfel werden. Auf die Unterstützung der Europäer kann Trump jedoch kaum hoffen.

Der chinesische Präsident verkündet passend zum G7-Gipfel neue Strafzölle. AP

Xi Jinping

Der chinesische Präsident verkündet passend zum G7-Gipfel neue Strafzölle.

Berlin Pünktlich zum Treffen der sieben größten Industrienationen (G7) im französischen Biarritz hat China den globalen Handelskonflikt noch einmal angeheizt. Das Handelsministerium in Peking kündigte neue Strafzölle auf US-Importe im Volumen von 75 Milliarden Dollar an. Sie sollen stufenweise zum 1. September und zum 15. Dezember eingeführt werden.

So sollen amerikanische Sojabohnen mit einem weiteren Zuschlag von fünf Prozent sanktioniert werden. Auch die Einfuhrabgaben auf Autos aus den USA will Peking zum 15. Dezember wieder einführen. Die Finanzmärkte reagierten mit Kursverlusten auf die neue Eskalation. Auch der Ölpreis gab nach.

Die chinesische Regierung reagiert damit auf die Drohung von US-Präsident Donald Trump, neue Strafzölle von zehn Prozent auf Importe aus China im Wert von 300 Milliarden Dollar zu erheben. Die Sanktionen sollten zunächst am 1. September in Kraft treten. Trump verschob die Maßnahme dann aber auf Dezember – in der Hoffnung, dass beide Seiten bis dahin ihren Handelskonflikt beilegen.

Auf Twitter reagierte Trump ungehalten und forderte US-Unternehmen auf, sich nach Alternativen zu China umzusehen.

Die USA erheben bereits einen Strafzoll von 25 Prozent auf chinesische Einfuhren im Volumen von 250 Milliarden Dollar. Zieht Trump seine Sanktionspläne durch, würden die gesamten Exporte Chinas in die USA mit Strafzöllen belegt. China kann nicht mit gleicher Münze heimzahlen, weil das Land viel weniger aus Amerika importiert als dorthin exportiert.

Nach einem Ende des nunmehr seit einem Jahr andauernden Konflikts sieht es im Moment nicht aus. Im Gegenteil. Die letzten Gespräche zwischen den Washington und Peking brachten kaum eine Annäherung, nachdem eine Einigung im Mai bereits möglich schien, dann aber an Bedenken der Chinesen scheiterte.

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Die USA drängen nicht nur auf einen Abbau des enormen Handelsdefizits mit China, sondern wollen auch den von Peking erzwungenen Technologietransfer und den Einfluss des chinesischen Staates auf die Wirtschaft stoppen. Peking sieht darin einen Eingriff in seine Souveränität.

Thema beim G7-Gipfel

Der globale Handelskrieg zwischen den beiden Großmächten dürfte auch Thema beim G7-Gipfel in Biarritz ab Samstag sein. China ist dort zwar nicht vertreten, spielt aber als de facto größte Volkswirtschaft der Welt in allen wirtschaftspolitischen Diskussionen eine Schlüsselrolle. Zumal europäische Unternehmen, die in China oder den USA produzieren und von dort exportieren, auch von den Sanktionen betroffen sind.

Trump hatte zuletzt betont, dass er den Druck auf Peking aufrechterhalten wolle. Die Proteste gegen China in Hongkong haben ihm dabei einen zusätzlichen Hebel in die Hand gegeben: „Ich glaube, dass es sehr schwer würde, eine Einigung zu erzielen, wenn China gewaltsam reagiert“, sagte der US-Präsident mit Blick auf eine möglich Militärintervention Pekings in Hongkong.

Auf Unterstützung für seine harte Linie gegenüber Peking kann Trump beim G7-Gipfel aber nicht hoffen. Zwar teilen die Europäer die amerikanische Kritik an den unfairen Handelspraktiken Chinas. Da Trump jedoch auch Europa mit Strafzöllen auf Stahl und Aluminiumeinfuhren belegt hat und mit weiteren Sanktionen gegen Autoimporte droht, ist der Westen zerstritten und findet keine gemeinsame Linie gegenüber Peking.

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