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31.05.2019

17:01

Nordkoreas Diktator hat sich in den vergangenen Jahren ein mörderisches Image erworben. Reuters

Kim Jong Un

Nordkoreas Diktator hat sich in den vergangenen Jahren ein mörderisches Image erworben.

Medienbericht

Berichte aus Korea: Kim soll Diplomaten hingerichtet haben – als Strafe für gescheiterten Trump-Gipfel

Von: Martin Kölling

Eine südkoreanische Zeitung berichtet über eine blutige Säuberungswelle unter Kims Atom-Unterhändlern. Aber Experten mahnen zur Vorsicht.

TokioSpitzenpolitiker in Pjöngjang zu sein, hat seine Vorteile: Die Machtelite hat Zugang zu deutschen Autos, ausländischem Wein und Elektronikartikeln aus Japan. Doch in Nordkorea kann der Preis für diese Privilegien das eigene Leben sein – wenn die Führung ein Exempel statuieren will.
Ein eklatantes Beispiel dafür soll das ergebnislose Gipfeltreffen zwischen Nordkoreas Führer Kim Jong Un und US-Präsident Donald Trump in Vietnam ausgelöst haben. Die südkoreanische Zeitung Chosun Ilbo berichtete am Freitag, unter Berufung auf eine unbekannte Quelle, von einer blutigen Reinigungswelle in Kims Verhandlungsteam.

Kim Hyok-chol, Nordkoreas Gesandter in den USA sowie vier andere Diplomaten seien auf dem nordkoreanischen Mirim-Flughafen hingerichtet worden, schreibt die Zeitung. Ihnen wurde Spionage und Fehlinformationen vorgeworfen. Aber auch prominentere Kader wurden demnach für das Scheitern des Gipfels bestraft, was Führer Kim dem Bericht zufolge kalt erwischt hat.

Kims Sondergesandter Kim Yong-chol, der Trump einen Brief des Diktators in einem übergroßen Briefumschlag übergeben hatte, verrichtet laut der Chosun Ilbo nun harte Arbeit in einem Umerziehungslager. Kims Dolmetscherin soll für Fehlübersetzungen bestraft worden sein. Selbst Kims Schwester Kim Yo-chol, die ihren Bruder als eine Art persönliche Adjutantin bei seinen Auslandsreisen begleitet, hat sich den Informationen zufolge vorerst aus der Öffentlichkeit zurückgezogen.

Der Bericht passt zum mörderischen Image, das der nordkoreanischen Diktatur anhängt. Nach seiner Amtsübernahme ließ Kim seinen Schwiegeronkel Jang Song-thaek hinrichten, später seinen Halbbruder Kim Jong-nam in Malaysia vergiften. Dennoch rät der Nordkorea-Experte Joshua Pollack, Berichte über Nordkoreas Hofintrigen mit größter Vorsicht zu behandeln. Möglich sei eine Hinrichtung schon: „Nordkoreas Führung ist sich nicht zu schade, Sündenböcke für Politikdesaster zu finden“, so Pollack, „aber manchmal entpuppen sich solche Geschichten als etwas übertrieben.“

So tauchten Vize-Admiral Choe Ryong Hae und der Kim-Vertraute Hwang Pyong vor ein paar Jahren nach Gerüchten über ihre Reinigung quicklebendig wieder an Kims Seite auf. Auch Kims angebliche Ex-Freundin Hyon Song-Wol überlebte einen Bericht der Chosun Ilbo über ihre vermeintliche Erschießung bei bester Gesundheit. Als führenden Sängerin der Moranbong-Band und Leiterin des Samjiyon-Orchesters heimste sie 2018 in Südkorea bei Gastauftritten im Rahmen der olympischen Winterspiele tosenden Beifall ein.

Zweifel an der Bestrafung von Kim Yong-chol

Auch im neuen Fall bestehen Zweifel. Chad O'Carroll, Chef des Informationsdienstes Korea Risk Group, berichtet, dass laut seinen Quellen Kim Hyok-chol noch kürzlich in Nordkoreas Außenministerium gesichtet wurde.
Der Nachrichtenagentur Reuters wurde zwar eine Bestrafung wie Einweisungen in Arbeitslager bestätigt, nicht aber Hinrichtungen. Und die Nordkorea-Expertin Sarah Vogler von der Elliott School of International Affairs kann sich zwar vorstellen, dass der vermeintlich hingerichtete Kim zum Sündenbock gemacht wurde. Doch dies erklärt für Vogler nicht, warum eine andere im Gipfel einbezogene Diplomatin Karriere gemacht habe.

Noch skeptischer sei sie bei dem Bericht, dass Kims Chefunterhändler Kim Yong-chol bestraft worden sei. „Kim Jong Un hat schon immer Offizielle ausgewechselt, mehr als sein Vater es jemals getan hat“, so Vogler. Allerdings: Es kursieren schon länger Gerüchte über härtere Strafen, gibt der Abrüstungsexperte Jeffrey Lewis zu bedenken. „Ich bin mir noch immer nicht sicher, ob ich sie glauben soll, aber sie werden schrecklich spezifisch.“

Unabhängig vom Wahrheitsgehalt der neuesten Berichte über Hinrichtungen scheint es nach dem Scheitern des US-Nordkorea-Gipfels im Regime zu knirschen. Die Zeitung der Arbeiterpartei, Rodong Sinmun, kritisierte kürzlich auf ihrer ersten Seite die Kader dahingehend, dass Propaganda und Agitation nicht zur Zufriedenheit der Partei ausgeführt würden. Dies könne die Bevölkerung demoralisieren und teilweise den wirtschaftlichen Aufbau unterbrechen.

Die ausdrückliche Kritik der Propaganda in Teilen der Partei in Staatsmedien sei ungewöhnlich, urteilt Rachel Lee, Analystin von NK Pro, einem Informationsdienst der Korea Risk Group. Der jüngste Aufwärtstrend der Kritik lege nahe, „dass Nordkoreas Führung sich möglicherweise um die ideologische Einheit des Landes sorgt.“

Und die will sie gerade jetzt erzwingen, um die Probleme übertünchen, die die Sanktionen schaffen. Denn Nordkoreas Hoffnung, die USA auf dem Gipfel eine Lockerung der Handelsbeschränkungen abzuhandeln, haben sich nicht erfüllt. Stattdessen warnten das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen sowie Nordkorea selbst kürzlich, dass Missernten die Lebensmittelengpässe verschärfen könnten.

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