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27.04.2017

12:15 Uhr

Kommentar zur US-Steuerreform

Trumps Voodoo-Ökonomie

VonTorsten Riecke

Die Steuerpläne von Präsident Trump könnten den USA so hohe Haushaltsdefizite wie in der Reagan-Ära bescheren. Denn in Trumps Rechnung klafft eine riesige Lücke – es drohen Verwerfungen in der Weltwirtschaft.

Experten zu 100 Tage Trump

„Er ist jemand der ungeduldig ist und keine Regeln einhält"

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Donald Trump sieht sich am liebsten als geistiger Nachfahre von Ronald Reagan. So wie der ehemalige US-Präsident sein Land in den 1980er-Jahren mit der Losung „Morning in America“ aus der politischen Lethargie riss, will Trump die USA mit seinem Slogan „Make America great again“ jetzt zu neuer wirtschaftlicher Größe führen. Der Politunternehmer bedient sich dabei einem Rezept, dass schon Ronald Reagan ausprobiert hat: Massive Steuersenkungen gepaart mit der Hoffnung, dass sie sich über zusätzliches Wirtschaftswachstum quasi von selbst finanzieren.

Das ist ein ungedeckter Scheck auf die Zukunft, den schon Reagan nicht einlösen konnte. Sein Nachfolger George H.W. Bush nannte dieses Steuer-Harakiri „Voodoo Economics“. Während Reagans Amtszeit stieg das Haushaltsdefizit gemessen an der Wirtschaftsleistung auf bis zu sechs Prozent und lag im Durchschnitt bei mehr als vier Prozent. Trump droht nun das gleiche Schicksal.

Nur eine DIN-4 Seite brauchten US-Finanzmister Steve Mnuchin und Trumps Wirtschaftsberater Gary Cohn, um gestern „eine der größten Steuersenkungen in der amerikanischen Geschichte“ (Mnuchin) zu umreißen. Was auf dem ersten Blick sympathisch einfach anmutet, offenbar zugleich die große Lücke in Trumps Steuerrechnung: es fehlt ein klares Konzept, wie die Regierung die großzügige Entlastung finanzieren will, die vor allem Unternehmen und Besserverdienenden zugutekommt.  „Das finanziert sich selbst“, sagt der US-Kassenwart und hofft, dass die Unternehmen nun kräftig investieren, neue Jobs schaffen und so für steigende Steuereinnahmen sorgen.

Massive Steuersenkungen: Gewinner und Verlierer von Trumps Steuerplänen

Massive Steuersenkungen

Gewinner und Verlierer von Trumps Steuerplänen

Donald Trump kündigt die größte Steuersenkung in der US-Geschichte an – und stellt die Eckpunkte vor. Die Kritiker formieren sich schon. Kann sich Trump gegen die Lobbymacht von Wirtschaft und Wall Street durchsetzen?

US-Ökonomen haben jedoch ausgerechnet, dass die amerikanische Wirtschaft jährlich um etwa 4,5 Prozent und damit doppelt so stark wie zuletzt wachsen müsste, um die absehbaren Steuerausfälle der nächste Dekade auszugleichen. Nicht unmöglich, aber auch nicht wahrscheinlich. Nach Meinung von N. Gregory Mankiw, Wirtschaftsberater von George W. Bush und Professor an der Eliteuniversität Harvard, kann ein höheres Wachstum allenfalls ein Drittel der Steuerausfälle wieder hereinholen. Selbst wenn man berücksichtigt, dass die US-Regierung auch einige Steuererleichterungen abbauen will, reicht das nicht, um die Einnahmeausfälle wett zu machen. In Trumps Steuerrechnung klafft also eine riesige Lücke.

Das könnte nicht nur den USA noch teuer zu stehen kommen. Steigen in Amerika die Defizite und der Schuldenberg, treibt das dort die langfristigen Zinsen nach oben. Das lockt Kapital aus den Schwellenländern zurück und stärkt den Dollar. Das könnte zu Verwerfungen in der Weltwirtschaft führen und den globalen Konjunkturmotor wieder zum Stottern bringen.

Der Unternehmer Trump hat sich selbst einmal als „Schuldenkönig“ („King of Debt“) bezeichnet – und meinte das durchaus positiv. Als Präsident der größten Volkswirtschaft der Welt ist das ein zweifelhafter Ruf.

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Kommentare (32)

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Enrico Caruso

27.04.2017, 12:30 Uhr

Der Artikel ist wieder was aus der Abteilung "Ich habe zwar keine Argumente, aber ich schreibe jetzt mal schnell irgend etwas gegen Trump."

Und in diesem Fall geht es auch noch gegen Reagan, der über acht Jahre eine so dermaßen schlechte Wirtschafts- u. Finanzpolitik gemacht haben muss, dass er dadurch bis heute zum beliebtesten US-Präsidenten seit Menschengedenken geworden ist. Sein Nachfolger, Bush sen., der nach vier Jahren abgewählt wurde, hat hingegen den Durchblick gehabt.

Anno Nymicus

27.04.2017, 12:51 Uhr

... als wäre das Trump's Voodoo-Ökonomie...

... via Schuldenmachen Finanz"Produkte" herstellen, diese mit tripple-A bewerten lassen & an die Doofköpfe verkaufen ist jetzt keine neue, von Trump erfundene Masche.

Und der Trump hat doch recht.
Wieso soll irgendein Amerikaner groß Steuern bezahlen, wenn alle Welt nicht nur die Produkte liefert und finanziert, sondern auch noch die amerikanischen Staatsausgaben finanzieren möchte: dann lässt er halt mal anschreiben.

... beim Ausfall bekommen ja nicht die Deutschen die Rocky-Mountains und die Japaner die Pazifikinseln - sondern die Deppen können ihre Forderungen halt dann abschreiben.

Und mit Voodoo hat das auch wenig zu tun. Das ist keine Zauberei, sondern vorsätzlicher Betrug.

Herr Hofmann Marc

27.04.2017, 12:53 Uhr

Jetzt lasst halt den Trump und seinen Team erst einmal machen. Wenn diese Steuerreform auch vom Senat und Kongress absegnet sind, dann werden wir ja sehen, wie in 4 Jahren die USA dasteht.
Schließlich waren es die Vorgänger Regierungen die die USA immer mehr verschuldet haben mit ihren immer gleichen Steuersystem. Auch in Deutschland will die Bundesregierung keine Steuerreform...weil diese würde bedeuten, dass die Poltiiker weniger Steuereinnahmen bekommen und somit auch weniger verteilen/verschwenden bzw. selbst einsacken (Diätenerhöhungen/NGO Zahlungen leisten) können.
Trump schlägt also, mit seiner Steuerreform; einen anderen..einen Bürgerfreundlichen Kurs ein. Mehr Geld für die arbeitende und arbeitsplatzschaffende Klasse in den USA und dafür weniger Geld für Bürokraten, Minister und Lobbyisten/NGOs.

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