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30.10.2022

17:00

Moskaus Angriffskrieg

Russland stoppt Getreideabkommen mit der Ukraine – Internationale Kritik an Russland

Von: Mathias Brüggmann

PremiumMoskau nennt den Beschuss von Schiffen der Schwarzmeerflotte durch die Ukraine als Grund. Kiew bestreitet das – und drängt auf weitere Getreidelieferungen.

Können die Frachter nicht mehr sicher die Meere durchqueren, könnte es zu einer Hungerkatastrophe kommen. dpa

Getreidefrachter

Können die Frachter nicht mehr sicher die Meere durchqueren, könnte es zu einer Hungerkatastrophe kommen.

Warschau Durch Russlands erneute Blockade von Getreideexporten aus der Ukraine droht nun erneut eine weltweite Hungerkrise. Moskau hatte am Sonnabend in einem Schreiben an Uno-Generalsekretär Antonio Gutteres darüber informiert, dass es das unter Vermittlung der UN und der Türkei geschlossene Abkommen zum sicheren Transit von Getreidefrachtern durch das maritime Kriegsgebiet vor der Ukraine aussetze. Bereits am Sonntag konnte deshalb die mit 40.000 Tonnen Getreide beladene „Ikaria Angel“ aus dem ukrainischen Schwarzmeerhafen Tschornomorsk nicht mehr auslaufen.

„Diese Produkte waren für Äthiopier bestimmt, die am Rande des Hungertodes stehen. Aber aufgrund der russischen Blockade des ,Getreidekorridors‘ sind Exporte nicht mehr möglich“, schrieb der ukrainische Infrastrukturminister Olexander Kubrakow am Sonntag auf Twitter.

Russland begründete seine Entscheidung des eigentlich bis 22. November vereinbarten Sicherheitskorridors durch das Schwarze Meer mit angeblichen Explosionen in der von Russland annektierten Krim-Hafenstadt Sewastopol. Der Kreml behauptet, dass das ukrainische Militär „unter Führung britischer Spezialisten“ angeblich Schiffe der russischen Schwarzmeerflotte und zivile Schiffe, „die an der Sicherung des ,Getreidekorridors‘ beteiligt sind“, angegriffen habe.

Die Freiwilligen-Community Geoconfirmed hat festgestellt, dass mindestens drei Schiffe der russischen Schwarzmeerflotte auf der annektierten Halbinsel Krim von Drohnen getroffen wurden, darunter das Flaggschiff Admiral Makarow in Sewastopol. Das ukrainische Militärkommando erklärte, die Explosionen in Sewastopol seien möglicherweise durch fehlgeschlagene Starts russischer Raketen verursacht worden.

Gleichzeitig bezeichnete die ukrainische Führung den Rückzug Moskaus aus der Getreideinitiative als „Erpressung mit Lebensmitteln“ und betonte, dass Russland sich unter einem falschen Vorwand aus dem Abkommen zurückziehe. Die Uno hat „alle Parteien“ aufgefordert, alles zu unterlassen, was die Umsetzung des Abkommens gefährden könnte, und erklärte, sie stehe in Kontakt mit den russischen Behörden.

Außenministerin Annalena Baerbock forderte Russland zur Einhaltung seiner Verpflichtungen aus dem Abkommen für ukrainische Getreideexporte über das Schwarze Meer auf. „Millionen Menschen auf der Welt hungern, und Russland stellt erneut die Sicherheit von Getreideschiffen zur Disposition. Das muss aufhören“, sagte die Grünen-Politikerin am Sonntag vor ihrem Abflug nach Kasachstan in Berlin. „Ob Familien in Libanon, Niger oder Bangladesch ihre nächste Mahlzeit bezahlen können, darf nicht von den Kriegsplänen des russischen Präsidenten abhängen.“ Der Getreidekorridor war seit 1. August in Kraft.

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