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28.11.2022

17:30

Korruption

Bestechungsskandal: Durchsuchungen bei Japans Großwerbern

Von: Martin Kölling

Die juristische Aufarbeitung der Korruptionsvorwürfe bei den Olympischen Sommerspielen 2021 geht in die nächste Runde. Im Mittelpunkt steht ein ehemaliger Topmanager.

Dem Konzern werden Absprachen bei Ausschreibungen für die olympischen Spiele im Sommer 2021 in Tokio vorgeworfen. AP

Ermittler auf dem Weg in den Hauptsitz des Werbeunternehmens Dentsu

Dem Konzern werden Absprachen bei Ausschreibungen für die olympischen Spiele im Sommer 2021 in Tokio vorgeworfen.

Tokio In Japan zieht ein Skandal um die Olympischen Spiele 2021 in Tokio immer weitere Kreise. Bereits am Freitag wurde Dentsu, die größte Werbeagentur des Landes, von der Staatsanwaltschaft und der Kartellbehörde durchsucht, an diesem Montag folgte der Werber Hakuhodo.

Die Behörden werfen den beiden Unternehmen vor, sich im Jahr 2018 bei 26 Ausschreibungen für die Olympischen Spiele mit anderen Unternehmen abgesprochen zu haben. Dentsu und acht weitere Unternehmen sowie ein Konsortium waren damals unter anderem mit der Organisation von Test-Events betraut, mit denen die Leitung der Publikumsströme geprüft werden sollte.

Die Ermittlungen sind Teil eines größeren Falls. In dessen Mittelpunkt steht der inzwischen inhaftierte ehemalige Dentsu-Topmanager Haruyuki Takahashi, ein prominentes Mitglied des Olympischen Organisationskomitees für die Spiele in Tokio. Französische Behörden werfen dem 78-Jährigen vor, bei Tokios Bewerbung für die Spiele Stimmen der Mitglieder des Internationalen Olympischen Komitees gekauft zu haben.

Diese Anschuldigung wird in Japan allerdings nicht untersucht. Stattdessen wurde Takahashi angeklagt, sich in vier Fällen die Taschen mit 196 Millionen Yen (1,4 Millionen Euro) gefüllt zu haben.

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    So erhielt er den Ermittlern zufolge für seine Hilfe bei der Vergabe von Sponsorenverträgen Gelder von dem Anzughersteller Aoki, dem Verlag Kadokawa sowie der kleinen Werbeagentur Daiko Advertising, einer Tochtergesellschaft von Hakuhodo. Anfang November beschuldigte die Staatsanwaltschaft Takahashi zudem, dem drittgrößten Werber Japans, Asatsu-DK, bei der Vermittlung von Marketingaufträgen geholfen zu haben.

    Gegen den ehemaligen Manager laufen mehrere Verfahren. AP

    Haruyuki Takahashi

    Gegen den ehemaligen Manager laufen mehrere Verfahren.

    Der Zeitung Yomiuri zufolge galt Takahashi, der 2009 in Rente ging und danach Sonderberater von Dentsu blieb, als „die Nummer eins im Sportgeschäft“. Mit seiner offiziellen Berufung in Japans olympisches Organisationskomitee musste gewartet werden, bis der Exklusivvertrag mit Dentsu abgeschlossen war.

    Dentsu hatte einen exklusiven Agenturvertrag

    Dentsu ist der fünftgrößte Werber der Welt und dominiert den Werbemarkt daheim seit Jahrzehnten. Das Unternehmen kontrolliert nicht nur mehr als die Hälfte der Sendeplätze für TV-Werbung, sondern mehr als ein Viertel des riesigen japanischen Werbemarkts insgesamt.

    Für die Olympischen Spiele hatte das Unternehmen einen exklusiven Agenturvertrag mit dem Organisationskomitee erhalten. Damit war Dentsu allein für die Anwerbung von Unternehmenssponsoren für die Olympischen Spiele und die Paralympics zuständig.

    Dass allerdings Dentsu den Zuschlag erhalten und Takahashi eine zentrale Figur werden würde, galt als ausgemachte Sache. Eine Reihe von Unternehmen, die in das Olympiageschäft einsteigen wollten, hätten bereits vor der offiziellen Wahl von Dentsu als Olympia-Partner „Takahashi-Pilgerreisen“ unternommen in der Hoffnung auf spätere Verträge.

    Dentsu führte bei den Spielen nicht alle Arbeiten allein aus. Aufträge an andere große wie kleine Werber und Public-Relations-Fachleute auszulagern ist in Japan üblich, gerade wenn es sich um große Organisationen und Konzerne handelt.

    Selbst wenn sie kleine Firmen beschäftigen wollen, bestehen Konzerne oft darauf, Dentsu oder einen anderen Branchenriesen zwischenzuschalten, berichtet eine Werbefachfrau. Bei den großen Summen, die bei dem globalen Sportevents flossen, liegt es nahe, dass die Behörden die Geldströme ganz besonders genau untersuchen.

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