Handelsblatt App
Jetzt 4 Wochen für 1 € Alle Inhalte in einer App
Anzeigen Öffnen
MenüZurück
Wird geladen.

18.06.2019

19:26

Kampf um Tory-Parteivorsitz

Johnson baut Führung aus, Überraschungskandidat Stewart weiter, Raab ist raus

Von: Carsten Volkery

Der künftige britische Premierminister heißt Johnson, Hunt, Gove, Javid – oder Stewart. Dass der Entwicklungshilfeminister noch im Rennen ist, kommt einer Sensation gleich.

Dass der Entwicklungshilfeminister überhaupt noch im Rennen ist, kommt einer Sensation gleich. AFP

Rory Stewart

Dass der Entwicklungshilfeminister überhaupt noch im Rennen ist, kommt einer Sensation gleich.

London Boris Johnson hat seinen Vorsprung im Rennen um den Posten des britischen Premierministers ausgebaut. Der Ex-Außenminister erhielt in der zweiten Abstimmungsrunde in der konservativen Unterhausfraktion am Dienstag 126 Stimmen. Zweiter wurde Außenminister Jeremy Hunt. Er konnte um drei Stimmen auf 46 Stimmen zulegen. Dritter wurde Umweltminister Michael Gove mit 41 Stimmen. Entwicklungshilfeminister Rory Stewart wurde Vierter mit 37 Stimmen. Und Innenminister Sajid Javid schaffte es mit 33 Stimmen gerade so über die Schwelle.

Ausgeschieden ist hingegen Ex-Brexit-Minister Dominic Raab. Mit 30 Unterstützern verfehlte er die fürs Weiterkommen notwendigen 33 Stimmen. Das war erwartet worden, weil er als Brexit-Hardliner um die gleiche Zielgruppe wie Spitzenreiter Johnson konkurrierte.

Die größte Überraschung war jedoch das Abschneiden von Stewart. Als Außenseiter gestartet, landete er nun auf dem vierten Platz – und darf am Abend an der zweiten TV-Debatte teilnehmen.

Der 46-Jährige hatte laut Umfragen die erste Fernsehdebatte am Sonntag gewonnen und in den vergangenen Tagen den größten Schwung entwickelt. Mehrere pro-europäische Tories wechselten in sein Lager. Am Montag sprach sich sogar Vizepremier David Lidington öffentlich für ihn aus.

Stewart wirbt damit, der „Stop Boris“-Kandidat zu sein. Er wirft Johnson vor, unhaltbare Brexit-Versprechen zu machen. Die Europäer würden den Ausstiegsvertrag nicht nachverhandeln, sagt er. Johnson hat angekündigt, bis zum 31. Oktober Änderungen am Vertrag durchzusetzen und notfalls die EU ohne Deal zu verlassen.

Johnson gilt auch in der Stichwahl als Favorit

Beobachter halten Johnsons Versprechen nur für eine Wahlkampftaktik, um in die Downing Street zu gelangen. Wenn er erst einmal im Amt sei, werde er sich der Realität anpassen und einen weiteren Brexit-Aufschub beantragen, so die Erwartung in London.

Johnson ist für das Finale so gut wie gesetzt. Viele Kollegen sehen ihn als sicheren Sieger und buhlen bereits um einen Platz in seinem Kabinett. Vor der Abstimmung am Dienstag hatten sich die nach der ersten Runde ausgeschiedenen Konkurrenten Andrea Leadsom, Esther McVey und Matt Hancock hinter den Spitzenreiter gestellt.

Die anderen Bewerber kämpfen nur noch darum, wer in der Stichwahl am Ende gegen Johnson antreten darf. Die nächsten Abstimmungen in der Fraktion finden am Mittwoch und Donnerstag statt. In jeder Runde scheidet der Letztplatzierte aus. Spätestens am Donnerstag sollen die beiden Finalisten feststehen, die sich auf mehreren Regionalkonferenzen der Parteibasis präsentieren werden. Ende Juli wählen die 160.000 Parteimitglieder den neuen Parteivorsitzenden, der automatisch auch Premierminister wird.

Johnson gilt auch in dem finalen Duell als haushoher Favorit. In einer Umfrage der Blogger-Website ConservativeHome sprachen sich 55 Prozent der Tory-Mitglieder für Johnson als Premier aus. Stewart kam mit 16 Prozent auf den zweiten Platz. Alle anderen Bewerber liegen im einstelligen Bereich.

Die Parteimitglieder haben laut einer YouGov-Umfrage vor allem ein Ziel: Großbritannien soll endlich die EU verlassen. Dieses Ziel ist ihnen wichtiger als die Einheit des Königreichs und das Wirtschaftswachstum. Mehr als 60 Prozent sagen der Umfrage zufolge, dass sie den Brexit auch dann wollen, wenn er zur Abspaltung Schottlands oder zu wirtschaftlichen Schäden führe.

Mehr: Die konservativen Bewerber für das Amt des britischen Premiers wollen die Steuern senken. Doch Ökonomen zweifeln an der Finanzierbarkeit der Versprechen.

Handelsblatt Premium

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×