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08.08.2019

14:45

Nach Aufhebung des Sonderstatus

Kashmir-Konflikt: Pakistan schließt militärische Option aus

Im Streit um Kashmir will Pakistan den indischen Botschafter ausweisen und die Eisenbahnverbindung nach Indien kappen. Militärisch will das Land aber nicht vorgehen.

Kashmir-Konflikt: Pakistan schließt militärische Option aus dpa

Kaschmirkrise in Indien

Indische Wanderarbeiter stehen mit ihrem Gepäck vor dem Bahnhofsgebäude, um die Region Jammu und Kaschmir zu verlassen.

Neu-Delhi, Srinagar Pakistan hat eine militärische Reaktion auf die umstrittene Aufhebung des Sonderstatus für die indisch-kontrollierte Kaschmir-Region ausgeschlossen. Man prüfe politische, diplomatische und rechtliche Optionen, sagte Außenminister Shah Mehmood Qureshi bei einer Pressekonferenz in Islamabad am Donnerstag. „Eine militärische Reaktion prüfen wir nicht“, sagte Qureshi. Islamabad werde sich bald an den UN-Sicherheitsrat wenden und würde auch eine Vermittlung etwa der Europäischen Union in dem Konflikt begrüßen.

Der Luftraum über Pakistan solle geöffnet bleiben. Auch bei dem geplanten Kartarpur-Grenzkorridor solle es bleiben, sagte Qureshi. Dieser soll indischen Anhängern des Sikh-Glaubens den Besuch eines ihrer heiligsten Schreine im pakistanischen Kartarpur Sahib erleichtern. Eine Eröffnung ist für Herbst geplant.

Inmitten des zugespitzten Streits um die Himalaja-Region Kaschmir hatte Indien den Nachbarn Pakistan aufgerufen, die Ausweisung des indischen Botschafters zu überdenken. Die normalen Kanäle zur diplomatischen Kommunikation sollten erhalten blieben, teilte das Außenministerium in Neu-Delhi am Donnerstag mit.

Pakistan hatte zuvor angekündigt, den indischen Botschafter aus Islamabad auszuweisen. Zudem soll Pakistans neu ernannter Botschafter für Indien nicht nach Neu-Delhi entsandt werden. Auch der Handel mit dem Erzrivalen soll ausgesetzt werden.

Außerdem will Pakistan die Eisenbahnverbindung zu seinem Nachbarland kappen. „Wir haben beschlossen, den Samjhauta Express einzustellen“, sagte der pakistanische Bahnminister Sheikh Rasheed am Donnerstag in Islamabad. „Solange ich Bahnminister bin, kann der Samjhauta Express nicht fahren“, sagte Rasheed. Die nicht nur verkehrstechnisch wichtige, sondern auch symbolische Strecke verbindet die ostpakistanische Metropole Lahore und die indische Hauptstadt Neu-Delhi. Der „Freundschaftsexpress“ hatte erst im März wieder den Betrieb aufgenommen. Er war für kurze Zeit ausgesetzt worden, nachdem Indien nach eigenen Angaben ein Terroristenlager in Pakistan aus der Luft angegriffen hatte.

Indien und Pakistan, die beide über Atomwaffen verfügen, streiten seit Jahrzehnten um die vollständige Kontrolle über die Himalaja-Region Kaschmir. Seit ihrer Unabhängigkeit von Großbritannien im Jahr 1947 haben sie bereits drei Mal Krieg gegeneinander geführt. Vor einigen Monaten hatte Indien erstmals seit dem Krieg 1971 Angriffe auf pakistanisches Gebiet geflogen.

Bislang hatte der indische Bundesstaat Jammu und Kaschmir, zu dem auch die Provinz Jammu gehört, das Recht, eigene Gesetze zu beschließen. Diese in der Verfassung festgeschriebene Bestimmung wurde nun aufgehoben. Nach Darstellung Indiens wurde durch den Sonderstatus die Entwicklung Kaschmirs behindert.

Die Region, in der mehrheitlich Muslime leben, soll nun in das überwiegend hinduistische Land integriert werden. Pakistan, das muslimisch geprägt ist, wertet diesen Vorstoß als illegal. Auch China, das ebenfalls einen Teil von Kaschmir beansprucht, hat dagegen protestiert.

Infolge der Aberkennung der Autonomierechte für die Region sind in dem Gebiet Aktivisten zufolge Hunderte Lokalpolitiker, Separatistenführer und deren Helfer festgesetzt worden. Inzwischen würden mindestens 400 Menschen in Hotels, Gästehäusern, Regierungsgebäuden und Privathäusern festgehalten, schrieb das Nachrichtenportal „India Today“ am Donnerstag unter Berufung auf Aktivisten. Die Polizei bestätigte der Deutschen Presse-Agentur, dass politische Führer unter Hausarrest genommen worden seien, zu der Anzahl gab es keine Angaben.

Seit Sonntag sind in der Region Mobilfunknetze, Fernsehen und Internet unterbrochen. Öffentliche Versammlungen wurden untersagt. In der größten Stadt Srinagar wurden Tausende Angehörige der paramilitärischen Polizei konzentriert. Dort sind die Schulen geschlossen, Straßen und Viertel wurden abgeriegelt. Aus Polizeikreisen verlautete, es habe bereits einige Protestkundgebungen gegeben.

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