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07.12.2022

13:55

Inflation

Schwache globale Nachfrage lässt Chinas Exporte einbrechen

Von: Dana Heide

PremiumDas Ausmaß des Rückgangs ist noch größer als erwartet. Die Staatsführung versucht, mit neuen Lockerungen bei den Coronarestriktionen gegenzusteuern.

Die chinesischen Exporte sind eingebrochen. dpa

Hafen in Nanjing

Die chinesischen Exporte sind eingebrochen.

Berlin Eine gedämpfte globale Nachfrage hat den chinesischen Außenhandel noch stärker als erwartet einbrechen lassen. Die Ausfuhren in US-Dollar gingen im November im Vergleich zum Vorjahresmonat um 8,7 Prozent zurück, wie die chinesische Zollbehörde am Mittwoch mitteilte. Analysten hatten für den November im Durchschnitt mit einem Minus von 3,5 Prozent gerechnet.

Damit fällt bereits im zweiten Monat in Folge eine wichtige Stütze der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt aus. Im Oktober war der Export bereits um 0,3 Prozent zurückgegangen.

Auch die Einfuhren nach China schrumpften im November drastisch. Der Rückgang betrug 10,6 Prozent – und war damit ebenfalls dramatischer als von Analysten vorhergesagt. Der Außenhandel entwickelte sich mit einem Minus von 9,5 Prozent noch schlechter als beim Einbruch zu Beginn der Pandemie im Mai 2020, als dieser um 9,3 Prozent zurückging.

Der Abschwung im chinesischen Außenhandel trifft auch deutsche Exporteure. So brachen die deutschen Ausfuhren nach China im November um 17,5 Prozent ein. Der Rückgang der chinesischen Ausfuhren in die USA war mit einem Minus von 25,4 Prozent sogar noch größer.

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    Die akute Schwäche der chinesischen Exporte ist eine schwere Belastung für die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt. Die Ausfuhren waren bislang eine wichtige Stütze von Chinas Wirtschaft – insbesondere weil sich der Konsum seit Beginn der Krise aufgrund der Coronarestriktionen der chinesischen Staatsführung kaum erholt hat und das Land zudem mit einer anhaltend schweren Immobilienkrise zu kämpfen hat.

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    Auch das kommende Jahr dürfte schwierig werden – Experten rechnen aufgrund der angespannten internationalen Konjunkturlage mit einem weiteren Rückgang der chinesischen Exporte, auch der Konsum wird sich wahrscheinlich nicht so schnell erholen.

    Die chinesische Wirtschaft dürfte im November kaum gewachsen sein. Denn die Corona-Lockdowns betrafen nach Schätzungen der japanischen Finanzgruppe Nomura Städte und Regionen, die in normalen Zeiten bis zu ein Fünftel zum Bruttoinlandsprodukt beisteuern.

    Für das vierte Quartal wird damit insgesamt nur noch ein Wachstum von etwas mehr als zwei Prozent erwartet. Nach 8,1 Prozent Zuwachs im Vorjahr erwartet die Weltbank, dass China 2022 nur noch ein Plus von 2,8 Prozent erreicht.

    China rückt von seiner strikten Null-Covid-Politik ab. IMAGO/ZUMA Wire

    Behördlicher Corona-Test

    China rückt von seiner strikten Null-Covid-Politik ab.

    Experten sehen in diesem Jahr aufgrund der zahlreichen Lockdowns infolge der Null-Covid-Politik eine Zäsur für die chinesische Wirtschaft. „Dieses Jahr bildet einen Wendepunkt mit Blick auf die Bedeutung des chinesischen Marktes“, sagte Max Zenglein, Chef-Ökonom beim Berliner China-Thinktank Merics, dem Handelsblatt. „Bislang galt der Markt als wachstumsstark und stabil. Das hat sich mit diesem Jahr komplett verändert und diese Veränderung wird anhalten“, so Zenglein.

    Immerhin wurden am Mittwoch weitere Lockerungen bei den Maßnahmen zur Eindämmung der Coronapandemie im Land verkündet. Bei leichten Infektionsverläufen dürfen manche Bürger sich nun auch zu Hause isolieren, anstatt in ein zentrales Quarantäne-Camp umziehen zu müssen.

    Lokale Beamte dürfen nun keine ganzen Wohnanlagen mehr zu Hochrisikogebieten erklären. Zudem ist nun zum Betreten vieler öffentlicher Orte kein negatives PCR-Testergebnis mehr nötig, wie etwa an Eingängen zu Supermärkten und Wohnanlagen.

    Die Lockerungen werden von manchen auch als Reaktion auf die landesweiten Proteste in mehreren Städten wie Shanghai, Peking und Wuhan Ende November gesehen. Die chinesische Führung dürfte damit jedoch auch versuchen, den lahmenden Konsum zu stärken. Der war laut den aktuellsten Zahlen im Oktober aufgrund landesweiter Lockdowns um 0,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat eingebrochen.

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    In chinesischen Medien wurden in den vergangenen Tagen zahlreiche Berichte verbreitet, wonach die Omikron-Variante einer Erkältung gleiche. Das entspricht einer Abkehr von früheren Kampagnen, in denen das Coronavirus stets als sehr gefährlich dargestellt wurde. Die Bevölkerung soll vermutlich auf ein Leben mit dem Virus vorbereitet werden. Zudem soll es mehr Bemühungen zur Impfung der Bevölkerung geben.

    Eine offizielle Herabstufung der Krankheit auf einen niedrigeren Gefährdungsgrad war bei der Sitzung des mächtigen Politbüros am Mittwoch hingegen offenbar kein Thema. „Das bedeutet, dass Coronamaßnahmen weiterhin in Kraft bleiben, bis sich die chinesische Regierung sicher ist, dass die Coronafälle nicht das Gesundheitssystem belasten werden, insbesondere die Intensivstationen“, schreibt die China-Ökonomin Iris Pang von der ING Diba.

    China muss mehrere Konjunkturrisiken verkraften – eines ist die Immobilienkrise. dpa

    Hochhäuser in Shenzhen

    China muss mehrere Konjunkturrisiken verkraften – eines ist die Immobilienkrise.

    Dafür spricht, dass in chinesischen Staatsmedien wie etwa der „Global Times“ gewarnt wurde, dass die Lockerungen keineswegs eine komplette Abkehr von der Null-Covid-Strategie bedeuten. Die „Global Times“ zitierte Wang Guangfa, Atmungsexperte am Ersten Krankenhaus der Universität Peking, der erklärte, dass die neuen Maßnahmen kein Signal für eine völlige Entspannung angesichts der anhaltenden Covidepidemie seien. Sie dienten lediglich dazu, die Ressourcen dort einzusetzen, wo sie am dringendsten benötigt würden.

    Für eine Entwarnung ist es also weiterhin zu früh, insbesondere weil unklar ist, wie sich die Zahl der Infizierten weiter entwickeln wird. China steht mit Blick auf die Bewältigung der Pandemie vor zwei Herausforderungen: Zum einen ist der Infektionsschutz durch Impfungen insbesondere bei der älteren Bevölkerung laut Experten nicht ausreichend. Zum anderen ist das chinesische Gesundheitssystem nicht auf einen großen Anstieg von schweren Krankheitsfällen vorbereitet.

    Eine in dem Journal „Critical Care Medicine“ veröffentlichte Studie aus dem Jahr 2020 zeigt, dass China nur über 3,6 Intensivbetten je 100.000 Einwohner verfügt – zum Vergleich: Taiwan hält laut der Studie über 28,5 und Singapur über 11,4 Betten je 100.000 Einwohner vor.

    Mit Material von der dpa.

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