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07.12.2022

22:15

Liveblog zur Fußball-WM 2022

Nach DFB-Krisensitzung: Hansi Flick bleibt Bundestrainer – „Wir werden unsere Lehren ziehen“

Von: Tobias Döring, Marc Renner, Andreas Dörnfelder

Keine Eile bei Bierhoff-Nachfolge +++ Fifa-Präsident überschwänglich: „Beste Gruppenphase einer WM, die es je gab“ +++ WM-Aus für deutschen Referee +++ Der WM-Newsblog.

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Marc Renner

Fifa sanktioniert Kroatien, Serbien und Saudi-Arabien

Der Fußball-Weltverband Fifa hat die Verbände Kroatiens und Serbiens wegen Verstößen gegen die Disziplinarregeln mit Geldstrafen belegt. Die Kroaten müssen 50.000 Schweizer Franken (rund 50.600 Euro) zahlen, weil Fans des Vize-Weltmeisters im Spiel gegen Kanada (4:1) den serbisch-stämmigen Torwart der Nordamerikaner, Milan Borjan, verunglimpft hatten. Serbiens Verband muss 20.000 Franken Strafe bezahlen. Vor dem Spiel gegen Brasilien (0:2) war in der serbischen Kabine eine Flagge aufgehängt worden, in der die Umrisse des Kosovo in den serbischen Farben sowie die Botschaft „Niemals aufgeben“ abgebildet waren. In den sozialen Medien tauchte davon ein Foto auf. 

Zudem sanktionierte die Fifa den saudi-arabischen Verband wegen des Fehlverhaltens seiner Mannschaft mit 15.000 Franken. Saudische Spieler hatten in den Duellen gegen Argentinien (2:1) und Mexiko (1:2) je sechs Gelbe Karten kassiert.
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Marc Renner
Flick bleibt auch nach Krisensitzung mit Neuendorf und Watzke Bundestrainer – DFB-Präsident: „Wir haben volles Vertrauen in Hansi Flick“
Hansi Flick bleibt Fußball-Bundestrainer. Der 57-Jährige soll die deutsche Nationalmannschaft trotz des Vorrunden-Aus bei der WM in Katar zur Heim-EM 2024 führen, wie der Deutsche Fußball-Bund am Mittwoch mitteilte.

„Wir sind gemeinsam der Überzeugung, dass die Europameisterschaft 2024 im eigenen Land eine große Chance für den Fußball in Deutschland darstellt. Unser Ziel ist es, dieses Turnier sportlich erfolgreich zu gestalten. Wir haben volles Vertrauen in Hansi Flick, dass er diese Herausforderung gemeinsam mit seinem Team meistern wird“, ließ sich DFB-Präsident Bernd Neuendorf zu den Ergebnissen des rund zweistündigen Treffens zitieren. Hinsichtlich der Nachfolge von Oliver Bierhoff habe man sich darauf verständigt, „zunächst innerhalb des DFB über die künftige Struktur dieses Aufgabenbereichs zu beraten, um anschließend eine Personalentscheidung zu treffen.”
Hansi Flick verlässt in seinem Auto das Krisentreffen.
Hansi Flick verlässt in seinem Auto das Krisentreffen.   Bild: dpa
Flick, Neuendorf und DFL-Aufsichtsratschef Hans-Joachim Watzke waren am Mittwochnachmittag im Kempinski-Hotel vor den Toren Frankfurts in einem Hotel zu einer WM-Analyse zusammengekommen. Neuendorf hatte am Freitag, einen Tag nach dem WM-K.o. in Katar, die Sitzung einberufen. Ursprünglich hatte auch Oliver Bierhoff teilnehmen sollen. Der Vertrag mit dem DFB-Geschäftsführer war allerdings bereits am Montag aufgelöst worden.

Ich habe Vertrauen in den heute verabredeten, gemeinsamen Weg mit Bernd Neuendorf und Aki Watzke. 

Bundestrainer Hansi Flick

Flick hatte in einer Stellungnahme kurz nach dem Abgang Bierhoffs seine Enttäuschung durchblicken lassen und mit seinen Aussagen Spekulationen über seine eigene Zukunft geschürt. Nach dem Treffen erklärte er dann: „Mein Trainerteam und ich blicken optimistisch auf die Europameisterschaft im eigenen Land. Wir als Mannschaft können viel mehr erreichen, als wir in Katar gezeigt haben. Wir haben dort eine große Chance verpasst. Daraus werden wir unsere Lehren ziehen.“
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Stefan Kaufmann

Geschäftsführerin Donata Hopfen hört Ende des Jahres bei DFL auf

Die Deutsche Fußball Liga und Geschäftsführerin Donata Hopfen beenden zum Jahresende die Zusammenarbeit. Darüber seien der Aufsichtsrat und die 46-Jährige übereingekommen, teilte die DFL am Mittwoch mit. Grund für die Trennung seien unterschiedliche Vorstellungen über die weitere strategische Ausrichtung der Gesellschaft, hieß es weiter. Hopfen hatte den Vorsitz des Gremiums erst zu Jahresbeginn als Nachfolgerin von Christian Seifert angetreten. 

Das war eine intensive Zeit, ich habe viele großartige Menschen kennen und schätzen gelernt. Ich gehe in dem Bewusstsein, die richtigen Dinge angestoßen zu haben.

Donata Hopfen

Was die Gründe sind, dass dei Managerin nach nur elf Monaten schon wieder gehen muss, lesen Sie hier im Detail:
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Marc Renner

WM-Aus für deutschen Referee: Daniel Siebert leitet in Katar keine weiteren Spiele

Für den deutschen Schiedsrichter Daniel Siebert ist die Fußball-WM in Katar vorzeitig beendet. Der Weltverband FIFA wird den 38-Jährigen für keines der weiteren acht Spiele berücksichtigen, wie die „Bild“ berichtete. „Ja, es stimmt. Das Turnier ist zu Ende für mich“, sagte der Berliner. Er habe sein sportliches Ziel, zwei Spiele zu leiten, erreicht. 

Siebert hatte die Gruppenspiele zwischen Australien und Tunesien (1:0) sowie von Uruguay gegen Ghana (2:0) gepfiffen. Die Uruguayer, denen der 2:0-Sieg nicht zum Achtelfinal-Einzug gereicht hatte, hatten sich über einen nicht gegebenen Elfmeter in der Schlussphase heftig beschwert.
Daniel Siebert im Spiel von Uruguay gegen Ghana.
Daniel Siebert im Spiel von Uruguay gegen Ghana.   Bild: dpa
Laut „Bild“ soll die umstrittene Entscheidung keine Rolle bei Sieberts vorzeitigem WM-Aus gespielt haben. Da Siebert einer der jüngsten Unparteiischen bei der WM ist, stehe er in der Rangordnung hinter den erfahreneren Referees.
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Marc Renner

Frankreich für Englands Walker mehr als Mbappé: „Spielen nicht Tennis“ 

Englands Nationalspieler Kyle Walker will das bevorstehende Viertelfinale gegen Weltmeister Frankreich nicht auf sein eigenes Duell mit Superstar Kylian Mbappé reduzieren. „Mbappé ist ein großartiger Fußballer, aber sie haben noch viel mehr Qualität. Wir spielen nicht Tennis, es ist kein Eins-gegen-Eins-Duell“, sagte der 32 Jahre alte Walker am Mittwoch im Teamquartier der Three Lions in Al-Wakra. Walker hat bei dieser WM unter Chefcoach Gareth Southgate Kieran Trippier verdrängt und spielt nun rechts hinten. Mbappé besetzt bei den Franzosen die linke Offensivbahn.

Walker und Mbappé kennen sich aus Duellen aus dem Vereinsfußball. „Er ist ein fantastischer Spieler in großartiger Form. Aber als Fußballer willst du diese Herausforderungen. Er ist einer der besten Spieler der Welt, wenn nicht der Beste“, sagte Walker vor dem Duell am Samstag (20.00 Uhr/ZDF und MagentaTV). Der Profi von Manchester City wird dabei im Fokus stehen. „Es ist meine Aufgabe, ihn zu stoppen. Ich habe schon oft gegen ihn gespielt. Ich werde ihm Respekt entgegenbringen, aber nicht zu viel“, sagte Walker über den 23-Jährigen.
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Marc Renner

Portugal startet Marokko-Vorbereitung – Ronaldo nur im Fitnessraum

Reservist Cristiano Ronaldo hat am Tag nach dem Viertelfinal-Einzug von Portugals WM-Team das Erholungstraining mit den elf Startspielern absolviert. Der 37 Jahre alte Superstar gehörte am Mittwoch zu der Gruppe, die im Fitnessraum trainierte, wie der portugiesische Verband mitteilte. Ronaldo hatte am Dienstag beim 6:1 gegen die Schweiz überraschend erstmals seit 2008 bei einem großen Turnier nicht in der portugiesischen Startelf gestanden. Der Kapitän war in der 74. Minute eingewechselt worden.

Die eingewechselten und nicht eingesetzten Nationalspieler begannen die Vorbereitung auf das Viertelfinale gegen Marokko mit einer Trainingseinheit auf dem Platz. Portugal trifft am Samstag (16.00 Uhr) in seinem ersten WM-Viertelfinale seit 2006 auf die Nordafrikaner.
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Marc Renner

Japans Fußballer nach WM-Aus begeistert empfangen

Japans Fußball-Nationalmannschaft und Trainer Hajime Moriyasu sind in der Heimat trotz des erneuten Achtelfinal-Ausscheidens bei der WM begeistert empfangen worden. Chefcoach Moriyasu und Kapitän Maya Yoshida vom FC Schalke 04 bekamen am Mittwoch auf dem Flughafen Tokio-Narita nach der Ankunft Blumen überreicht. Zahlreiche Menschen begrüßten das Team um den Frankfurter Daichi Kamada. Japan hatte in der Vorrunde zwar die Ex-Weltmeister Deutschland und Spanien mit 2:1 besiegt, scheiterte dann aber im Achtelfinale nach Elfmeterschießen an Vize-Weltmeister Kroatien. 

„Ich bereue nichts“, hatte der 54 Jahre alte Trainer am Tag nach dem Aus vor der Abreise aus dem Trainingscamp in Doha gesagt. Die Asiaten sind nach 2010 (Niederlage im Elfmeterschießen gegen Paraguay) und 2018 (2:3 nach 2:0 gegen Belgien) schon wieder ganz knapp in der Runde der letzten 16 gescheitert. „Ich habe alles getan, was ich konnte. Ich war nicht gut genug“, fügte Moriyasu an.
Großer Bahnhof für die japanische Mannschaft bei der Ankunft in Tokio.
Großer Bahnhof für die japanische Mannschaft bei der Ankunft in Tokio.   Bild: ap
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Marc Renner

„Das Publikum bei den Spielen war unglaublich“: Fifa-Präsident Infantino begeistert vom bisherigen WM-Verlauf 

Fifa-Präsident Gianni Infantino hat den bisherigen WM-Verlauf in Katar überschwänglich gelobt. „Die Spiele in den wunderschönen Stadien waren sehr, sehr hochklassig, das war bereits klar. Und auch das Publikum bei den Spielen war unglaublich“, sagte der Schweizer in einem vom Fußball-Weltverband verbreiteten Video am Mittwoch. Infantino sprach von einem Zuschauerschnitt von über 51.000.

 Ich habe alle Spiele gesehen, und um es ganz einfach und deutlich zu sagen, dies war die beste Gruppenphase einer WM, die es je gab.

Fifa-Präsident Gianni Infantino

Über das Zuschauerinteresse wird während der Endrunde diskutiert. Zwar sorgten insbesondere Fans der lateinamerikanischen und arabischen Mannschaften für WM-Stimmung in den Arenen. Bis kurz vor Anpfiff blieben aber oftmals viele Plätze in den Stadien leer. Bei der Auftaktniederlage des Gastgebers gegen Ecuador hatten zahlreiche Zuschauer das Stadion schon während der zweiten Halbzeit verlassen. Europäische Fans - auch aus Deutschland - waren in Katar deutlich in der Unterzahl.

Im TV haben Infantino (52) zufolge „schon mehr als zwei Milliarden Zuschauer“ die WM-Spiele verfolgt. In Deutschland waren die Quoten im Vergleich zu früheren Turnieren deutlich zurückgegangen. „Das ist wirklich unglaublich: Zweieinhalb Millionen Menschen in den Straßen von Doha und mehrere Hunderttausend jeden Tag in den Stadien, die alle zusammen feiern, jubeln, ihre Teams anfeuern, eine fantastische Atmosphäre, großartige Tore und unglaubliche Spannung“, sagte Infantino.
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Marc Renner

Nach WM-Enttäuschung: Belgiens Kapitän Hazard tritt aus Nationalmannschaft zurück

Belgiens Kapitän Eden Hazard hat seine Nationalmannschaftskarriere nach dem WM-Vorrundenaus in Katar beendet. Der 31 Jahre alte Mittelfeldspieler von Real Madrid verkündete den zuvor bereits erwarteten Rücktritt am Mittwoch via Instagram. „Danke für das ganze Glück seit 2008. Ich habe mich entschieden, meine internationale Karriere zu beenden. Die Nachfolger stehen bereit. Ich werde euch vermissen“, schrieb der Bruder von Borussia Dortmunds Thorgan Hazard.
Nie mehr im Nationaltrikot: Eden Hazard.
Nie mehr im Nationaltrikot: Eden Hazard.   Bild: ap
Dem belgischen Team, das 2018 in Russland noch WM-Dritter geworden war, steht ein großer Umbruch bevor. Trainer Roberto Martínez hatte bereits unmittelbar nach dem letzten Gruppenspiel gegen Kroatien (0:0) sein Ende als Coach der Rode Duivels verkündet. Zudem war das Team in Katar überaltert und zerstritten. Es werden weitere Rücktritte erwartet.

Hazard befindet sich zudem seit Jahren im Leistungstief. Der einstige Weltklassespieler kommt bei Real kaum noch zum Zug und spielte auch bei der WM schwach.
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Marc Renner

Bericht: Iranischer Kommandeur nach Tod von Fußballfan festgenommen

Im Iran ist nach der Tötung eines Fußballfans einem Bericht der Zeitung „Hammihan“ zufolge ein Kommandeur der Sicherheitskräfte festgenommen worden. Der Fall hatte vergangene Woche für Schlagzeilen gesorgt. Nach dem WM-Aus der iranischen Nationalmannschaft hatten Sicherheitskräfte in der Küstenstadt Bandar Ansali einen 27-Jährigen getötet, der über die Niederlage gejubelt haben soll. Ob der Kommandeur selbst geschossen haben soll und welche Konsequenzen ihm drohen, war zunächst unklar.

Im Iran gab es bis zum Ausscheiden der Nationalmannschaft Debatten, ob das Team bei der WM angesichts der massiven staatlichen Gewalt gegen Demonstranten unterstützt werden soll. Nach der Niederlage gegen die USA hatten viele spontan Schadenfreude ausgedrückt.
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Marc Renner

Portugal-Sieg bringt beste TV-Quote des WM-Achtelfinals

Der 6:1-Sieg Portugals gegen die Schweiz ist das erfolgreichste TV-Spiel des Achtelfinals bei der Fußball-WM in Katar gewesen. Im Durchschnitt sahen 5,82 Millionen Menschen die Live-Übertragung in der ARD am Dienstagabend. Das ergab nach Angaben des Senders einen Marktanteil von 21,0 Prozent. 

Das WM-Aus von Spanien gegen Marokko hatten am Nachmittag 4,42 Millionen im Ersten gesehen. Der Marktanteil lag mit 27,8 Prozent über dem des Abendspiels. Das liegt daran, dass nachmittags insgesamt weniger Menschen vor dem Fernseher sitzen und damit relativ gesehen mehr Fußball schauten.

Das Interesse der Fernsehzuschauer blieb aber auch in der ersten K.o.-Runde der Katar-WM geringer als bei vorherigen Turnieren: Bei den Achtelfinals der WM 2018 in Russland hatten ARD und ZDF doppelt so viele Zuschauer. Die Telekom als dritter Sender beim Turnier  in Katar veröffentlicht keine Zahlen.
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Marc Renner

Sergio Ramos nach WM-Aus: „Spanien verliert nicht, Spanien lernt“

Spaniens Rekordnationalspieler und Ex-Kapitän Sergio Ramos ist erstaunlich milde mit dem Nationalteam nach dem Achtelfinal-Aus bei der WM in Katar umgegangen. „Ich bin heute mehr denn je stolz auf unsere Flagge, stolz auf unser Land und stolz auf unsere Spieler“, schrieb der Weltmeister von 2010 in seinem Instagram-Account. Die Spanier waren am Dienstagabend in Al-Rajjan mit 0:3 im Elfmeterschießen an Marokko gescheitert.  

Der 36 Jahre alte Ramos, zuletzt bei Paris Saint-Germain wieder in überzeugender Form, war zu seiner großen Enttäuschung nicht mehr von Nationaltrainer Luis Enrique für die WM nominiert worden. „Spanien verliert nicht, Spanien lernt. Spanien fällt hin, stolpert, aber erhebt sich und geht weiter. Wir kommen zurück und werden stärker zurückkommen“, sagte der 180-fache Nationalspieler und schloss mit den Worten: „Vamos, España!“ - „Auf geht's, Spanien!“
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Andreas Dörnfelder

Marokko zieht in WM-Viertelfinale ein – erneute Ausschreitungen in Brüssel

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Andreas Dörnfelder

Die Flick-Frage: Bundestrainer zum Rapport

Ein Dreier-Treffen soll den Weg für Bundestrainer Hansi Flick weisen. Die Top-Entscheider des deutschen Fußballs bitten den Coach zum Rapport. Darf Flick weitermachen? Und will er das überhaupt?

Die Zukunft von Bundestrainer Hansi Flick könnte sich am Mittwoch entscheiden. Erwartet wird, dass sich der 57-Jährige zur Analyse des frühen Scheiterns bei der Fußball-WM mit DFB-Präsident Bernd Neuendorf und DFL-Aufsichtsratschef Hans-Joachim Watzke trifft. Auf Nationalmannschaftsdirektor Oliver Bierhoff als Fürsprecher muss Flick verzichten, sein Vertrauter muss den Deutschen Fußball-Bund verlassen.
Hansi Flick
Hansi Flick   Bild: dpa
Was spricht für eine Zukunft mit Flick?

Zweite Chance:
Die WM war Flicks erstes großes Turnier als Bundestrainer. Es wäre übereilt, ihn jetzt schon aus dem Amt zu jagen, äußerten viele Weggefährten und Experten. Flick werde seine Lehren ziehen und an der Enttäuschung wachsen. „Sehr, sehr schnell aufarbeiten“ wolle er die WM-Pleite, versprach Flick selbst. „Ich hoffe, dass er bleibt und Punkt“, sagte Abwehrchef Antonio Rüdiger nach dem WM-Debakel.

Reputation:
Flicks Sechs-Titel-Saison mit dem FC Bayern ist noch nicht so lange her. Er galt als Königslösung für die Nachfolge von Joachim Löw. Der Ruf ist zwar deutlich angekratzt, doch grundsätzliche Zweifel an Flicks Qualitäten als Trainer haben in der Branche wohl nur wenige. „Ein sehr guter, feiner Trainer“, sagte der frühere Bundestrainer Jürgen Klinsmann über den aktuellen Amtsinhaber.

Kaum Alternativen:
Jürgen Klopps Berater verwies auf den langfristigen Vertrag des Kulttrainers beim FC Liverpool. Der derzeit arbeitslose Thomas Tuchel dürfte teuer und schwer zu bekommen sein. Watzke warf Tuchel einst bei Borussia Dortmund raus und sagte später, dieser sei „ein schwieriger Mensch“. Der auch genannte Ralf Rangnick wurde schon in der Vergangenheit vom DFB verschmäht und hat sich bis 2024 als österreichischer Nationaltrainer gebunden.

Was spricht für ein Aus für Flick?

Vertrauensverlust:
Das Aus für Bierhoff, den er als Freund bezeichnet, hat Flick offenkundig tief getroffen. Ihm falle die Vorstellung schwer, wie diese Lücke geschlossen werden könne, ließ der Bundestrainer über den DFB verbreiten. Flick ist Harmonie wichtig. Den FC Bayern verließ er im Zwist mit Sportvorstand Hasan Salihamidzic. Auch als DFB-Sportdirektor und Sport-Geschäftsführer der TSG Hoffenheim warf er jeweils vorzeitig hin. Jetzt könnte der nächste Frust-Rückzug folgen.

Neuanfang:
Die Heim-EM 2024 könnte Neuendorf und Watzke so wichtig sein, dass sie den kompletten Umbruch forcieren. Ohne Bierhoff und ohne Flick. Nach drei vermurksten Turnieren darf die Europameisterschaft im eigenen Land keinesfalls schiefgehen. Zu sehr ist das Image des deutschen Fußballs schon jetzt beschädigt, zu tief der Riss zwischen Fans und Profifußball. Flicks taktische Fehler bei der WM und der zuvor schon sichtbare sportliche Abschwung mit dem Verpassen der Nations-League-Endrunde könnten seine Vorgesetzten daran zweifeln lassen, dass es mit diesem Bundestrainer für den großen Wurf reicht.

Hypothek:
Besonders groß ist Flicks Kredit bei den Fans nicht. In einer „Kicker“-Umfrage sprach sich eine knappe Mehrheit sogar gegen seinen Verbleib im Amt aus. Als die DFB-Auswahl 2004 bei der EM in der Vorrunde scheiterte, trat Teamchef Rudi Völler zurück, weil er belastet mit einer derartigen Blamage nicht den Weg Richtung Heim-WM 2006 antreten wollte. Viel Zeit, die Fußball-Nation wieder ganz auf seine Seite zu ziehen, bliebe Flick nicht, zumal bis zur EM nur sportlich bedeutungslose Testspiele anstehen.
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Andreas Dörnfelder

Ronaldo auf der Bank, sein Ersatz schießt drei Tore – Der Superstar feiert nach dem 6:1-Sieg alleine

Ronaldo raus, Ramos rein: Diese Umstellung trägt maßgeblich zu Portugals 6:1 im Achtelfinale gegen die Schweiz bei. Youngster Ramos trifft dreimal und wird gefeiert, Superstar Ronaldo schweigt.

Santos über Ronaldos zukünftige Rolle: „Müssen wir sehen“

Portugals Fußball-Nationaltrainer Fernando Santos hat nach dem Joker-Einsatz von Cristiano Ronaldo beim überzeugende 6:1 im WM-Achtelfinale gegen die Schweiz die zukünftige Rolle des Superstars offen gelassen. „Das müssen wir sehen“, sagte der 68-Jährige auf die Frage, ob für Rekordtorschütze Ronaldo nun ein neuer Abschnitt im Nationalteam beginne. „Ich habe eine sehr enge Beziehung zu ihm. Aber wir sind Trainer und Spieler. Ich habe ihm gesagt, dass er ein sehr wichtiger Spieler ist, das weiß er.“
Ronaldo im Spiel gegen die Schweiz auf der Ersatzbank
Ronaldo im Spiel gegen die Schweiz auf der Ersatzbank   Bild: Imago
Santos hatte seinen Kapitän im Achtelfinale überraschend zunächst auf die Bank gesetzt. Für ihn spielte der 21 Jahre alte Gonçalo Ramos, der mit drei Treffern maßgeblich zum ersten Viertelfinal-Einzug der Portugiesen seit 2006 beitrug. „Cristiano hat als Kapitän das gemacht, was er immer macht. Er hat uns geholfen, uns ermutigt, die gesamte Mannschaft“, sagte der Angreifer von Benfica Lissabon über die ungewohnte Joker-Rolle Ronaldos.

Ronaldo feiert alleine – Fans nehmen ihn in Schutz

Der 37-Jährige äußerte sich anschließend nicht zu sportlichen Fragen. Ronaldo war in der 74. Minute eingewechselt worden, erzielte ein Abseitstor und verschwand nach Schlusspfiff als erster Portugiese wieder vom Rasen. „Es ist für jeden Spieler nicht leicht, auf der Bank zu sein“, sagte Teamkollege Bruno Fernandes. „Aber das Wichtigste ist die Antwort, die er gegeben hat, als er reingekommen ist. Er hat der Mannschaft geholfen.“
Auf Twitter erntete Ronaldo nach dem Spiel auch Zuspruch. Mehrere Nutzer posteten Videos, auf dem der Superstar zu sehen ist, wie er abseits der Mannschaft den Fans applaudiert, bevor er den Platz verlässt. Ein anderer Clip zeigt Ronaldo im Spielertunnel, wie er ein Selfie mit einer Rollstuhlfahrerin macht. Diese Szene spielte sich offenbar abseits der TV-Kameras ab.
Coach Santos begründete seine Entscheidung für Ramos und gegen Ronaldo nur mit sportlichen Überlegungen, die Aufregung um Ronaldos Gemecker nach seiner Auswechslung im vorherigen Spiel habe keine Rolle gespielt. „Ich wähle die Spieler aus, die am besten zu meiner Strategie passen“, sagte der Coach und lobte seinen jungen Stürmer für dessen Dynamik, Zweikampfstärke und seinen Zug zum Tor.

„Nicht mal in meinen kühnsten Träumen“

Ramos selbst, der bei Benfica Lissabon unter dem deutschen Coach Roger Schmidt eine starke Saison spielt und erst kurz vor der WM sein Debüt im A-Nationalteam gegeben hatte, will sich keine Gedanken machen, ober er Ronaldo dauerhaft verdrängen kann. „Wir brauchen das Ergebnis von heute im nächsten Spiel nicht zu berücksichtigen“, sagte der 21-Jährige, für den ein Traum in Erfüllung gegangen war: „Nicht mal in meinen kühnsten Träumen hatte ich gedacht, dass ich in einer WM- K.o.-Runde in der Startelf stehen würde.“
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Andreas Dörnfelder

Ronaldo schweigt – und schickt Genesungswünsche an Pelé

Cristiano Ronaldo war schon fast am Ausgang des Lusail-Stadions angekommen, da blieb er doch noch einmal kurz stehen. Fragen zum Sportlichen wollte der Kapitän von Portugals Fußball-Nationalmannschaft nach seiner Joker-Rolle beim 6:1 im WM-Achtelfinale gegen die Schweiz nicht beantworten – aber Zeit für ein paar Worte an einen ganz Großen des Fußballs hatte er dann doch.

„Gute Besserung, gute Besserung. Ich wünsche eurem König nur das Beste“, sagte der 37 Jahre alte Superstar einem brasilianischen Journalisten, der ihn nach Pelé fragte. Die 82 Jahre alte brasilianische Fußball-Legende liegt seit mehreren Tagen im Krankenhaus in São Paulo, wo er sich von einer Atemwegserkrankung im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion erholt.
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Andreas Dörnfelder

Dicke Luft bei den Schweizern – Trainer und Taktik nach 1:6 im Fokus

Die 1:6-Klatsche im WM-Achtelfinale gegen Portugal hat gehörigen Frust im Schweizer Nationalteam ausgelöst – und eine Diskussion über die Taktik von Trainer Murat Yakin. „Wir haben unseren Plan gewechselt und er ist leider nicht aufgegangen“, sagte der frühere Bayern-Profi Xherdan Shaqiri nach dem dritten Achtelfinal-Aus der Eidgenossen bei einer Fußball-WM in Serie. Allerdings hätte auch kein Schweizer Spieler Normalniveau erreicht.

„Der Trainer ist der Trainer. Er macht die Taktik. Und wir haben verloren. Was soll ich dazu sagen? 6:1. Das sagt alles“, meinte der ehemalige Frankfurter Haris Seferovic, der zudem „viel zu viele Fehler“ im Spiel der eigenen Mannschaft ausmachte.
Schweiz-Trainer Murat Yakin beim Spiel gegen Portugal
Schweiz-Trainer Murat Yakin beim Spiel gegen Portugal   Bild: AP
Yakin hatte gegen Portugal nach dem erkältungsbedingten Ausfall des Mainzer Außenverteidigers Silvan Widmer hinten zunächst eine Dreier- statt wie sonst einer Viererkette aufgeboten. Sowohl der Trainer als auch seine Spieler wurden nach der Partie mehrfach auf die Systemumstellung angesprochen.

„Es lag nicht am System, es lag an der Bereitschaft. Wir hatten nie Zugriff auf das Spiel“, sagte Yakin. Die Krankheitsfälle, mit denen das Team in den vergangenen Tagen zu kämpfen hatte, hätten womöglich auch Kräfte gekostet.

„Wir haben das Spiel nicht wegen des Systems verloren“, betonte auch Kapitän Granit Xhaka. Defensiv nicht zu laufen und nur offensiv etwas zu wollen, könne man „auf dem Niveau nicht machen“, so der frühere Gladbacher, der extrem gereizt wirkte.

Ob das Ergebnis Yakins Stellung schwächt und seinen Posten als Nationalcoach womöglich sogar gefährdet? „Nein, ganz und gar nicht“, sagte der Direktor der Schweizer Nationalteams, Pierluigi Tami, nach der Partie im Lusail Stadion. „Wir werden das natürlich im Detail analysieren. Aber ich habe schon erkannt, dass Leben in der Mannschaft ist.“
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Marc Renner
Wie Klose: Portugals Ramos mit Dreierpack bei WM-Startelfdebüt – Ronaldo bei Portugal-Show nur Joker
Portugals Fußball-Nationalspieler Gonçalo Ramos hat als erster Profi seit Miroslav Klose 2002 bei seinem WM-Startelfdebüt drei Tore erzielt. Der 21 Jahre alte Stürmer von Benfica Lissabon traf am Dienstagabend beim 6:1 (2:0) im WM-Achtelfinale gegen die Schweiz dreimal. Ramos hatte in der Startelf Superstar und Kapitän Cristiano Ronaldo ersetzt, der überraschend erst Mitte der zweiten Halbzeit in die Partie kam. 

Der zum Joker degradierte Ronaldo umarmte kurz Matchwinner Gonçalo Ramos, ließ sich alleine von den Fans bejubeln und verschwand dann eilig in der Kabine. Die übrige Mannschaft feierte nach Portugals bislang bester Turnierleistung und dem ersten Einzug ins WM-Viertelfinale nach 2006 weiter Dreifachtorschütze Ramos.
Ramos
Ramos   Bild: Getty
„Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Das ist ein Traum, der in Erfüllung geht“, sagte Ramos. Ob er auch im Viertelfinale wieder für Ronaldo spielen werde, wollte der Angreifer nicht vorhersagen. „Das entscheide nicht ich, das entscheiden andere.“ 

Der deutsche WM-Rekordtorschütze Klose hatte bei der WM 2002 beim 8:0 gegen Saudi-Arabien in der Gruppenphase dreifach getroffen. Teamkollege Bruno Fernandes sagte über Ramos' erste Partie von Beginn an: „Ich glaube, man kann kein besseres Startelf-Debüt bei einer WM geben.“
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Marc Renner

TV-Expertin Almuth Schult pausiert bei WM aus privaten Gründen

Fußball-Nationaltorhüterin Almuth Schult (31) muss eine Zwangspause als TV-Expertin für die WM in Katar einlegen. Nachdem sie aus privaten Gründen bei der ARD-Übertragung der Achtelfinalspiele am Dienstag fehlte, ist auch ihr Einsatz bei den Viertelfinal-Partien offen. Das teilte die „Sportschau“-Redaktion via Twitter mit. Schult kommentierte bislang an der Seite der Ex-Nationalspieler Thomas Hitzlsperger und Sami Khedira bei WM-Spielen in der ARD. 
In den sozialen Netzwerken zeigte sich eine Reihe von Nutzern enttäuscht über das Fehlen der Fußballerin. Schult hatte schon bei der Männer-EM im Vorjahr gute Kritiken für ihre Experten-Auftritte erhalten.
Almuth Schult
Almuth Schult   Bild: dpa
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Anne Schwedt

Prestigeerfolg für Nike - Nur ein Adidas-Team im Viertelfinale

Nike sammelt bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Katar Prestigeerfolge. Sechs der acht Nationalmannschaften, die sich für das Viertelfinale qualifiziert haben, spielen in Trikots des weltgrößten Sportartikelherstellers. Das steht nach dem 6:1-Kantersieg von Portugal gegen die Schweiz am Dienstagabend fest. Damit hat Nike fast die Hälfte der 13 Mannschaften, die der US-Konzern ausrüstet, unter die besten acht gebracht. Von den sieben Adidas-Teams hat nach dem überraschenden Aus Spaniens dagegen nur Argentinien das Achtelfinale überstanden. Achtelfinal-Sensationssieger Marokko (3:0 im Elfmeterschießen gegen Spanien) spielt in Puma-Hemden und -Hosen. Der fränkische Adidas-Rivale staffierte in Katar sechs der 32 Teams aus, allerdings fast ausschließlich Außenseiter.

Ein Trost für Adidas: Mit dem offiziellen WM-Ball "Al-Rihla" ("Die Reise") ist die weltweite Nummer zwei unter den Sportartikelherstellern in jedem Spiel in Katar bis zum Finale dabei. Die 1280 Bälle - 20 für jedes Spiel - sind mit einem Chip ausgestattet, der unter anderem die Schussgeschwindigkeit misst und den Video-Schiedsrichter unterstützen soll. Adidas erwartet durch die WM einen zusätzlichen Umsatz von 400 Millionen Euro.
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