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21.11.2018

12:35

Konjunkturausblick

Das Wirtschaftswachstum schwächt sich weltweit ab – auch in Deutschland

Von: Donata Riedel

Für die deutsche Wirtschaft erwartet die OECD in diesem und nächstem Jahr nur noch ein Wachstum von jeweils 1,6 Prozent. Handels- und Finanzkrisen belasten.

Der internationale Austausch von Waren wird durch die bereits eingeführten und angedrohten Schutzzölle behindert. dpa

Welthandel

Der internationale Austausch von Waren wird durch die bereits eingeführten und angedrohten Schutzzölle behindert.

Berlin Wie zuletzt die deutschen Konjunkturforscher erwartet nun auch die Industrieländer-Organisation OECD ein deutlich schwächeres Wachstum – sowohl für die Weltwirtschaft als auch für Deutschland. 2018 und 2019 soll das Bruttoinlandsprodukt hierzulande nur mehr um jeweils 1,6 Prozent zulegen und 2020 sogar nur noch um 1,4 Prozent wachsen.

Hintergrund ist, dass sich angesichts zunehmender Handels- und Finanzkrisen die globale Wirtschaftsleistung abschwächt, auf nur mehr jeweils 3,5 Prozent plus in den Jahren 2019 und 2020,  heißt es in dem am Mittwoch veröffentlichten OECD-Weltwirtschaftsausblick.

In diesem Jahr soll die Weltwirtschaft noch um 3,7 Prozent wachsen. „Die Weltwirtschaft bewegt sich in schwierigem Fahrwasser“, sagte OECD-Chefökonomin Laurence Boone. „Das globale Wachstum ist stark, hat seinen Höhepunkt aber erreicht.“

Die deutschen Konjunkturforscher hatten zuletzt ihre Vorhersagen ebenfalls zurückgenommen und im Mittel auf 1,8 Prozent für beide Jahre gesenkt. Die Wirtschaftsweisen erwarten allerdings, ähnlich wie die OECD, nur noch 1,6 Prozent in diesem und 1,5 Prozent Wachstum im nächsten Jahr.

Trotz der Abschwächung nennt die OECD das Wachstum hierzulande weiterhin „solide“. Es ist die starke Binnenwirtschaft, die das Wachstum mit neuen Jobs stützt. Auch die Bundesregierung verschafft der Wirtschaft Rückenwind: Zum Jahreswechsel treten leichte Senkungen von Steuern und Sozialabgaben in Kraft, Kindergeld und Mütterrente steigen.

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Die OECD erwartet, dass die Löhne weiter steigen, was den Konsum weiter befördern wird. Auch der Boom dürfte anhalten, erwarten die OECD-Volkswirte.

Die deutsche Exportindustrie dagegen dürfte unter dem Abschwung der Weltwirtschaft leiden: Der Export wird wohl nicht einbrechen, aber weniger stark wachsen als in den vergangenen Jahren. Die Risiken sind die aus allen jüngsten Konjunkturprognosen bekannten, darunter vor allem eines: die sich verschärfenden Handelskonflikte.

Deutschland etwa könnte durchaus vom Konflikt zwischen den USA und China getroffen werden. So senkte die OECD auch für China ihre Prognosen: auf 6,6 Prozent für dieses und 6,3 Prozent für nächstes Jahr. 2020 erwartet die OECD dann 6,0 Prozent. Dies könnte zu sinkenden Einfuhren nach China führen. Vor einem vergleichbar starken Abschwung in China hatte am Dienstag auch das ZEW-Barometer gewarnt, eine Umfrage unter Börsenprofis.

Die Handelskonflikte haben laut OECD bereits in diesem Jahr 0,2 Prozentpunkte Weltwirtschaftswachstum gekostet. Und sollten die USA tatsächlich einen Zoll von 25 Prozent auf alle Einfuhren aus China legen, dann könnte das Weltwirtschaftswachstum bis 2020 auf drei Prozent fallen. Dies würde die USA dann 0,8 Prozentpunkte BIP-Wachstum kosten – und China 0,6 Prozentpunkte.

Die Warnsignale sind bereits stark: Die Wachstumsrate der Containerschifffahrt, über die 80 Prozent des Welthandels läuft, sei bereits auf unter drei Prozent gefallen – von fast sechs Prozent im Jahr 2017.

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Auch wenn die Alarmsignale hörbar seien, sieht OECD-Chefökonomin Boone keinen Anlass für Panik. „Es gibt aktuell nur wenige Anzeichen, dass die Abkühlung stärker ausfallen wird als unsere neue Projektion“, sagte sie.

Der Bundesregierung empfiehlt die OECD, die weiterhin kräftigen Steuereinnahmen bei noch immer niedrigen Zinsen dafür zu nutzen, das Bildungssystem auszubauen und in schnelles Internet sowie die Verkehrsinfrastruktur zu investieren. Letzteres mit dem Ziel, emissionsarme Mobilität zu fördern.

Dies könnte die Produktivität steigern und den technologischen Wandel beschleunigen. „Steuersenkungen für Gering- und Zweitverdiener würden zusammen mit höheren Umwelt- und Immobiliensteuern ein umweltverträglicheres und inklusiveres Wachstum fördern“, meinen die Experten.

Hart kritisiert die OECD das Baukindergeld: Es würde lediglich Öl ins Feuer des ohnehin stattfindenden Baubooms gießen und damit die Preise für Wohnimmobilien treiben - mit der Folge, dass es für ärmere Familien noch schwieriger werde, in Ballungsgebieten Wohnraum zu finden.

In Deutschland könnte zudem der Fachkräftemangel zur Wachstumsbremse werden – wie auch in anderen Industriestaaten. Die OECD plädiert, wie bereits in vorhergehenden Konjunkturberichten für deutlich steigende Löhne.

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Die wachsende Unzufriedenheit in vielen Industriestaaten, die dem Populismus Rückenwind verschafft hat, habe ihre Ursache wohl auch darin, dass in den letzten Jahren trotz guten Wachstums untere und mittlere Einkommen kaum zugelegt hätten, so Boone.   

Für die Euro-Zone senkte die OECD ihre Prognose im laufenden Jahr auf 1,9 Prozent. Sie rechnet mit einer weiteren Abschwächung auf 1,8 für 2019 und 1,6 Prozent 2020. Besonders schlecht soll Italien abschneiden: Hier erwartet die Organisation in den nächsten beiden Jahren lediglich ein Plus beim Bruttoinlandsprodukt von jeweils 0,9 Prozent. „Die zunehmende Unsicherheit und die höheren Zinssätze werden die Konsumneigung der privaten Haushalte und die Investitionsneigung der Unternehmen dämpfen“, erwartet die OECD für Italien.

Deutschlands wichtigster Handelspartner Frankreich allerdings ist nur leicht von der Abkühlung betroffen und wird in diesem und nächstem Jahr mit erwarteten 1,6 Prozent gleich stark wachsen wie Deutschland. Für die USA lässt die OECD die Wachstumsprognose unverändert bei 2,9 Prozent für dieses und bei 2,7 Prozent für nächstes Jahr. Nach dem Steuerreform-Boom soll demnach dort 2020 eine Abkühlung auf 2,1 Prozent beginnen.

OECD-Ausblick für das Wirtschaftswachstum in ausgewählten Ländern und Regionen:

201820192020
Welt gesamt3,7%3,5%3,5%
G-203,8%3,7%3,7%
Euro-Zone gesamt1,9%1,8%1,6%
- Deutschland1,6%1,6%1,4%
- Frankreich1,6%1,6%1,5%
- Italien1,0%0,9%0,9%
Großbritannien1,3%1,4%1,1%
USA2,9%2,7%2,1%
China6,6%6,3%6,0%

Quelle: OECD

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