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23.04.2019

17:35

Motorradhersteller

Harley-Davidson mit Gewinneinbruch – Trump droht Europa mit Vergeltung

Sinneswandel des US-Präsidenten: Lange hat Trump auf den Motorradhersteller eingedroschen. Nach hohen Quartalsverlusten wird er zum Verteidiger.

Der Motorradbauer musste im ersten Quartal einen Gewinnrückgang verbuchen. AFP/Getty Images

Harley Davidson

Der Motorradbauer musste im ersten Quartal einen Gewinnrückgang verbuchen.

Milwaukee, WashingtonDer Zollstreit mit der EU hat erneut die Bilanz des Motorradbauers Harley-Davidson belastet – und das bringt US-Präsident Donald Trump in Rage. Im ersten Quartal sank der Überschuss verglichen mit dem Vorjahreswert um mehr als ein Viertel auf 127,9 Millionen Dollar (113,7 Millionen Euro), wie Harley-Davidson am Dienstag in Milwaukee (US-Bundesstaat Wisconsin) mitteilte. Die Erlöse fielen um zwölf Prozent auf 1,2 Milliarden Dollar – nicht die erste Verlustmeldung in diesem Jahr.

Trump machte bei Twitter seinem Ärger darüber Luft, dass die US-Traditionsfirma in der EU unter erhöhten Zöllen litt, die im Zuge des Handelsstreits verhängt wurden. „So unfair gegenüber den USA“, schrieb Trump und drohte mit Vergeltung. Allerdings sanken die Harley-Verkäufe in den USA, wo der Hersteller unter einer alternden konservativen Kundschaft leidet, sogar noch stärker als im Ausland.

Bis zu Trumps jüngstem Tweet schien das Verhältnis zwischen dem US-Präsident und Harley-Davidson problematisch. Trump hatte die US-Kultfirma wiederholt scharf kritisiert und im vergangenen Jahr sogar Boykottaufrufe seiner Anhänger unterstützt. Er war verärgert, weil Harley-Davidson angekündigt hatte, wegen der Strafzölle einen Teil der Produktion von den USA ins Ausland zu verlagern.

Bei Harley-Davidson ist Trump besonders empfindlich. Zunächst hatte er die Firma noch als Inbegriff von „Made in America“ umgarnt. Nach seinem Amtsantritt lud Trump die Harley-Chefs ins Weiße Haus ein und jubelte ihnen zu: „Wir sind stolz auf euch!“. Die Charme-Offensive kam nicht von ungefähr: Zu Harleys US-Stammkundschaft zählen viele konservative weiße Männer - vereint etwa in der Initiative „Bikers for Trump“, die schon seit Monaten Wahlkampf für 2020 macht.

Umso erzürnter war der US-Präsident, als ausgerechnet die von ihm so umschmeichelte Motorrad-Ikone auf den von ihm angezettelten Handelsstreit mit einem Teilabzug der US-Produktion reagierte. Trump fühlte sich verraten, er drohte Harley-Davidson mit dem „Anfang vom Ende“ und polterte vor seinen zahlreichen Twitter-Followern: „Sie werden besteuert wie nie zuvor!“. Sein aktueller Tweet birgt aber vor allem Gefahren für die EU - Trump droht seit Monaten mit hohen Sonderzöllen auf Autos und andere Importe aus Europa und scheint dem nun Nachdruck zu verleihen.

Harley-Davidson ist indes bei weitem nicht der einzige US-Konzern, der unter Trumps „Amerika zuerst“-Wirtschaftspolitik und den Reaktionen der Handelspartner darauf leidet. Die Vergeltungszölle der EU ließen beispielsweise die Exporte der US-Whiskey-Hersteller einbrechen. Die großen US-Autobauer General Motors und Ford oder der Getränkeriese Coca-Cola ächzten angesichts erhöhter Zölle auf Aluminium und Stahl bereits unter gestiegenen Materialkosten.

Dabei hat Harley-Davidson eigentlich noch ganz andere, hausgemachte Probleme. Der 1903 gegründete Motorradhersteller, der mit seinem „Easy Rider“-Image einst als großes US-Symbol für Freiheitsliebe und Individualismus stand, gilt mittlerweile als angestaubt und dringend renovierungsbedürftig.

Das Unternehmen versucht schon länger, mit moderneren Produkten jüngere Kunden anzusprechen - bislang mit wenig Erfolg. Zuletzt verkündete Harley-Davidson die Übernahme eines US-Herstellers für Kinder-Elektrozweiräder, um künftige Generationen schon frühzeitig fürs Motorradfahren zu gewinnen.

Kurznachrichten aus dem Weißen Haus waren lange Zeit gefürchtet bei Unternehmen. Viele legten sich einen Notfallplan zurecht, um auf „Trump-Tweets“ zu reagieren, ähnlich wie es in der Krisenkommunikation auch Pläne für Naturkatastrophen und größere Werksunfälle gibt. Mittlerweile hat die Sorge vor dem Twittersturm abgenommen.

Vor allem was die Tweets angeht, in denen bestimmte Unternehmen gelobt oder kritisiert werden, zeigt sich: Trump bewegt mit seinen Kurznachrichten zwar die Aktienkurse. Aber nur wenig. „Die Tweets haben keinen signifikanten Effekt“, heißt es in einer Studie der University of Illinois Springfield.

Brexit 2019

Von

dpa

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