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27.04.2022

17:14

Moldau

Anschläge in Transnistrien: Droht eine Ausweitung des Ukraine-Kriegs?

Quelle:dpa

In Transnistrien kam es zu Wochenbeginn zu rätselhaften Anschlägen. Seit 1992 kontrollieren russische Separatisten die Region zwischen Moldau und Ukraine. Was will Russland dort?

Transnistrien

Moldau

Beschädigtes Gebäude des Ministeriums für Staatssicherheit in der moldawischen Region Transnistrien (Foto: AP).

Im abgespalteten Landesteil Transnistrien in Moldau wurde am Montag das Gebäude der regionalen Staatssicherheit beschossen. Zudem wurden zwei von russischen Sendern genutzte Rundfunksendemasten gesprengt. Explosionen gab es angeblich auch in einer Kaserne nahe dem Militärflugplatz von Tiraspol. Der Präsident Transnistriens, Wadim Krasnoselski, sprach am Dienstag von Terroranschlägen. Verletzt wurde den Angaben nach niemand.

Ukraine wirft Russland Provokation in Transnistrien vor

Die Ukraine und Russland warfen einander vor, mit solchen Provokationen den Krieg ausweiten zu wollen. Die Präsidentin der Republik Moldau, Maia Sandu, deutete die Unruhe als Ausdruck innerer Konflikte im Separatistengebiet. „Wir sind daran interessiert, dass an den Ufern des Dnister Frieden und Ruhe herrschen“, sagte sie in Chisinau nach Beratungen ihres Sicherheitsrates. Die Ex-Sowjetrepublik Moldau orientiert sich unter Sandus Führung in Richtung EU.

Rückhalt der Separatisten in Transnistrien ist ein Kontingent russischer Soldaten, das immer noch dort stationiert ist. Der Waffenstillstand mit Moldau wird von einer Mission der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) überwacht. Diese rief alle beteiligten Seiten zu Zurückhaltung und Ruhe auf.

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    Ukraine warnt vor russischen Truppen in Transnistrien

    Das ukrainische Außenministerium zeigte sich besorgt über die Lage in Transnistrien. Die Ukraine stehe entschlossen hinter der territorialen Integrität Moldaus innerhalb seiner anerkannten Grenzen. Kiew verurteile Versuche, die Region in den Krieg hineinzuziehen, den Russland gegen die Ukraine führe.

    Das ukrainische Militär warnte vor einer Aktivierung russischer Truppen in Transnistrien. „Die Einheiten der russischen Streitkräfte sind in volle Gefechtsbereitschaft versetzt worden“, hieß es in einem am Dienstagabend auf Facebook veröffentlichten Bericht des ukrainischen Generalstabs.

    Zudem seien auch die Sicherheitskräfte der moldauischen Separatisten in erhöhte Bereitschaft versetzt worden. Die Regierung von Transnistrien hatte Kiew vorgeworfen, diese organisiert zu haben. Kiew wies die Vorwürfe zurück und sprach davon, dass der russische Geheimdienst FSB Transnistrien in den russischen Krieg gegen die Ukraine hineinziehen wolle.

    Was will Russland in Transnistrien?

    „Russland will die Region Transnistrien destabilisieren“, schrieb der ukrainische Präsidentenberater Mychajlo Poldoljak auf Telegram. „Die schlechte Nachricht: Wenn die Ukraine fällt, werden russische Truppen morgen vor Chisinau stehen.“

    Kiew erinnerte auch an die Äußerung eines russischen Befehlshabers vergangene Woche. Generalmajor Rustam Minnekajew hatte erklärt, die Streitkräfte seines Landes verfolgten das Kriegsziel einer vollständigen Kontrolle über den Süden der Ukraine bis nach Transnistrien.

    Bislang beherrscht die Ukraine die Hafenstadt Odessa und den Küstenstreifen am Schwarzen Meer. Ein russischer Raketenangriff beschädigte am Dienstag aber die Eisenbahnbrücke über die Dnister-Mündung am Schwarzen Meer. Damit reißt eine wichtige Nachschubstrecke für Treibstoff und andere Güter aus dem EU-Land Rumänien ab.

    Russland droht indirekt mit Einmarsch in Transnistrien

    Moskau sei beunruhigt wegen der Nachrichten aus Transnistrien, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow. Der ranghohe russische Parlamentarier Leonid Kalaschnikow sagte: „Die Vorgänge in Transnistrien sind eine Provokation mit dem Ziel, Russland noch tiefer in die Kriegshandlungen in der Region hineinzuziehen.“ Die Spuren der Anschläge führten in die Ukraine, sagte Separatistenführer Krasnoselski.

    Auch der stellvertretende russische Außenminister Andrey Rudenko warnte am Dienstag vor einem Szenario, in dem Russland intervenieren müsse, berichtete RIA. Die staatliche Nachrichtenagentur nannte aber keine näheren Details.

    Transnistrien von russischen Separatisten kontrolliert

    Transnistrien am Fluss Dnister liegt zwischen der Ukraine und Moldau. Nach Angaben von russischen Medien leben dort mehr als 200.000 Menschen mit russischem Pass. Der schmale Landstreifen ist etwas größer als Luxemburg und gehört völkerrechtlich zum unabhängigen Staat Moldau.

    Im August 1992 erreichte Transnistrien allerdings eine De-facto-Unabhängigkeit. Russische Separatisten kämpften zuvor gegen Regierungstruppen Moldaus. Dabei büßte Moldau seine Souveränität über das Gebiet ein, heißt es bei der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg.

    International anerkannt ist Transnistrien jedoch nicht. Etwa 470.000 Menschen leben dort. Russland hat in Transnistrien etwa 1.500 Soldaten stationiert, die dort offiziell als Friedenswächter dienen.

    Gefahr eines Einmarschs Russlands in Moldau „gering“

    Es gibt jedoch Sorgen, dass diese russischen Soldaten weiter in die Republik Moldau oder in die Ukraine einmarschieren könnten. Militärexperten schätzen diese Gefahr bisher aber als gering ein. Die dort stationierten russischen Truppen seien viel zu schwach, um gegen die Republik Moldau oder die Ukraine vorzurücken, sagte Marcus Keupp von der Militärakademie an der ETH Zürich.

    Die russischen Besatzungstruppen bewachten ein riesiges Waffen- und Munitionsdepot aus Sowjetzeiten. Zudem verfügen sie Keupp zufolge nur über Panzer und Radfahrzeuge, „die seit 30 Jahren nicht mehr bewegt wurden“.

    Die rund 5.000 als Kampfverbände aufgestellten russischen Separatisten seien logistisch isoliert. Auch verfügen sie wohl nur über zwei Kampfhubschrauber, sagte Keupp. Ihnen gegenüber stünden in Moldau rund 20 000 Soldaten.

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