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30.09.2022

13:45

Liveblog zum Ukraine-Krieg – alle Entwicklungen

Ukrainische Truppen rücken auf Lyman vor – Russland warnt vor Angriffen auf annektierte Gebiete

Von: Anja Holtschneider, Leonard Frick, Timm Seckel

Putin räumt Fehler bei Mobilmachung ein +++ Europäische Regierungen verurteilen russische Annexionspläne +++ Scholz warnt Putin erneut vor Einsatz von Atomwaffen +++ Der Newsblog.

Russland-News
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Stefan Kaufmann
Das sind die wichtigsten Ereignisse der vergangenen Stunden:
  • USA bereiten neues Waffenpaket für die Ukraine vor
  • Die US-Regierung hat Russland erneut mit deutlichen Worten vor dem Einsatz nuklearer Waffen gewarnt. Die Konsequenzen wären „außerordentlich“ und „real“, sagte der Sprecher des US-Außenministeriums.
  • Russlands Präsident Wladimir Putin will am Freitag formell die Aufnahme der besetzten ukrainischen Gebiete in die Russische Föderation bekanntgeben. 
  • Deutschland und andere europäische Länder verurteilen die Scheinreferenden.

So berichtet das Handelsblatt über den Ukrainekrieg:
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Stefan Kaufmann
In der sibirischen Region Tuwa bekommen Familien von Reservisten, die für Russlands Krieg gegen die Ukraine eingezogen wurden, je einen Hammel als erste Hilfe. 91 Tiere seien bereits verteilt worden, berichtete das russische oppositionelle Internetportal „Medusa“ am Freitag unter Berufung auf den regionalen Landwirtschaftsminister Sergej Ondar. Außerdem können Familien von eingezogenen Reservisten Mehl, Kartoffeln und Kohl erhalten.

Angehörige der Soldaten und die Soldaten selbst sollten spüren, dass sie nicht allein blieben mit ihren Alltagsproblemen, hieß es weiter unter Berufung auf Angaben der Regionalregierung. In einigen Regionen von Tuwa solle auch Kohle und Brennholz an die Familien der Soldaten verteilt werden. In Tuwa, der Heimatregion von Russlands Verteidigungsminister Sergej Schoigu, war es in den vergangenen Tagen zu Protesten gegen die von Kremlchef Wladimir Putin angeordnete Teilmobilmachung gekommen
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Leonard Frick
Russland will nach der Annexion besetzter Gebiete in der Ukraine Kämpfe dort als Angriff auf seine Souveränität werten. Das sei dann ein Akt der Aggression, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Freitag.

Die Regionen Luhansk und Donezk würden Russland in Gänze angeschlossen und Russland werde den derzeit von ukrainischen Truppen kontrollierten Teil von Donezk befreien. Ob Moskau in Cherson und Saporischschja ebenso verfahren will, ließ Peskow zunächst offen. Auch diese Gebiete kontrolliert Russland nicht vollständig.
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Timm Seckel
Die deutschen Botschaften in Russlands Nachbarländern bekommen offenbar vermehrt Anfragen für Visa von russischen Staatsbürgern, die sich der dortigen Mobilmachung entziehen wollen. Wie der „Spiegel“ unter Berufung auf Daten des Auswärtigen Amtes berichtet, seien in den vergangenen Tagen tausende neue Anträge von Russen in den Botschaften in Armenien, Aserbaidschan, Kasachstan, Belarus und Georgien eingegangen.
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Leonard Frick
Finnland verhängt Einreisebeschränkungen für russische Touristen
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Anja Holtschneider

Das Vereinigte Königreich wird niemals den souveränen Willen dieser Menschen ignorieren und wird die Regionen Donezk, Luhansk, Cherson und Saporischschja niemals als etwas anderes als ukrainisch akzeptieren.

Britische Premierministerin Liz Truss

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Anja Holtschneider
Der Kreml hat Spekulationen über einen russischen Atomwaffeneinsatz im Zuge der Kämpfe um die von Moskau annektierten Gebiete in der Ukraine zurückgewiesen. „Leute, die von einer atomaren Eskalation reden, handeln sehr unverantwortlich“, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Freitag. Am Nachmittag wollte Präsident Wladimir Putin ein Dokument über die Eingliederung der vier mehrheitlich von russischen Truppen kontrollierten Gebiete Cherson, Donezk, Luhansk und Saporischschja in den Bestand der Russischen Föderation unterzeichnen. Aus Moskau hieß es im Vorfeld, Russland werde sein Gebiet mit allen Mitteln verteidigen, was zu Spekulationen über einen Atomwaffeneinsatz führte.

Auf diese Debatte angesprochen, forderte Peskow die fragenden Journalisten auf, sie sollten die russische Militärdoktrin genauer lesen. „Dort ist die richtige Formulierung sehr wichtig“. In der Doktrin steht, dass ein Atomwaffeneinsatz möglich ist, wenn durch einen Angriff mit konventionellen Waffen „die Existenz Russlands selbst“ auf dem Spiel steht.
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Anja Holtschneider
Die ukrainischen Truppen sind nach Angaben des prorussischen Separatistenanführers Denis Puschilin auf die strategisch wichtige Stadt Lyman in der ostukrainischen Region Donezk vorgerückt. Die Nachrichten von der Front seien alarmierend, schreibt der von Russland unterstützte Verwalter der selbsternannten Volksrepublik Donezk auf Telegram. Lyman sei „halb umzingelt“. Zwei Dörfer in der Nähe der Stadt würden bereits nicht länger vollständig kontrolliert. 
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Anja Holtschneider

Wir werden diese vermeintlichen Ergebnisse, wir werden diese Grenzverschiebungen nicht akzeptieren!

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat die Scheinreferenden und die bevorstehende Annexion von vier ukrainischen Gebieten durch Russland verurteilt. Die Scheinreferenden seien völkerrechtswidrig. „Putins Regime treibt die Eskalation immer weiter voran“, sagte er mit Blick auf Kremlchef Wladimir Putin.

Steinmeier betonte, dass Deutschland die Ukraine weiter und so lange wie nötig unterstützen müsse: „finanziell, humanitär, politisch und militärisch“. „Dieser Krieg ist auch ein Angriff auf das internationale Recht und auf die Werte der liberalen Demokratien – auf unsere Werte!“, sagte er.
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Anja Holtschneider
Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenski hat Russland den Beschuss von Zivilisten in Saporischschja und anderen Orten angelastet. „So können nur absolute Terroristen handeln, für die in der zivilisierten Welt kein Platz ist“, schrieb der Staatschef beim Nachrichtenkanal Telegram am Freitag. Moskau wolle sich für seine Misserfolge und den ungebrochenen ukrainischen Widerstand rächen. „Zynisch vernichtet (der Feind) friedliche Ukrainer, denn er hat bereits seit langem alles Menschliche verloren“, schrieb der 44-Jährige. Für jedes verlorene Leben von Ukrainern werde Moskau zur Verantwortung gezogen.
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Anja Holtschneider
Mit Blick auf die durch Präsident Wladimir Putin angeordnete Teilmobilisierung russischer Reservisten behält Norwegen seine Grenze zu Russland intensiver im Auge. Man kontrolliere die norwegisch-russische Grenze nun stärker und erhöhe das Bereitschaftsniveau, teilte das norwegische Justizministerium am Freitag mit. Die Mobilisierung in Russland und ein mögliches Ausreiseverbot für russische Staatsbürger erhöhe das Risiko illegaler Grenzübertritte. 

Norwegen grenzt im hohen Norden auf 198 Kilometern Länge an Russland. 
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Anja Holtschneider
Der Kreml warnt vor ukrainischen Angriffen auf von Russland annektierte Gebiete. Das würde wie Angriffe auf Russland betrachtet, sagt Präsidialamtssprecher Dmitri Peskow. Mit der Annexion der vier ukrainischen Regionen Donezk, Luhansk, Cherson und Saporischschja würden auch die Teile „de jure“ eingegliedert, die nicht von russischen Streitkräften kontrolliert werden.
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Anja Holtschneider
Den russischen Invasionstruppen in der Ukraine fehlt es nach Einschätzung britischer Militärexperten an Verbandsmaterial und anderen medizinischen Produkten auf dem Schlachtfeld. Das geht aus dem täglichen Geheimdienst-Update des britischen Verteidigungsministeriums zum Ukraine-Krieg am Freitag hervor. 

Demnach wurden neu mobilisierte Reservisten angewiesen, ihren eigenen Verbandkasten mitzubringen mit dem Hinweis, dass Menstruationsartikel eine kostengünstige Lösung seien. „Der Mangel an Vertrauen auf eine ausreichende medizinische Versorgung bei den russischen Truppen trägt beinahe mit Sicherheit zu einer sinkenden Moral und an einem fehlenden Willen bei, an offensiven Einsätzen teilzunehmen (...), hieß es in der Mitteilung weiter.
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Timm Seckel
Bei einem Raketenangriff auf einen zivilen Autokonvoi in der südukrainischen Stadt Saporischschja sind am Freitag nach ukrainischen Angaben 23 Menschen getötet worden. Weitere 28 Menschen wurden verletzt, wie der Gouverneur der Gebietsverwaltung von Saporischschja, Olexander Staruch, mitteilte. Staruch machte russische Truppen für den Angriff verantwortlich. Unabhängig sind die Angaben nicht zu überprüfen.

Der Konvoi sei beschossen worden, als er die Stadt verlassen wollte, um in das von russischen Truppen besetzte Gebiet zu gelangen. Die Menschen hätten dort Angehörige abholen und Hilfe bringen wollen.

Der Chef der russischen Besatzungsverwaltung des Gebiets Saporischschja, Wladimir Rogow, beschuldigte dagegen auf seinem Telegram-Kanal ukrainische Truppen, den Konvoi beschossen zu haben. Nach Rogows Angaben wurden 23 Menschen getötet und 34 verletzt, als sie versuchten, auf russisch kontrolliertes Territorium zu gelangen.
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Timm Seckel
Russland hat einem Medienbericht zufolge große Teile seiner Streitkräfte an der Grenze zu Finnland abgezogen. Von den einst mehr als 30.000 Soldaten seien nur noch etwa 6000 übrig, berichtet die Fachzeitschrift „Foreign Policy“ und beruft sich auf hochrangige europäische Militärs. Stattdessen setze Russland diese Truppen nun im Krieg gegen die Ukraine ein.

Demnach seien auch Luftabwehr-Systeme aus der Region um St. Petersburg abgezogen und in die Ukraine verlegt worden. Russland habe dennoch weiterhin starke Luftstreitkräfte an seiner Nordwest-Grenze, auch die schlagkräftige Marine sei von den Truppenverlegungen nicht betroffen. 
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Timm Seckel
Usbekistan will russische Wehrdienstverweigerer nicht abschieben. Wie die Regierung in Taschkent mitteilt, haben Hunderttausende Männer, einige mit Familien, Russland verlassen, seitdem Präsident Wladimir Putin vergangene Woche eine Teilmobilisierung angeordnet hat. 

„Ausländische Staatsbürger, die nicht gegen das Gesetz verstoßen haben, werden nicht zwangsweise abgeschoben“, erklärt die usbekische Regierung. Usbekistan macht bisher keine Angaben darüber, wie viele Russen seit der Ankündigung der Teilmobilisierung in das Land gekommen sind.
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Sarah Sendner
Russland reagiert empört auf die Äußerungen von UN-Generalsekretär Antonio Guterres zur geplanten Annexion der ukrainischen Regionen Donezk, Luhansk, Cherson und Saporischschja. Dem Land zufolge hat Guterres nicht das Recht, politische Erklärungen im Namen der Vereinten Nationen als Ganzes abzugeben. 

Der UN-Generalsekretär bezeichnete Russlands Vorhaben als „eine gefährliche Eskalation", die die Aussichten auf Frieden in der Region gefährden würde.
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Leonie Tabea Natzel
Der russische Präsident Wladimir Putin hat in einem weiteren völkerrechtswidrigen Akt die besetzten ukrainischen Gebiete Cherson und Saporischschja als unabhängige Staaten anerkannt. Die entsprechenden Dekrete des Kremlchefs wurden in der Nacht zum Freitag (Ortszeit) in Moskau veröffentlicht.  

Die Dekrete gelten gemäß dem international kritisierten Vorgehen Moskaus als Zwischenschritt und Voraussetzung dafür, dass die Regionen an diesem Freitag ihre Aufnahme in die Russische Föderation beantragen können. In Scheinreferenden hatten die Gebiete zuvor über einen Beitritt zu Russland abstimmen lassen.

Am 21. Februar hatte Putin bereits die Unabhängigkeit der ukrainischen Regionen Luhansk und Donezk, die sich „Volksrepubliken“ nennen, anerkannt. Alle vier Gebiete beantragen den Beitritt zu Russland, den Putin an diesem Freitag bei einem Festakt im Kreml formalisieren will. Die Annexionen werden international nicht anerkannt, sie gelten als Bruch des Völkerrechts, den die Ukraine nicht hinnehmen will.
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Leonie Tabea Natzel
Die Vereinigten Staaten haben die von Russland geplante Annexion ukrainischer Gebiete scharf verurteilt. Washington werde einen solchen Schritt niemals anerkennen, teilte US-Außenminister Antony Blinken am Donnerstag mit. Die inszenierten Referenden in den vier Regionen seien lediglich ein weiterer Versuch eines Landraubs.

Die Abstimmungen in Donezk, Luhansk, Cherson und Saporischschja spiegelten nicht den Willen des Volkes wider und seien nur ein illegitimes Spektakel, das von russischen Stellvertretern unter Verletzung des Völkerrechts aufgeführt werde, erklärte Blinken. Er bezeichnete die Referenden über einen Anschluss an Russland als einen Affront gegen die Grundsätze des internationalen Friedens und der Sicherheit. Der Minister warf Moskau vor, ukrainische Bürger mit vorgehaltener Waffe zur Stimmabgabe gezwungen zu haben. Er bekräftigte die Zusage von US-Präsident Joe Biden, die USA würden die Ukraine so lange wie nötig unterstützen.
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Leonie Tabea Natzel
Bundeskanzler Olaf Scholz hat Russlands Präsident Wladimir Putin davor gewarnt, Atomwaffen im Krieg in der Ukraine einzusetzen. Sowohl US-Präsident Joe Biden als auch er selbst hätten klar gemacht, dass diese Waffen nicht eingesetzt werden dürften, sagt er im ZDF. Eine ähnliche Warnung habe es an Moskau zu Beginn des Krieges bezüglich chemischen und biologischen Waffen gegeben. 

Man werde die von Russland geplanten Annexionen der besetzten Gebiet in der Ukraine nicht anerkennen, fügt Scholz hinzu. „Das werden auch viele Andere nicht tun.“ Putin werde sein Land mit diesem Schritt weiter isolieren.
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Timm Seckel
Der russische Präsident Wladimir Putin hat eine Woche nach dem Start der Teilmobilmachung für seinen Krieg gegen die Ukraine Fehler bei der Einberufung von Reservisten eingeräumt. „Es müssen alle Fehler korrigiert werden“, sagte Putin am Donnerstag bei einer Sitzung des nationalen Sicherheitsrates. Seit Tagen beklagen Reservisten, dass sie etwa trotz tödlicher chronischer Erkrankungen, hohen Alters oder anderer Ausschlusskriterien zum Kriegsdienst eingezogen würden.

Das russische Verteidigungsministerium lässt 300.000 Reservisten einziehen, die nach zahlreichen Niederlagen der Armee die besetzten Gebiete der Ukraine halten sollen. Viele klagen, dass sie völlig unvorbereitet - ohne passende Ausrüstung und ohne militärische Ausbildung - an die Front geschickt würden.

Putin betonte nun erneut, dass die Einberufenen ein militärisches Training durchlaufen müssten. Eingezogen werden sollten Reservisten mit militärischem Spezialwissen und Erfahrung. Alle müssten aber zusätzlich auf den Einsatz vorbereitet werden, sagte der Präsident. Seit Tagen gibt es Berichte, dass die Kreiswehrersatzämter rabiat vorgehen bei der Einberufung und auch Reservisten einziehen, die offiziell nicht unter die Teilmobilmachung fallen. „Es ist notwendig, jeden einzelnen Fall anzuschauen“, sagte Putin.

Die von weiten Teilen der Bevölkerung abgelehnte Mobilmachung hatte die größten Anti-Kriegs-Proteste seit Monaten ausgelöst. Es gab auch Brandanschläge auf Einberufungsstellen. Zudem löste das Einziehen von Reservisten für Putins Angriffskrieg gegen die Ukraine die größte Massenflucht in der Geschichte seiner mehr als 20 Jahre an der Macht aus. Hunderttausende Russen haben das Land verlassen.
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Timm Seckel
In Lettland soll bis 2025 Lettisch schrittweise zur alleinigen Unterrichtssprache in Kindergärten und Grundschulen werden. Das Parlament in Riga stimmte am Donnerstag für die von der Mitte-Rechts-Regierung eingebrachten Änderungen am Bildungsgesetz. Demnach soll im dem baltischen EU- und Nato-Land mit einer großen russischen Minderheit der Übergang vom kommenden Schuljahr an erfolgen. Die seit vielen Jahren diskutierte Reform hat wiederholt Proteste von Vertretern der russischen Minderheit hervorgerufen, die gut ein Drittel der rund zwei Millionen Einwohner Lettlands ausmacht.

Nach der neuen Regelung ist vom 1. September 2023 in den Klassen 1, 4 und 7 ausschließlich auf Lettisch zu unterrichten, ein Jahr später gilt dies auch für die Klassen 2, 5 und 8. In den Klassen 3, 6 und 9 soll die Umstellung dann im Schuljahr 2025 erfolgen. Das Gesetz gilt gleichermaßen für öffentliche und private Lehreinrichtungen. Und auch in Berufsbildungseinrichtungen ist die Unterrichtssprache künftig auf offizielle Sprachen der Europäischen Union begrenzt.

Für Angehörige der russischen Minderheit gibt es spezielle Schulen, in denen bislang ein Teil der Fächer auf Russisch unterrichtet werden konnte. Dies wird nun nicht mehr möglich sein. Dafür sollen die Sprache und Kulturgeschichte von Minderheiten künftig in außerschulischen Bildungsprogrammen gelehrt werden. Lettisch ist die einzige offizielle Amtssprache in dem an Russland grenzenden Baltenstaat, der nach dem Zweiten Weltkrieg bis 1991 unfreiwillig Teil der Sowjetunion war.
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Leonard Frick
UN-Generalsekretär António Guterres hat die angekündigte Annexion von ukrainischen Gebieten durch Russland scharf verurteilt und als rechtlich wertlos beschrieben. „Sie ist nicht mit dem internationalen Recht vereinbar. Sie stellt sich gegen alles, wofür die internationale Gemeinschaft stehen soll“, sagte Guterres am Donnerstag in New York. Die Ankündigung des Kremls stelle eine gefährliche Eskalation dar, habe „keinen Platz in der modernen Welt“ und dürfe nicht akzeptiert werden.

Guterres hatte eine mögliche Annexion der russisch besetzten Gebiete Luhansk, Donezk, Saporischschja und Cherson bereits zuvor als Verletzung des Völkerrechts bezeichnet.
UN-Generalsekretär António Guterres.
UN-Generalsekretär António Guterres.   Bild: AP
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Leonard Frick
Knapp die Hälfte der Russen – 47 Prozent – gibt einer Umfrage zufolge an, nach der Veröffentlichung des Mobilmachungsbefehls sich ängstlich oder beunruhigt gefühlt zu haben. Der Erhebung des unabhängigen Lewada-Zentrums zufolge empfanden zudem 13 Prozent der Befragten nach eigenen Angaben Wut und 23 Prozent waren Stolz auf Russland. 

Die Umfrage vom 22. bis 28. September umfasste 1631 Russen mit einem Mindestalter von 18 Jahren in mehr als 50 Regionen.
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Leonard Frick
Ein Berater des ukrainischen Präsidenten Wolodimir Selenski nennt die für Freitag geplante russische Annexions-Zeremonie eine „Freakshow des Kremls“. Juristisch ergebe die Veranstaltung keinen Sinn, schreibt Mychailo Podoljak auf Twitter. „Nichtexistente Gebilde können nicht Teil eines Landes werden, das auseinanderfällt.“
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Leonard Frick
Russlands Präsident Wladimir Putin wirft dem Westen die Bereitschaft vor, Revolutionen zu provozieren. Es könne in jedem Land zu „Farbrevolutionen“ und einem „Blutbad“ kommen, sagt Putin in einer Videoschalte mit Geheimdienstchefs der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS), ohne ein bestimmtes Land zu nennen oder Belege vorzulegen.
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Leonard Frick
Mit Blick auf die geplante russische Annexion von Teilen der Ost- und Südukraine kommt an diesem Freitag in der Ukraine der Nationale Sicherheitsrat zusammen. „Präsident Wolodimir Selenski beruft für morgen dringend eine Sitzung des Rates für nationale Sicherheit und Verteidigung der Ukraine ein“, teilte Präsidentensprecher Serhij Nykyforow am Donnerstag bei Facebook mit.

Die Tagesordnung und andere Einzelheiten würden später mitgeteilt, hieß es. Der Sicherheitsrat ist ein Gremium unter Vorsitz des ukrainischen Präsidenten. Zu ihm gehören unter anderem die Chefs von Armee und Geheimdiensten, Verteidigungs- und Innenminister und andere Regierungsmitglieder.

In den russisch kontrollierten Teilen der vier Gebiete Luhansk, Donezk, Saporischschja und Cherson wurden bis zum vergangenen Dienstag Scheinreferenden abgehalten. Am Donnerstag dann teilte der Kreml mit, dass am Freitag in Moskau Papiere unterzeichnet werden sollen, um die Gebiete zu annektieren. Russland, das seit Ende Februar offen Krieg gegen die Ukraine führt, hatte sich bereits im Jahr 2014 die ukrainische Schwarzmeer-Halbinsel Krim einverleibt.
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Leonard Frick
Bei erneuten Protesten gegen die von Kremlchef Wladimir Putin angeordnete Teilmobilmachung sind in Russland mehrere Frauen festgenommen worden. Die Bürgerrechtsorganisation OVD-Info veröffentlichte am Donnerstag Videos, auf denen etwa zu sehen ist, wie eine Demonstrantin in der sibirischen Region Tuwa von Polizisten grob über den Boden zu einem Gefangenentransporter geschleift wird. Regionalen Medien zufolge wurden in der Heimatregion von Russlands Verteidigungsminister Sergej Schoigu insgesamt rund 20 Frauen festgenommen.

Auch eine Mutter, die mit ihrem wenige Monate alten Baby gekommen war, soll festgesetzt worden sein.
Putin hatte die Mobilmachung von Reservisten vor rund einer Woche angeordnet, um sie an die Front in die Ukraine zu schicken. Landesweit hat das Panik und heftige Proteste in der Bevölkerung ausgelöst. Vor allem Frauen stellen sich vielerorts schützend vor ihre Ehemänner, Brüder und Söhne. Insgesamt wurden den Bürgerrechtlern zufolge seit Beginn der Mobilmachung schon deutlich mehr als 2000 Menschen bei Protesten festgenommen.
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Leonard Frick
Europäische Regierungen haben Moskaus Ankündigung, vier besetzte ukrainische Regionen in die Russische Föderation einzugliedern, scharf verurteilt. Unter anderen Tschechien, Italien und Dänemark machten deutlich, dass sie den Schritt niemals anerkennen würden. Der Kreml hatte in den Regionen Donezk, Luhansk, Cherson und Saporischschja Scheinreferenden orchestriert und anschließende überwältigende Zustimmung für eine Einverleibung der Gebiete durch Russland verkünden lassen.

Der tschechische Außenminister Jan Lipavsky, dessen Land derzeit die rotierende EU-Ratspräsidentschaft innehat, bezeichnete die nach seinen Worten „einseitige Annexion“ in Folge eines „vollständig gefälschten Prozesses ohne Legitimität“ im tschechischen Fernsehen als „absolut inakzeptabel.“ Die Scheinreferenden verurteilte er als „eine Theateraufführung“, die vier Regionen blieben ukrainisches Territorium, sagte er.

Der italienische Ministerpräsident Mario Draghi sagte nach Angaben seines Büros vom Donnerstag dem ukrainischen Präsidenten Wolodimir Selenski bei einem Telefonat, Italien werde die illegalen Referenden nicht anerkennen. Dänemark werde keinen Annexionsversuch jemals anerkennen.
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Leonard Frick
Die russischen Streitkräfte werfen nach Angaben des ukrainischen Militärs schlecht ausgebildete Soldaten in den Kampf. Wie der ukrainische Generalstab zu dieser Einschätzung kam, wurde am Donnerstag nicht mitgeteilt.

Als Beispiel wurde genannt, dass von sieben russischen Panzern, die zur Verstärkung zur umkämpften Stadt Lyman in der Region Donezk geschickt wurden, zwei auf dem Weg dorthin Unfälle hatten und dadurch unbrauchbar wurden. Auch im Gebrauch der Waffensysteme der Panzer seien die Soldaten nicht eingewiesen worden. Belege für diese Darstellung gab es nicht. Ukrainische Geheimdienste veröffentlichen hin und wieder abgehörte Telefongespräche russischer Soldaten, die sich über die Bedingungen an der Front beschweren.

Nach Einschätzung der Washingtoner Denkfabrik Institute for the Study of War machen die ukrainischen Truppen bei ihrem Versuch Fortschritte, russische Einheiten in Lyman einzukesseln. Ein möglicher Zusammenbruch der russischen Stellungen in Lyman würde es den Ukrainern ermöglichen, „russische Positionen entlang des Westens der Region Luhansk“ zu bedrohen.
Ein russischer Panzer.
Ein russischer Panzer.   Bild: Getty Images
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Leonard Frick
Nach einem kürzlichen großen Austausch haben die Ukraine und Russland erneut Gefangene ausgetauscht. „Wir haben sechs unserer Leute zurückgeholt – vier Marineinfanteristen und zwei Zivilisten“, schrieb der Chef des Präsidentenbüros, Andrij Jermak, am Donnerstag beim Nachrichtendienst Telegram. 

Unter den Soldaten seien zwei Offiziere. Den veröffentlichten Bildern zufolge fand der Austausch im nordukrainischen Gebiet Tschernihiw an der Grenze zu Belarus (Weißrussland) statt. Wie viele Gefangene die russische Seite erhielt, wurde nicht mitgeteilt.
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