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28.09.2022

04:24

Liveblog zum Ukraine-Krieg – alle Entwicklungen

Von der Leyen droht mit stärkster Reaktion bei Angriff auf Infrastruktur – USA planen offenbar weiteres Waffenpaket für Ukraine

Von: Leonie Tabea Natzel, Sarah Sendner

Taliban: Handelsabkommen mit Russland +++ Motoryacht „Dilbar“ von russischem Oligarchen in Bremen durchsucht +++ Der Newsblog.

Russland-News
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Stefan Kaufmann
Das sind die wichtigsten Ereignisse der vergangenen Stunden:
  • Nato-Chef Stoltenberg: Scheinreferenden verstoßen gegen internationales Recht.
  • Die Ukraine macht Russland für die Lecks an den beiden Nord-Stream-Pipelines verantwortlich.
  • Das britische Verteidigungsministerium schließt nicht aus, dass Russlands Präsident Wladimir Putin am Freitag formell die Aufnahme der besetzten ukrainischen Gebiete in die Russische Föderation bekanntgeben könnte. 
  • Die US-Regierung hat Russland erneut mit deutlichen Worten vor dem Einsatz nuklearer Waffen gewarnt. Die Konsequenzen wären „außerordentlich“ und „real“, sagte der Sprecher des US-Außenministeriums.

So berichtet das Handelsblatt über den Ukrainekrieg:
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Sarah Sendner
Die G7-Staaten sagen der ukrainischen Wirtschaftsministerin Julia Swyrydenko ihren Angaben zufolge Unterstützung bei dem Vorhaben zu, eingefrorene russische Staatsvermögen für den Wiederaufbau der Ukraine zu verwenden. „Uns ist bewusst, dass dafür in vielen Staaten die Rechtslage angepasst werden muss, aber damit muss jetzt begonnen werden. Das haben wir beim G7-Handelsministertreffen mit allen Partnern besprochen", sagt Swyrydenko der Zeitung „Welt". „Niemand am Tisch war dagegen." 
Der Wiederaufbau werde in zwei Stufen erfolgen. „Zunächst geht es darum, kritische Infrastruktur wie Straßen, Brücken, Krankenhäuser, Schulen und Kindergärten wiederaufzubauen. Das ist für uns wichtig, damit die Menschen, die vor dem Krieg ins Ausland geflohen sind, zurückkehren können. Dafür brauchen wir allein im nächsten Jahr 13 Milliarden Dollar." Im zweiten Schritt würden insgesamt 750 Milliarden Dollar benötigt, um Fabriken und den Rest der Wirtschaft wieder aufzubauen.
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Sarah Sendner
Die Vereinigten Staaten bereiten Insidern zufolge ein neues Waffenpaket im Wert von 1,1 Milliarden Dollar für den Kampf der Ukraine gegen Russland vor. Das Paket werde in den kommenden Tagen bekannt gegeben, sagen mit der Angelegenheit vertraute US-Regierungsbeamte unter der Bedingung der Anonymität der Nachrichtenagentur Reuters.
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Sarah Sendner
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen geht davon aus, dass die Lecks an den Nord-Stream-Pipelines wahrscheinlich durch Sabotage verursacht wurden. Sie habe mit der dänischen Ministerpräsidentin Mette Frederiksen darüber gesprochen, schreibt von der Leyen auf Twitter. Es sei von größter Bedeutung, die Vorfälle jetzt zu untersuchen, um vollständige Klarheit über die Ereignisse und den Grund zu erhalten. Jede absichtliche Unterbrechung der aktiven europäischen Energieinfrastruktur sei inakzeptabel und werde zu der „stärksten Reaktion" führen.
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Sarah Sendner
Russland geht nach den Worten seines UN-Botschafters von weiteren Referenden in der Ukraine aus. „Dieser Prozess wird weitergehen, wenn Kiew seine Fehler und seine strategischen Verfehlungen nicht erkennt und sich nicht von den Interessen seiner eigenen Leute leiten lässt“ und stattdessen blindlings den Willen jener ausführe, die sie manipulierten, sagte der russische UN-Botschafter Wassili Nebensja am Dienstag bei einer Sitzung des UN-Sicherheitsrates in New York.

Die amerikanische UN-Botschafterin Linda Thomas-Greenfield sagte daraufhin, dass sie keinen Zweifel daran habe, dass Russland erneut Scheinreferenden abhalten werde. Schließlich wäre Moskau bereits 2014 auf der Krim und zuletzt in der Ostukraine so vorgegangen.
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Sarah Sendner
Moskau meldet eine hohe Zustimmung bei den abgeschlossenen Scheinreferenden in besetzten Teilen der Ukraine über einen Beitritt zu Russland. In Luhansk hätten sich nach Auszählung aller Stimmen mehr als 98 Prozent, in Saporischschja mehr als 93 Prozent und in Cherson mehr als 87 Prozent der Wähler für einen Anschluss an Russland ausgesprochen, erklären die Besatzungsverwaltungen. Die russische Nachrichtenagentur Tass berichtet, dass in Donezk bei 32 Prozent ausgezählter Stimmzettel fast 94 Prozent mit „Ja" gestimmt hätten. Die vier Regionen, wo die als Scheinabstimmungen kritisierten Referenden stattfanden, machen insgesamt etwa 15 Prozent des ukrainischen Territoriums aus.
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Sarah Sendner
Ein unbekannter Käufer hat die Luxusjacht „Axioma“ des russischen Oligarchen Dimitri Pumpjanski bei einer Zwangsversteigerung in Gibraltar für 37,5 Millionen Dollar (39,1 Millionen Euro) erworben. Das teilte ein Gericht in dem britischen Überseegebiet am Südzipfel Spaniens am Dienstagabend mit. Die 73 Meter lange „Axioma“ sei die erste Jacht eines Oligarchen, die wegen Sanktionen infolge des russischen Angriffskrieges in der Ukraine den Eigentümer wechselt, schrieb die Zeitung „Gibraltar Chronicle“.

Die Jacht unter der Flagge Maltas war auf Antrag der US-Bank J.P. Morgan beschlagnahmt worden, die einen Kredit über 20,5 Millionen US-Dollar von einem Unternehmen zurückfordert, das Pumpjanski zugerechnet werde, wie die Zeitung berichtete. Die Bank habe die Klage auf Rückzahlung des Kredits eingereicht, nachdem Pumpjanski wegen des Kriegs auf die Sanktionsliste der EU und Großbritanniens gesetzt worden war. Dadurch wurden seine Vermögenswerte eingefroren.
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Sarah Sendner
Selenski hat die internationale Gemeinschaft zum entschlossenen Vorgehen gegen eine möglicherweise bevorstehende Einverleibung von Teilen seines Landes durch Russland aufgefordert. Mit Blick auf den russischen Präsidenten Wladimir Putin sagte er am Dienstag in einer Video-Ansprache vor dem UN-Sicherheitsrat: „Annexion ist die Art von Handlung, die ihn allein gegen die gesamte Menschheit stellt. Ein klares Signal wird jetzt von jedem Land der Welt benötigt.“ Jede illegale Annektierung sei ein Verbrechen gegen alle Staaten.

In der Ukraine wurde in den vier russisch besetzten Gebieten Cherson, Donezk, Luhansk und Saporischschja zuletzt in Scheinreferenden über einen Beitritt zu Russland abgestimmt worden. UN-Generalsekretär António Guterres hatte eine mögliche Annexion der Gebiete zuletzt als Verletzung des Völkerrechts bezeichnet.
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Andreas Dörnfelder
Die USA bereiten eine gegen die russischen Scheinreferenden gerichtete UN-Resolution vor. Der Kampf der Ukraine sei auch ein Kampf für die Werte der Demokratie, sagte die amerikanische UN-Botschafterin Linda Thomas-Greenfield am Dienstag bei einer Sitzung des mächtigsten Gremiums der Vereinten Nationen in New York.

„Deshalb werden wir eine Resolution einbringen, in der wir diese Scheinreferenden verurteilen, die Mitgliedstaaten auffordern, einen veränderten Status der Ukraine nicht anzuerkennen, und Russland verpflichten, seine Truppen aus der Ukraine abzuziehen.“

Eine Abstimmung im Sicherheitsrat dürfte so gut wie sicher am Veto Russlands scheitern, könnte jedoch Rückschlüsse auf den Grad der Isolation Russlands zulassen. Danach dürfte die Resolution zur Abstimmung in die UN-Vollversammlung mit 193 Mitgliedsländern wandern.

In der Ukraine wurde seit Freitag in den vier russisch besetzten Gebieten Cherson, Donezk, Luhansk und Saporischschja in Scheinreferenden über einen Beitritt zu Russland abgestimmt. UN-Generalsekretär António Guterres hatte eine mögliche Annexion der Gebiete zuletzt als Verletzung des Völkerrechts bezeichnet.

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Sarah Sendner
Die Veto-Macht Russland hat keinen Versuch unternommen, eine Rede des ukrainischen Präsidenten Wolodimir Selenski vor dem UN-Sicherheitsrat zu verhindern. Die Vertreter Moskaus verzichteten am Dienstag darauf, eine entsprechende Abstimmung im mächtigsten UN-Gremium zu beantragen. Damit konnte Selenski zum Thema der Scheinreferenden in russisch besetzten Gebieten in der Ostukraine sprechen, mit denen Moskau die Annexion der Gebiete vorantreiben will.
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Sarah Sendner
Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenski hat vor einer Zerstörung der internationalen Diplomatie durch Russland gewarnt. Die Vertreter Moskaus hätten im UN-Sicherheitsrat keine Waffen benutzt, sagte Selenski am Dienstag in einer Video-Ansprache vor dem mächtigsten UN-Gremium. 

„Aber sicherlich wird es niemanden überraschen, wenn diese Rolle des UN-Sicherheitsrates zur Zone der Gewalt seitens der Vertreter Russlands wird“. Es sei nur eine Frage der Zeit, bis Moskau die letzte noch funktionierende internationale Institution zerstöre, warnte er.
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Andreas Dörnfelder
Die Vereinten Nationen haben den Scheinreferenden in russisch besetzten Teilen der Ukraine erneut die Legitimität abgesprochen. „Sie können nicht als echter Ausdruck des Volkswillens bezeichnet werden“, sagte die UN-Beauftragte für politische Angelegenheiten, Rosemary DiCarlo, am Dienstag bei einer Sitzung des UN-Sicherheitsrats.

Diese einseitigen russischen Handlungen seien nicht mit dem Völkerrecht vereinbar und verfolgten das Ziel, „der gewaltsamen Aneignung des Territoriums eines anderen Staates durch einen Staat einen Schein der Legitimität zu verleihen“, sagte sie dem mächtigsten UN-Gremium in New York.

In der Ukraine wurde in den vier russisch besetzten Gebieten Cherson, Donezk, Luhansk und Saporischschja in Scheinreferenden über einen Beitritt zu Russland abgestimmt. UN-Generalsekretär António Guterres hatte eine mögliche Annexion der Gebiete bereits als Verletzung des Völkerrechts bezeichnet.

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Andreas Dörnfelder
Die Taliban haben nach eigenen Angaben mit Russland ein vorläufiges Handelsabkommen unterzeichnet. Es gehe darum, die Geschäftspartner zu diversifizieren, und Russland habe der Taliban-Regierung einen Rabatt auf die durchschnittlichen Weltmarktpreise für Rohstoffe angeboten, erklärt der afghanische Handels- und Industrieminister Hadschi Nuruddin Asisi.

Russland solle nun jährlich etwa eine Million Tonnen Benzin, eine Million Tonnen Diesel, 500.000 Tonnen Flüssiggas (LPG) und zwei Millionen Tonnen Weizen an Afghanistan liefern. Der Schritt ist das erste bekannte große internationale Wirtschaftsabkommen, das die Taliban seit ihrer Rückkehr an die Macht vor etwa einem Jahr abgeschlossen haben.

Kein Land erkennt die Taliban als legitime Regierung Afghanistans an, aber Moskau traf sich im Vorfeld des Sturzes von Kabul mit Anführern der Bewegung und seine Botschaft ist eine der wenigen, die in der afghanischen Hauptstadt noch geöffnet sind.
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Andreas Dörnfelder
In der zweitgrößten ukrainischen Stadt Charkiw ist es einem Augenzeugen zufolge zu Stromausfällen gekommen. „Es gibt kein Licht in einigen Teilen der Stadt“, teilt der Bürgermeister der Stadt auf Telegram mit. Zuvor habe es drei Explosionen gegeben.
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Andreas Dörnfelder
Die Ukraine wird sich einem Präsidentenberater zufolge von russischen Atomdrohungen und Annexionsabstimmungen nicht beeinflussen lassen.

Man werde am Plan festhalten, das gesamte besetzte Land von Russland zurückzuerobern, erklärt der Berater des Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, Mychajlo Podoljak.

Kiew erwarte zudem, dass die Atommächte der Welt Russland vor konkreten Gegenmaßnahmen im Falle eines Einsatzes von Atomwaffen warnten.
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Andreas Dörnfelder
Die ukrainische Luftabwehr hat am Dienstag in Odessa nach eigenen Angaben vier von Russland eingesetzte Kamikaze-Drohnen abgeschossen. Die Hafenstadt am Schwarzen Meer sei in den vergangenen Tagen mehrmals mit den Drohnen vom iranischen Typ Schahed-136 angegriffen worden.

Andere ukrainische Stellen meldeten russische Raketenangriffe auf südliche Gebiete der Region Saporischschja und Mikolajiw in der Nacht, die unter anderem Wohngebäude getroffen hätten.
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Stefan Kaufmann
Die von Russland abgehaltenen Abstimmungen über eine Annexion mehrerer ukrainischer Gebiete stellen nach Ansicht von Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg einen dreisten Verstoß gegen internationales Recht dar. „Die von Russland abgehaltenen Scheinreferenden haben keine Legitimität und sind ein eklatanter Verstoß gegen das Völkerrecht“, schrieb er am Dienstag auf Twitter nach einem Gespräch mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodimir Selenski. „Diese Gebiete gehören zur Ukraine.“ Stoltenberg habe erneut deutlich gemacht, dass die Nato-Alliierten die Souveränität der Ukraine und ihr Recht auf Selbstverteidigung uneingeschränkt unterstützten.

Die Scheinreferenden sowie die Teilmobilmachung und die nuklearen Drohungen von Russland stellten eine Eskalation des Konflikts dar, sagte Stoltenberg wenig später bei einem Treffen mit der Sozialdemokratischen Fraktion im EU-Parlament. Jegliche Nutzung von Atomwaffen sei inakzeptabel. Gleichzeitig müsse man verhindern, dass der Ukraine-Krieg zu einem Krieg zwischen der Nato und Russland werde, sagte Stoltenberg.
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Leonard Frick
Schein-Referenden in Ostukraine vor dem Abschluss
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Leonard Frick
Die französische Außenministerin Catherine Colonna und ihr ukrainischer Kollege Dmytro Kuleba haben die Scheinreferenden in den russisch besetzten Gebieten der Ukraine kritisiert. Russland und sein unnötiger, illegaler und ungerechter Krieg bedrohten die Grundlagen der auf Regeln basierenden internationalen Ordnung, sagte Colonna auf einer gemeinsamen Pressekonferenz in Kiew. Frankreich stehe an der Seite der Ukraine und werde das weiterhin tun, bis das Land seine volle Souveränität und territoriale Integrität wiedererlangt habe.

Kuleba sagte, die russischen Abstimmungen über eine Abspaltung von der Ukraine und den Beitritt zu Russland hätten keinen Einfluss auf die Politik und die Diplomatie. Sie zeigten, dass Russland nicht an einem Frieden interessiert sei: „Russland will keine Friedensgespräche.“ Colonna kündigte ein französisches Expertenteam an, das bei der Untersuchung von Gräueltaten in der Ukraine helfen solle. Nach Angaben von Kuleba ging es in den Gesprächen auch um die Lieferung weiterer Artilleriesysteme aus Frankreich an die Ukraine.
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Christoph Sandt
Die Ukraine macht Russland für die Lecks an den beiden Nord-Stream-Pipelines verantwortlich. „Das ist nichts anderes als ein von Russland geplanter Terrorakt und ein Aggressionsakt gegen die EU“, schrieb der externe Berater des ukrainischen Präsidentenbüros, Mychajlo Podoljak, beim Kurznachrichtendienst Twitter am Dienstag. Moskau wolle damit die wirtschaftliche Situation in Europa destabilisieren und „Panik vor dem Winter“ erzeugen.
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Emma Möllenbrock
Laut der europäischen Grenzschutzagentur Frontex sind in der vergangenen Woche nach einer von Russlands Präsident Wladimir Putin angeordneten Teilmobilmachung 66.000 Russen in die Europäische Union (EU) eingereist. Das sei ein Anstieg um mehr als 30 Prozent im Vergleich zur Vorwoche, teilt die Behörde mit. Die meisten Russen seien in Finnland und Estland angekommen. 
Falls Russland die Grenze für Wehrfähige schließen sollte, sei mit einer Zunahme von illegalen Grenzübertritten zu rechnen. Das Bundesinnenministerium kann keine genaue Zahl der Einreisen von Russen seit dem Kriegsbeginn in der Ukraine am 24. Februar nennen, da an den Binnengrenzen zu Deutschland keine regulären Grenzkontrollen stattfinden.

Einen Anhaltspunkt böten die gestellten Asylanträge. Im Zeitraum 1. März bis 31. August 2022 wurden laut Ministerium insgesamt 989 Asylerstanträge von russischen Staatsangehörigen erfasst. 
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Leonard Frick
Der Föderationsrat – das Oberhaus des russischen Parlaments – könnte nach Angaben der Vorsitzenden Valentina Matwijenko am kommenden Dienstag über den Beitritt der besetzten ukrainischen Gebiete zu Russland entscheiden. An dem Tag sei die nächste planmäßige Sitzung angesetzt, sagte Matwijenko am Dienstag nach Angaben russischer Agenturen. Es bestehe bisher keine Notwendigkeit, Sondersitzungen anzuberaumen.

Zuvor war in Medien spekuliert worden, Präsident Wladimir Putin könnte schon an diesem Freitag in einer Rede vor beiden Kammern des russischen Parlaments die Annexion der insgesamt vier Gebiete im Osten und Süden der Ukraine formell bekanntgeben.
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Leonard Frick
Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenski soll an diesem Dienstag bei einer Sondersitzung des UN-Sicherheitsrats zu den russischen Scheinreferenden in seinem Land sprechen. Diplomatenkreise bestätigten der Deutschen Presse-Agentur, dass Selenskis Ansprache von der ukrainischen UN-Vertretung beantragt wurde. Es werde erwartet, dass Russland die Videobotschaft mit einer Abstimmung verhindern wolle. In ähnlichen Situationen war Moskau damit zuletzt vor dem mächtigsten UN-Gremium gescheitert. Bei solchen sogenannten prozeduralen Abstimmungen haben ständige Mitglieder kein Vetorecht, sondern brauchen eine Mehrheit von 9 der 15 Stimmen der Ratsmitglieder.

Die Sitzung ist für 21 Uhr deutscher Zeit geplant. In der Ukraine wird seit Freitag in den vier russisch besetzten Gebieten Cherson, Donezk, Luhansk und Saporischschja in Scheinreferenden über einen Beitritt zu Russland abgestimmt. UN-Generalsekretär António Guterres hatte eine mögliche Annexion der Gebiete zuletzt als Verletzung des Völkerrechts bezeichnet.
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Leonard Frick
Die russischen Besatzer haben die Scheinreferenden in mehreren ukrainischen Gebieten für beendet erklärt und erste Ergebnisse der völkerrechtswidrigen Abstimmungen präsentiert. Nach Auszählung erster Stimmzettel in Wahllokalen in Russland hätten jeweils mehr als 97 Prozent der aus den Gebieten Luhansk, Donezk, Cherson und Saporischschja stammenden Wähler für einen Beitritt ihrer Heimatregionen zu Russland gestimmt, meldeten russische Agenturen am Dienstag.

Aus Wahllokalen in den besetzten Gebieten selbst gab es zunächst keine Angaben. Zur Stimmabgabe aufgerufen waren seit vergangenem Freitag auch ukrainische Flüchtlinge in Russland. Damit dürfte noch in dieser Woche eine beispiellose Annexionswelle beginnen.

Die Scheinreferenden werden weltweit nicht anerkannt, weil sie unter Verletzung ukrainischer und internationaler Gesetze und ohne demokratische Mindeststandards abgehalten werden. Beobachter hatten in den vergangenen Tagen auf zahlreiche Fälle hingewiesen, in denen die ukrainischen Bewohner der besetzten Gebiete zum Urnengang gezwungen wurden.

In einem nächsten Schritt wird erwartet, dass die von Moskau eingesetzten Besatzungsverwaltungen offiziell bei Kremlchef Wladimir Putin die Aufnahme in russisches Staatsgebiet beantragen. Der Kreml hatte mitgeteilt, dass dies schnell geschehen könnte. Putin hatte vor Beginn der Scheinreferenden betont, dass die Gebiete danach komplett unter dem Schutz der Atommacht Russland stünden.
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Leonard Frick
Bulgarien hat den bulgarischen Staatsbürgern in Russland empfohlen, das Land zu verlassen und von Reisen in Russland abgeraten. Das Außenministerium in Sofia begründete dies mit der „komplizierenden Lage“ in Russland. Bulgarische Staatsbürger sollten erwägen, das Land mit zur Verfügung stehenden Transportmitteln schnell zu verlassen, heißt es weiter in einer Mitteilung des Ministeriums vom Dienstag. Den in Russland verbleibenden Bulgarinnen und Bulgaren wird zu erhöhter Wachsamkeit geraten sowie empfohlen, Plätze mit einer größeren Ansammlung von Menschen zu meiden.

Das EU- und Nato-Land Bulgarien verurteilt den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Sofia will auch die Scheinreferenden in russisch kontrollierten Gebieten der Ukraine nicht anerkennen.
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Patricia Hoffhaus
Russland will eigenen Angaben zufolge keinen Druck auf Kasachstan, Georgien und andere Länder ausüben, damit diese russische Kriegsflüchtlinge zur Rückreise in ihre Heimat zwingen. Das russische Verteidigungsministerium habe nicht vor, Appelle an die Behörden dieser Staaten „bezüglich einer angeblich erzwungenen Rückkehr“ der sich dort aufhaltenden russischen Bürger zu richten, teilte die Behörde am Dienstag in Moskau mit.

Der kasachische Innenminister Marat Achmetschanow erklärte, sein Land werde russische Kriegsdienstverweigerer nicht ausliefern - es sei denn, sie seien international zur Fahndung ausgeschrieben.
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Leonard Frick
Bei Russlands Teilmobilmachung werden laut Präsident Wladimir Putin auch Landwirte eingezogen. In einer im Fernsehen übertragenen Rede fordert Putin Regionalbehörden und Agrarbetriebe auf, dies zu berücksichtigen.

Die Familien von Bauern müssten unterstützt werden, mahnte Putin. Die Einberufung von Landwirten schürt aber auch neue Sorgen um die Ernte im nächsten Jahr in Russland, dem weltweit größten Weizenexporteur.
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Leonard Frick
Die Ukraine hat Russland erneut schweren Beschuss ziviler Ziele vorgeworfen. Das Präsidialamt in Kiew teilte am Dienstag mit, mindestens elf Zivilisten seien dabei getötet und 18 weitere verletzt worden.

Nach ukrainischen Angaben wurden bei einem Einschlag in der Stadt Perwomaiskji im Oblast Charkiw acht Menschen getötet, darunter ein 15-jähriger Junge. Der Gouverneur von Charkiw, Oleh Synjehubow, sagte im Fernsehen, „der sinnlose Beschuss sieht wie ein Versuch aus, Zivilisten Angst einzujagen“.

In der Region Donezk war das Artilleriefeuer den ukrainischen Angaben zufolge auf die Städte Kramatorsk, Slowjansk und Torezk konzentriert; drei Menschen seien getötet und 14 verletzt worden. Donezk ist eine der vier ostukrainischen Regionen, in denen Moskau bis diesen Dienstag Scheinreferenden abhalten lässt, bei denen angeblich entschieden wird, ob sie zum Teil von Russland gemacht werden sollen.

Auch die Städte Nikopol und Marhanez bei dem von Russland besetzten Atomkraftwerk Saporischschja wurden nach ukrainischen Angaben beschossen, ebenso die Geburtsstadt von Präsident Wolodimir Selenski, Krywyj Rih.
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Leonard Frick
Leck an Nord Stream 2- Pipeline entdeckt
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Leonard Frick
Die deutschen Strafverfolgungsbehörden setzen ihre Ermittlungen gegen den russischen Oligarchen Alischer Usmanow wegen angeblicher Geldwäsche und Steuerhinterziehung fort. Am Dienstag wurde die Motoryacht des 69-Jährigen durchsucht, die derzeit in Bremen liegt.
Die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt nannte in ihrer Mitteilung keinen Namen und sprach nur von einem „69-jährigen Unternehmer aus der Russischen Föderation“. Es handle sich aber um den gleichen Fall, bei dem in der vergangenen Woche mehrere Villen im Nobel-Ferienort Rottach-Egern am bayerischen Tegernsee durchsucht worden waren. Sie werden Usmanow zugerechnet. Er bestreitet die Vorwürfe. 

Mehr als 60 Beamte der Generalstaatsanwaltschaft, des Bundeskriminalamts und – in Amtshilfe – der Bundesmarine nahmen die Yacht unter die Lupe. Der Einsatz in Bremen beruhe auch auf einem Rechtshilfeersuchen des US-Justizministeriums, erklärte die Frakfurter Behörde. Die 156 Meter lange Yacht „Dilbar“ gehört laut den Behörden Usmanows Schwester und unterliegt auch den Sanktionen gegen russische Oligarchen im Zuge des Ukraine-Kriegs. 
Yacht „Dilbar“
Yacht „Dilbar“   Bild: IMAGO
Medienberichten zufolge ist sie mehr als eine halbe Milliarde Euro wert. Sie lag lange im Hamburger Hafen, im Dock der Reederei Blohm + Voss. In der vergangenen Woche wurde sie aber nach Bremen geschleppt, weil die Reederei Platz brauchte. 

Die Behörden werfen Usmanow vor, über ein Firmen-Netzwerk in Steuerparadiesen mehrstellige Millionenbeträge verschoben zu haben. Es bestehe der Verdacht, dass das Geld aus Straftaten, vor allem aus Steuerhinterziehungsdelikten, stamme, hieß es in der Erklärung der Generalstaatsanwaltschaft und des BKA. Laut dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ geht es um 555 Millionen Euro. Usmanow hat mit einem Firmenimperium vor allem in der Metall- und Stahlindustrie ein Vermögen gemacht. 2018 hat er seinen Anteil am englischen Fußballclub Arsenal London für rund 600 Millionen Euro verkauft.
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Patricia Hoffhaus
Flucht und Tränen nach Teilmobilmachung in Russland
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