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07.09.2017

16:36 Uhr

Macron in Athen

Der französische Freund

VonGerd Höhler

Griechenland und Frankreich haben ein traditionell gutes Verhältnis, das nun durch den Besuch des französischen Präsidenten in Athen neu belebt wird. Deutschland könnte in wichtigen Fragen überstimmt werden.

Der griechische Premierminister heißt den französischen Präsidenten in Athen willkommen. AP

Emmanuel Macron (links) und Alexis Tsipras

Der griechische Premierminister heißt den französischen Präsidenten in Athen willkommen.

AthenPräsident Emmanuel Macron ebnet in Athen den Weg für Investitionen französischer Unternehmen, der griechische Premier Alexis Tsipras hofft auf Unterstützung Frankreichs in der Schuldenfrage – eine Win-win-Situation bei Macrons Staatsbesuch an der Akropolis.

Alexis Tsipras rollt für seinen französischen Gast den roten Teppich aus. Nicht nur am Hauptstadtflughafen Eleftherios Venizelos, wo Macron am Donnerstagmittag um kurz vor 13 Uhr eintraf, und wenig später bei der offiziellen Begrüßung vor dem Amtssitz des griechischen Staatspräsidenten. Sondern auch an geschichtsträchtiger Stelle: Am Abend wird Macron auf der Pnyx erwartet, jenem Hügel gegenüber der Akropolis, wo in der Antike die Volksversammlung der Athener tagte. Macrons Rede vor der Kulisse des Parthenon gilt als der Höhepunkt des zweitägigen Staatsbesuchs. Der griechische Premier knüpft große Erwartungen an die Visite.

Ideologisch verbindet Tsipras zwar fast nichts mit Macron. Im französischen Wahlkampf unterstützte der Grieche den Linkssozialisten Jean-Luc Melenchon. Die Arbeitsmarktreformen, die Macron jetzt in Frankreich durchzusetzen versucht, sind das diametrale Gegenteil dessen, was Tsipras und sein radikales Linksbündnis Syriza wollen. Auch beim Thema Privatisierungen trennen die beiden Welten. Aber diese Differenzen treten für Tsipras zurück.

Der Grieche sucht die Unterstützung Frankreichs, zum Beispiel beim Thema Schuldenerleichterungen. Die scheiterten bisher vor allem am Widerstand von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble. Macron dagegen hat bereits seine Bereitschaft signalisiert, den Griechen die untragbare Schuldenlast von fast 180 Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu erleichtern. Vorstellbar wären längere Laufzeiten der Kredite, mehr tilgungsfreie Jahre und dauerhaft festgeschriebene niedrige Zinsen.

Tsipras will das Thema nach der Bundestagswahl wieder auf die Tagesordnung der Eurozone bringen. Der Schulterschluss mit Macron ist für ihn jetzt umso wichtiger, als nach dem 24. September möglicherweise auch die Karten für Griechenland neu gemischt werden: Sollte die FDP an einer künftigen Koalition beteiligt sein, müsste sich Tsipras auf schärferen Wind aus Berlin einstellen. Tsipras dürfte deshalb bei seinen Gesprächen mit Macron in Gedanken immer mal wieder nach Deutschland abschweifen.

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Ein Rede auf der Pnyx: Dass Bundeskanzlerin Merkel oder Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier diese Ehre zuteilwürde, ist schwer vorstellbar. Dazu ist das griechisch-deutsche Verhältnis viel zu unterkühlt. Während das Bild Deutschlands in Griechenland während der Krisenjahre stark gelitten hat, haben sich die Beziehungen zu Frankreich vertieft. Sie ruhen auf einem soliden Fundament. Das Verhältnis zu Frankreich ist für viele Griechen seit jeher eine Herzenssache. Die Jahre der Obristendiktatur verbrachten viele griechische Regimekritiker im französischen Exil, unter ihnen der spätere Premierminister und Staatspräsident Konstantin Karamanlis. Als 1979 in Griechenland das Farbfernsehen eingeführt wurde, entschied sich der Staatssender ERT für das französische SECAM-System und gegen die deutsche PAL-Norm. Vor allem der Fürsprache des französischen Präsidenten Valèry Giscard d’Estaing verdankte Griechenland 1980 die Aufnahme in die damalige Europäische Gemeinschaft – gegen anfänglichen Widerstand von Helmut Schmidt.

Macron besucht ein Land, dessen Menschen ihm überwiegend freundlich gesinnt sind. Dagegen gehören Bundeskanzlerin Angela Merkel und Finanzminister Wolfgang Schäuble in Griechenland zu den meistgehassten ausländischen Politikern. Sie gelten als die Initiatoren dessen, was die meisten Griechen als „Spardiktat“ empfinden.

Kommentare (4)

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Rainer von Horn

07.09.2017, 17:03 Uhr

Ein gutes Verhältnis zwischen zwei Freunden stellt sich fast zwangsläufig ein, wenn ein Dritter die Rechnung bezahlt und man sich über den auch noch lustig machen kann.
Mit dem Verlagern von Souveränität auf die europäische Ebene im Rahmen eines europäischen Finanzministeriums, wird´s so laufen, wie es jetzt in der Notenbank läuft: Deutschland wird blechen aber ansonsten von den übrigen Freunden überstimmt werden. So lässt sich dann auch der Grexit noch ´ne Weile verzögern.

Herr Peter Spiegel

07.09.2017, 17:17 Uhr

Das Goldhändchen hat am Anfang geholfen und jetzt naht das Händchen von den Rothschilds. Der französische Präsident wird es noch weit bringen, wenn er nicht mehr Präsident sein muß.

Herr Helmut Metz

07.09.2017, 18:21 Uhr

@ Peter Spiegel

Die französische Linie von denen produziert nur den besten Rotwein der Welt.
Exquisiter Wein ist auch ein KNAPPES GUT (und Wein-Investment ist etwas für echte Connaisseure.
Die britische Linie war noch weitaus genialer: die machte aus einem knappen Gut (Geld) ein beliebig vermehrbares: ;-))
"Mir ist es egal, welche Marionette auf dem Thron von England sitzt und ein Imperium regiert, wo die Sonne nie untergeht. Der Mann, der die Geldmenge Britanniens kontrolliert, kontrolliert das Britische Imperium, und ich bin der Mann, der die Geldmenge Britanniens kontrolliert.«

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