Handelsblatt App
Jetzt 4 Wochen für 1 € Alle Inhalte in einer App
Anzeigen Öffnen
MenüZurück
Wird geladen.

14.11.2022

08:59

Interview

Siemens-CEO Busch: „Ohne China ist Diversifizierung nicht möglich“

Von: Julian Olk, Mathias Peer

Roland Busch, Siemens-CEO und Vorsitzender des Asien-Pazifik-Ausschusses (APA), erklärt, warum China aus seiner Sicht unentbehrlich für die deutsche Wirtschaft ist.

„Unser Ansatz ist klar: In China stark bleiben und gleichzeitig viele neue Projekte in anderen Ländern aufsetzen.“ dpa

Roland Busch

„Unser Ansatz ist klar: In China stark bleiben und gleichzeitig viele neue Projekte in anderen Ländern aufsetzen.“

Singapur Herr Busch, die deutsche Wirtschaft sagt einhellig, dass sie ihr Geschäft diversifizieren will. Konkrete Handlungen sehen wir bislang nicht. Sind das nur leere Absichtserklärungen?
Alle Firmen, ob Großunternehmen oder Mittelständler, wissen: Eine weitere Diversifizierung darf nicht nur eine Absichtserklärung bleiben. Die Covid-19-Pandemie und Russland haben klar gezeigt, welche Probleme wir durch zu starke Abhängigkeiten bekommen können. Die deutsche Wirtschaft handelt entsprechend, auch wenn wir die Ergebnisse natürlich erst längerfristig sehen werden.

Bedeutet eine Ausweitung der Geschäfte auf andere Länder ein Zurückfahren in China?
Das Gegenteil ist der Fall: Ohne China ist Diversifizierung nicht möglich. Einen wesentlichen Teil der Mittel für neue Investments, ob in Forschung und Entwicklung – auch in Deutschland – oder zur Erschließung neuer Märkte, verdient die deutsche Wirtschaft auch in China.

Was ist Diversifizierung dann wert, wenn sie am Klumpenrisiko China nichts ändern will?
Wer mehr Wachstum in neuen, aufstrebenden Märkten will, muss das erst einmal durch profitables Wachstum in bestehenden Märkten erwirtschaften. Anders kommt man gar nicht an die notwendigen Mittel, um Diversifizierung zu ermöglichen.

Das dürfte sich ändern, Finanzinvestoren werden doch zunehmend eine breit aufgestellte Strategie als Kriterium aufnehmen.
Der Kapitalmarkt ist weiterhin stark auf Profitabilität fokussiert. Und es ist nun einmal so, dass ein Euro, den ich in etablierten Märkten einsetze, sich schneller rechnet als ein Euro, den ich in einem Schwellenland investiere. Bislang zahlte kaum ein Markt für Resilienz.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    „Auch China braucht den Handel und weltweite Kooperation“

    Es werden durchaus mehr.
    Das ist auch richtig so. Nach vorne geblickt werden Resilienz und Nachhaltigkeit ein immer wichtigerer Teil der Unternehmensbewertung. Das ist klar erkennbar, wird aber seine Zeit brauchen.

    Ist China über den kritischen Blick der Deutschen auf das Land verärgert?
    Diesen Eindruck habe ich nicht. Wir waren zuletzt mit Bundeskanzler Olaf Scholz in China und wurden dort offen empfangen. Die Rolle, die Deutschland für China spielt, sollte man nicht unterschätzen.

    Haben Sie Hoffnung, dass China seinen Kurs ändert?
    Ein Stück weit schon. Die Richtung, in die sich Chinas Wirtschaftspolitik beispielsweise bei internationalen Standards oder Datentransfers entwickelt, besorgt uns. Anstatt sich zu öffnen, verschließt sich China und stellt Sicherheit vor wirtschaftliche Entwicklung. Ich habe aber Hoffnung, dass sich das ändert. Auch China braucht den Handel und weltweite Kooperation. Ein Wachstum von drei Prozent jährlich kann für so ein Land auf Dauer nicht reichen.

    Wie läuft die Diversifizierung bei Siemens? Auf Russland müssen Sie verzichten, aber in China wollen Sie weiter fleißig investieren.
    Unser Ansatz ist klar: In China stark bleiben und gleichzeitig viele neue Projekte in anderen Ländern aufsetzen. In Ägypten haben wir kürzlich einen Acht-Milliarden-Euro-Auftrag für Züge, Service und Infrastruktur erhalten. In Indien haben wir vor Kurzem das erste Stadtbahnprojekt gewonnen. Und natürlich interessieren wir uns auch für die südostasiatischen Staaten, Lateinamerika und für Australien, etwa mit Blick auf grünen Wasserstoff und grüne Technologien.

    Robert Habeck hat sich mit seinen Vorschlägen zu einer Neujustierung der Investitionsgarantien durchgesetzt. Wie bewerten Sie das?
    Der Ansatz, auch in der Regulatorik eine breitere Verteilung der Geschäfte zu fördern, ist richtig. Es gibt mit Blick auf das Geschäft der deutschen Wirtschaft insgesamt durchaus Klumpenrisiken.

    Die Regierung will künftig nur noch maximal drei Milliarden Euro pro Land pro Unternehmen absichern. Was bedeutet das für Sie?
    Bei großen Projekten mussten wir bislang schon auf Sondergenehmigungen setzen. Wenn diese erteilt werden, halte ich das für gerechtfertigt, weil es hierfür einen politischen Willen in Deutschland gibt und die Investitionen einer großen Zahl von Menschen direkt helfen, indem sie beispielsweise die Infrastruktur vor Ort verbessern, Arbeitsplätze hier wie dort schaffen und den Transportsektor grüner machen. Ich gehe fest davon aus, dass es diese Möglichkeiten auch nach der Reform geben wird.

    Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

    Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

    Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

    ×