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21.11.2022

11:34

Kryptobörse

FTX-Gründer spendete 38 Millionen Dollar an US-Demokraten – Milliarden-Pleite erreicht die US-Regierung

Von: Annett Meiritz, Felix Holtermann

Im Zuge der bisher größten Krypto-Pleite gerät die Partei von Präsident Joe Biden unter Druck. Der Kopf der Börse ist der zweitgrößte Spender der Partei – auch Biden profitierte.

Bankman-Fried „investierte seine unrechtmäßig erworbenen Gewinne in die Demokratische Partei“, sagte der Senator Josh Hawley. The Washington Post/Getty Images

Sam Bankman-Fried

Bankman-Fried „investierte seine unrechtmäßig erworbenen Gewinne in die Demokratische Partei“, sagte der Senator Josh Hawley.

Washington, New York Der Kollaps der Kryptobörse FTX erreicht das Zentrum der US-Politik – und bereitet vor allem der Partei von US-Präsident Joe Biden Probleme. Ende November wollen mehrere Gremien des Kongresses den Zusammenbruch des einstigen Milliardenunternehmens untersuchen.

Maxine Waters, demokratische Vorsitzende des Finanzausschusses im US-Repräsentantenhaus, sagt: „Der Niedergang von FTX hat Millionen Menschen enormen Schaden zugefügt.“ Deshalb erwartet sie eine Aussage von CEO Sam Bankman-Fried unter Eid. Der Bankenausschuss des Senats bereitet ebenfalls Anhörungen vor. Das Finanzministerium prüft laut „Washington Post“ bereits die Stabilität anderer Kryptobörsen.

Doch vor allem die Demokraten haben mit ihrem plötzliche Tatendrang ein Glaubwürdigkeitsproblem. Denn bis vor Kurzem waren Bankman-Fried, in der Branche SBF genannt, und die US-Politik eng miteinander verbunden: Der 30-Jährige, der auf den Bahamas lebt, ist der sechstgrößte politische Spender in den USA. Im Vorfeld der Kongresswahlen war Bankman-Fried der zweitwichtigste Spender für die US-Demokraten von Präsident Biden.

Der Fall von FTX wirft so nicht nur ein Schlaglicht auf die laxe Regulierung der Kryptobranche, sondern auch auf die Abhängigkeit der amerikanischen Politik von Großspendern.

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    Er zeigt außerdem, wie schnell ein Jungunternehmer an die Mächtigsten des Landes herankommen kann, wenn er vermögend genug ist – oder dies zumindest vorgibt.

    Auch Biden profitierte von FTX

    Zwischenzeitlich war FTX die drittgrößte Kryptowährungsbörse der Welt. Am 11. November meldete die Firma Bankrott an, dahinter steckt der wohl größte Betrugsskandal der Kryptowelt. Die insolvente Börse schuldet ihren 50 größten Gläubigern nach eigenen Angaben fast 3,1 Milliarden Dollar.

    Nicht wenige Kongressmitglieder, die den Bankrott nun aufklären wollen, haben Geld von Bankman-Fried bekommen. So hatte SBF vor den Midterms 39,7 Millionen US-Dollar gespendet – davon rund 38 Millionen an die Demokraten. Das geht aus Daten der US-Wahlaufsichtsbehörde hervor, die das Portal OpenSecrets ausgewertet hat.

    • 27 Millionen US-Dollar flossen in ein politisches Aktionskomitee namens Protect Our Future, das sich auf Pandemieprävention konzentriert und Dutzende Demokraten finanzierte. Im Vergleich kleinere Beträge gingen an die Parteizentrale der Demokraten und die Kongress-Wahlkampfausschüsse von Demokraten und Republikanern.
    • SBF konzentrierte sich auf aufstrebende Politiker: Etwa auf den New Yorker Abgeordneten Hakeem Jeffries, der als Sprecher des Repräsentantenhauses und Nachfolger von Nancy Pelosi gehandelt wird. Oder die Abgeordnete Abigail Spanberger aus Virginia, die einen für die Demokraten wichtigen Wahlkreis verteidigte. Unterstützt wurde auch der 25-Jährige Maxwell Frost, der als erster Vertreter der „Generation Z“ in den Kongress zieht.
    • SBF ist ein wichtiger Unterstützer von Biden. Er spendete rund fünf Millionen Dollar für dessen Präsidentschaftskandidatur 2020 – mehr Geld kam damals nur vom Ex-Bürgermeister New Yorks, Michael Bloomberg. 
    • Auch die Republikaner bekamen hohe Summen: Co-CEO Ryan Salame spendete 19 Millionen US-Dollar an republikanische Kandidaten und Komitees, das macht ihn zum zehntgrößten Spender der Partei. Der Abgeordnete Patrick McHenry könnte bald den Finanzausschuss anführen, seine Kampagne profitierte von FTX-Spenden. 
    Bankman-Fried ist ein wichtiger Unterstützer von Biden. dpa

    US-Präsident Joe Biden

    Bankman-Fried ist ein wichtiger Unterstützer von Biden.

    Fraglich ist, woher die Mittel für die Großspenden stammen. Erste Antworten kommen von Insidern und aus den bisherigen Erkenntnissen des gerichtlich bestellten Insolvenzanwalts. Demnach hat FTX über die eigenen Barbestände „keine zentrale Übersicht“ geführt. „In meinem ganzen Berufsleben habe ich noch kein solches Versagen der internen Kontrollsysteme und ein so vollständiges Fehlen vertrauenswürdiger Finanzinformationen erlebt wie hier“, schrieb Insolvenzanwalt John J. Ray. 

    Der FTX-Gründer soll etwa knapp drei Viertel des Geldes, das Investoren 2021 in einer Finanzierungsrunde zugesagt hatten, für eigene Zwecke verwendet haben. Das berichtete am Freitag das „Wall Street Journal“.

    Die Branche konnte über Jahre wild wuchern

    Die gesamte Digital-Asset-Branche soll jetzt auf den Prüfstand. Alle Kryptowährungsunternehmen „müssen zur Rechenschaft gezogen werden“, forderte der demokratische Senator Sherrod Brown. Zwei Regierungsbehörden, die Securities and Exchange Commission und die Commodity Futures Trading Commission, haben sich der FTX-Pleite angenommen. 

    Doch Washington ist im digitalen Zeitalter nicht das erste Mal spät dran. Das Platzen der Dotcom-Blase erwischte die Politik kalt, ebenso die Datenschutzpannen von Facebook Der Kryptosektor konnte über Jahre wuchern, dabei ist er längst im Mainstream angekommen: Laut des Weißen Hauses haben 40 Millionen der erwachsenen Amerikaner mit Kryptowährungen zu tun. 

    Versuche, die Industrie zu regulieren, fielen eher sanft aus. Womöglich auch deshalb, weil Bankman-Fried in Washington extrem gut verdrahtet ist und laut „Bloomberg“ erfolgreich lobbyierte. Kürzlich, so berichtete der Sender NBC, kaufte FTX eine Villa in Kongressnähe und hielt Empfänge ab – mit veganen Kanapees, Bankman-Fried ernährt sich frei von tierischen Produkten. 

    Die FTX Arena ist eine Mehrzweckhalle in der US-amerikanischen Stadt Miami im Bundesstaat Florida – seit 2021 gesponsert von der Kryptowährungsbörse. AP

    FTX-Arena

    Die FTX Arena ist eine Mehrzweckhalle in der US-amerikanischen Stadt Miami im Bundesstaat Florida – seit 2021 gesponsert von der Kryptowährungsbörse.

    Der 30-Jährige vermarktete sich erfolgreich als „Krypto-Wunderkind“. Erst im April hatte SBF bei sonnigen 27 Grad zur Branchenkonferenz „Crypto Bahamas“ auf die Karibikinsel eingeladen.

    In Nassau stand er in seinem Standardoutfit auf der großen Bühne: Schlabbershorts, graues T-Shirt, Tennissocken. „Eigentlich bin ich um diese Uhrzeit noch nicht wach“, scherzte er, als er um neun Uhr morgens gemeinsam mit Anthony Scaramucci die Gäste des exklusiven Events begrüßte.

    Scaramucci war 2017 für wenige Tage Sprecher von Ex-US-Präsident Donald Trump. Sein Hedgefonds Skybridge Capital investierte in diverse Kryptobereiche. Neben SBF war er Mitausrichter der Konferenz auf den Bahamas. „Die Zukunft wird kommen, egal ob man das mag oder nicht“, stellte Scaramucci klar, der im maßgeschneiderten Anzug auf der Bühne stand.

    Auch auf der Bühne im runtergekühlten Tagungszentrum: der frühere US-Präsident Bill Clinton und der frühere britische Premierminister Tony Blair, beide vertieft im angeregten Gespräch mit SBF über die Kryptobranche und den Zustand des Planeten. Üblicherweise lassen sich die Ex-Politiker solche Auftritte fürstlich entlohnen. 

    Weil die Demokraten den Löwenanteil der FTX-Spenden bekommen haben, stehen sie nun unter Beschuss durch die Republikaner. Bankman-Fried „investierte seine unrechtmäßig erworbenen Gewinne in die Demokratische Partei“, sagte der Senator Josh Hawley. Bidens Partei sei „besessen von Klimarisiken, anstatt Investoren zu schützen“, lästerte der Abgeordnete Andy Barr.

    Immerhin: Ein paar Nutznießer der Spendenfreude von SBF haben nun reagiert. Einige Senatoren und Abgeordnete wollen das Geld an wohltätige Zwecke weiterleiten.

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