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12.06.2018

13:16 Uhr

USA und Nordkorea: Donald Trump glaubt an Kim Jong Un dpa

Gipfeltreffen in Singapur

Kim Jong Un und Donald Trump haben verschiedene Maßnahmen vereinbart.

Historischer Gipfel in Singapur

Trump glaubt an Kim – Fragen nach Details wischt er weg

VonMathias Peer, Christoph Kapalschinski

Nach der Unterzeichnung verkündet Trump die Ergebnisse der Vereinbarung mit Kim. Zweifel lässt der US-Präsident nicht zu. Er will gefeiert werden.

SingapurNachdem er einen Tag lang das Scheinwerferlicht mit Kim Jong Un teilen musste, steht Trump nun alleine auf einer Bühne im Luxushotel Capella, das den Schauplatz der Inszenierung lieferte. Seit Tagen ist das Gebäude auf der Insel Sentosa abgeriegelt. Am Nachmittag öffnen dann schwer bewaffnete Sicherheitskräfte die Tore für einen Reisebus mit Journalisten, die vom Weißen Haus für die Teilnahme der Pressekonferenz ausgewählt worden sind. 

Trump kommt ein wenig später als angekündigt. Vor seinem Auftritt vor der Weltpresse arbeitet er noch Fernsehinterviews ab: eines mit dem US-Sender ABC, ein anderes mit seinem Freund Sean Hannity von Fox News, der sich in der Vergangenheit als eine Art externer Pressesprecher Trumps präsentiert hat.

Im Auditorium des Capella kann Trump auf so viel Wohlwollen nicht hoffen. Mehr als eine Stunde nimmt er sich Zeit, um Fragen zu beantworten. Und eine kommt in unterschiedlichen Variationen immer wieder vor: Wie er denn sicherstellen werde, dass Kim Jong Un tatsächlich den Weg in Richtung nuklearer Abrüstung einschlagen werde, wie in dem kurz zuvor unterzeichneten Gipfeldokument versprochen? Eine Reporterin bringt es in Trumps eigener Sprache auf den Punkt: Was wenn das „all talk but no action“ sei?

Garantien für Abrüstung kann der US-Präsident nicht nennen. Reuters

Donald Trump auf der Pressekonferenz

Garantien für Abrüstung kann der US-Präsident nicht nennen.

Trump reagiert genervt: Er sei überzeugt davon, dass Kim es ernst meine und den Wandel wolle. Ob das garantiert sei? Absolute Sicherheit gebe es nicht. „Es ist auch nicht sicher, ob Sie sich gleich wieder ordentlich hinsetzen können“, sagt er schnippisch zu der Journalistin.

Er steht hinter dem aus Washington mitgebrachten Podium, das das offizielle Präsidentensiegel trägt. Seine Bühne hat einen roten Teppich. Trump wischt Fragen nach Details weg, er will gefeiert werden: „Kim hat die Chance, eine glorreiche Ära des Wohlstands einzuleiten.“

Gleich mehrfach wird Trump gefragt, wie er mit den Menschenrechtsverletzungen in Nordkorea umgehe – und wieso er sich so lobend über Kim äußere. „Mir ist klar, dass es dort eine üble Situation gibt – aber die gibt es an anderen Orten auch“, sagt Trump. „Ich habe gesagt, dass Kim sein Ding durchziehen kann, nicht dass er es auf die nette Art macht“, verteidigt sich Trump. Kim sei mit 28 Jahren bereits Staatschef geworden. „So etwas schafft nur einer unter 10.000“, lobt Trump.

Zu Menschenrechten fällt ihm vor allem ein, dass er die Rückführung der sterblichen Überreste der US-Gefallenen aus dem Korea-Krieg in die Vereinbarung hineinverhandelt habe – einer der klarsten Punkte. Darum hätten ihn viele US-Bürger gebeten. Angesprochen auf 100.000 Gefangene in nordkoreanischen Lagern sagt Trump: „Ich glaube, dass gerade diese Gruppe mit am meisten von unserer Vereinbarung profitieren kann.“

Garantien für die Abrüstung kann Trump nicht nennen. Anders als bei früheren Abkommen sei aber nun ein anderer Präsident am Ruder, der die Sache durchziehen werde. Anders als das „Clinton-Regime“ werde er zudem kein Geld zahlen. Dafür will Trump künftig auf „War Games“, also auf die gemeinsamen Militärmanöver mit Südkorea, verzichten. „Das spart uns viel Geld und ist das richtige Signal“, sagt er. Die Bomber müssten jeweils sechseinhalb Stunden von Guam aus einfliegen. „Ich verstehe viel von Flugzeugen und weiß: Das ist enorm teuer“, sagt er.

Für konkrete Schritte ist es laut Trump noch zu früh: Beide Länder würden noch keine Botschafter austauschen, auch blieben die Sanktionen bestehen. Trump kündigt an, „viele Leute“ würden die Abrüstung vor Ort kontrollieren. Konkrete Punkte gibt es dazu in der Vereinbarung nicht.

Nicht in die Vereinbarung habe es zudem eine Zusage Kims geschafft, die er nach der Unterzeichnung gegeben habe: In den kommenden Wochen werde ein Testgelände für Raketen-Motoren geschlossen.

Dokumentation im Wortlaut: Auf diese 4 Kernpunkte haben sich Kim und Trump geeinigt

Dokumentation im Wortlaut

Auf diese 4 Kernpunkte haben sich Kim und Trump geeinigt

Der US-Präsident und Nordkoreas Machthaber haben sich zu einer vollständigen Denuklearisierung der koreanischen Halbinsel bekannt. Ihre Vereinbarung im Wortlaut.

Trump gesteht Nordkorea ausdrücklich zu, bei der Atombewaffnung sehr weit fortgeschritten zu sein. Laut Geheimdiensterkenntnissen habe das Land substanzielle Fähigkeiten aufgebaut. Daher bedrohe ein möglicher Krieg direkt die Einwohner Seouls. „Um 30 Millionen Leben zu retten, setze ich mich gern mit Kim auf eine Bühne und reise auch bis nach Singapur“, sagt Trump.

Ein Treffen sei „keine große Sache“, sagt er zu der Frage, ob er damit einen Diktator legitimiere. Vorherige Präsidenten hätten ähnliche Schritte sträflich vernachlässigt. „Das Problem hätte schon seit Jahrzehnten gelöst werden können. Mir macht es das nur schwerer – wie beim Iran“, klagte Trump.

Zu guter Letzt malt der Ex-Immobilienmogul – wie im Video – eine goldene Zukunft aus: Aus Sicht eines Immobilienentwicklers sei Nordkorea – zwischen Seoul und China – eine ideale Lage. Die Bilder von den Raketentests zeigten schließlich Traumstrände. Da könnten Ferienressorts hin – falls das nordkoreanische Volk und Kim das wünschten.

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