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07.09.2017

00:01 Uhr

Katalonien

Der Streit eskaliert

VonSandra Louven

Kataloniens Parlament beschließt ein Gesetz für eine Abstimmung über die Abspaltung von Spanien. Die Zentralregierung will ein Referendum mit allen Mitteln verhindern. Doch das könnte Separatisten in die Hände spielen.

Streit um Unabhängigkeitsreferendum

Ein Land vor der Zerreißprobe – Katalonien eröffnet Unabhängigkeits-Kampagne

Streit um Unabhängigkeitsreferendum: Ein Land vor der Zerreißprobe – Katalonien eröffnet Unabhängigkeits-Kampagne

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MadridSeit Jahren schon fordern die Katalanen die Unabhängigkeit von Spanien, doch so weit wie dieses Mal ist ihr Projekt noch nie gediehen: In einer von hitzigen Wortgefechten begleiteten Debatte beschloss das katalanische Parlament am Mittwochabend ein Gesetz, das ein Referendum über die Unabhängigkeit am 1. Oktober vorsieht. In dem Parlament unter Ministerpräsident Carles Puigdemont haben die Separatisten die Mehrheit.

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Nach den Plänen der regierenden Parteien in Katalonien soll im Oktober ein Referendum über die Unabhängigkeit der Region entscheiden. Spaniens Ministerpräsident lehnt die Pläne klar ab. Die Verfassung werde gebrochen.

Überwiegen in dem Referendum die Ja-Stimmen, soll innerhalb von 48 Stunden die Trennung von Spanien erfolgen und eine eigene katalanische Republik in Kraft treten. Die Zentralregierung in Madrid hat noch während der Debatte über das Gesetz das Verfassungsgericht angerufen. Das hatte das geplante Referendum bereits vor Monaten für illegal erklärt. Es verstößt nach Meinung der Richter gegen die Verfassung, die die Einheit des Landes vorsieht.

„Das ist ein Tritt gegen die Demokratie, peinlich und beschämend“, sagte die spanische Vizepremierministerin Soraya Sáenz de Santamaría mit Blick auf das Referendums-Gesetz, das am Mittwochmorgen kurzfristig auf die Tagesordnung gehoben wurde, um ein juristisches Verbot der Debatte zu vermeiden.

Für das geplante Referendum ist keine Mindestbeteiligung der wahlberechtigten Katalanen vorgesehen und auch keine absolute Mehrheit – eine Stimme mehr ja als nein reicht. Das dürfte den Separatisten in die Hände spielen: 2014 hat es schon einmal ein Referendum gegeben, das im Vorfeld ebenfalls verboten worden und deshalb von der damaligen katalanischen Regierung nur als „Volksbefragung“ bezeichnet wurde. Damals stimmten zwar 80 Prozent der Befragten für einen Abspaltung, aber nur ein Drittel der Katalanen hatte sich an der Befragung beteiligt.

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Noch zwei Monate sind es bis zum geplanten Unabhängigkeitsreferendum der Katalanen. Doch die Zahl der Befürworter nimmt ab. Einer Umfrage zufolge sind aktuell nur noch 41,1 Prozent für eine Unabhängigkeit von Spanien.

Unter den Katalanen insgesamt haben die Unabhängigkeitsbefürworter derzeit keine Mehrheit: Bei der jüngsten Umfrage vom Juli waren nur 41 Prozent der Katalanen für eine Trennung von Spanien. Vor gut zwei Jahren waren es noch 50 Prozent.

Der spanische Premier Mariano Rajoy betonte, es werde am 1. Oktober kein Referendum geben. Die Erklärung, wie er das verhindern will, blieb er allerdings bislang schuldig. „Ich werde Puigdemont nicht sagen, was ich tue, um ihm die Urnen wegzunehmen“, sagte Sáenz de Santamaría vor wenigen Tagen. „Aber die zuständigen Behörden werden sich schon darum kümmern, dass keine Urnen aufgestellt werden.“

Rajoys Verteidigungsministerin María Dolores de Cospedal ließ durchblicken, dass auch das Militär bereit stehe, die Einheit des Landes zu verteidigen. Kaum etwas wäre den Separatisten aber wohl lieber als Bilder von Panzern, die auf Barcelonas Hauptstraße die vermeintlich demokratischen Rechte der Bevölkerung beschneiden. Die Unabhängigkeits-Bewegung verliert an Fahrt und eine radikale Reaktion aus Madrid könnte ihr wieder neuen Aufwind geben.

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