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07.08.2022

02:24

Nahost-Konflikt

Gewalt zwischen Israel und Gruppe Islamischer Dschihad eskaliert

Es ist die größte Eskalation im Nahostkonflikt seit mehr als einem Jahr. Israels Armee fliegt Luftangriffe auf Gaza. Militante Palästinenser reagieren mit Raketen.

Das israelische Militär hatte am Freitag die Militäraktion „Morgengrauen“ mit mehreren Luftangriffen auf den Gazastreifen gestartet. dpa

Gaza-Stadt

Das israelische Militär hatte am Freitag die Militäraktion „Morgengrauen“ mit mehreren Luftangriffen auf den Gazastreifen gestartet.

Tel Aviv Mit israelischen Luftangriffen auf Ziele im Gazastreifen und Raketenangriffen von dort auf israelische Städte haben beide Seiten ihre schwerste Auseinandersetzung seit mehr als einem Jahr am Samstag fortgesetzt. Die israelische Luftwaffe griff nach eigenen Angaben Waffenlager an, die von militanten Palästinensern in Wohngebieten angelegt worden seien. Die Gruppe Islamischer Dschihad feuerte ihrerseits hunderte Raketen auf israelisches Gebiet.

Das israelische Militär hatte am Freitag nach Drohungen über Angriffe auf israelische Zivilisten die Militäraktion „Morgengrauen“ mit mehreren Luftangriffen auf den Gazastreifen gestartet. Ziel der Angriffe war die Organisation Islamischer Dschihad (PIJ), die nach der Hamas die zweitstärkste militärische Kraft in Gaza ist.

Dabei wurden Militärchef Taisir al-Dschabari und weitere PIJ-Mitglieder getötet. Die eng mit Israels Erzfeind Iran verbundene Gruppe wird von der EU und den USA als Terrororganisation eingestuft. Al-Dschabari war dem Militär zufolge verantwortlich für Raketenangriffe aus dem Küstenstreifen und geplante Angriffe auf Zivilisten.

In der Nacht zum Sonntag dann ein weiterer Schlag: „Die hochrangige Führung des militärischen Flügels des Islamischen Dschihads in Gaza wurde neutralisiert“, teilte der Leiter der Operationsabteilung, Generalmajor Oded Basiok mit - ohne näher zu erläutern, was neutralisieren genau bedeutet. Eine Bestätigung der militanten Palästinenserorgansitaion lag zunächst nicht vor.

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    Es sei nach palästinensischen Angaben unklar, ob der südliche Kommandeur des Islamischen Dschihads, Chalid Mansur, bei dem Angriff in der Stadt Rafah ums Leben kam, hieß es. Rettungskräfte suchten demnach in der Nacht auf Sonntag in den Trümmern nach Überlebenden.

    Ägypten will nun schlichten. Eine Delegation sei bereit, zur Vermittlung nach Israel und Gaza zu reisen, wie die Deutsche Presse-Agentur aus Sicherheitskreisen in Kairo erfuhr. Ziel sei, eine Ausweitung des Konflikts wie im vergangenen Jahr zu verhindern.

    Die israelischen Luftangriffe sollen am Montag zudem den UN-Sicherheitsrat in New York beschäftigen. Aus Diplomatenkreisen verlautete am Samstag, dass ein Treffen des mächtigsten Gremiums der Vereinten Nationen von den Vereinigten Arabischen Emiraten, Irland, Frankreich, Norwegen und China angefragt worden sei. Eine Uhrzeit stand zunächst noch nicht fest. Das Treffen soll hinter verschlossenen Türen stattfinden.

    Die Zahl der Toten ist nach palästinensischen Angaben am Samstag weiter gestiegen. Mindestens 24 Menschen seien seit Freitag getötet und 203 verletzt worden, teilte das palästinensische Gesundheitsministerium am Samstagabend mit. Unter den Toten seien demnach sechs Kinder und zwei Frauen.

    Nach Angaben aus palästinensischen Sicherheitskreisen wurden bei den Angriffen am Samstag drei Wohnhäuser getroffen. Ein fünfstöckiges Wohnhaus westlich von Gaza-Stadt sei demnach zerstört worden. Anwohner berichteten, dass israelische Drohnen zuvor eine Warnrakete auf das Gebäude abfeuerten, bevor Kampfjets das Gebäude angriffen.

    In Gaza wurde die Stromversorgung reduziert

    In mehreren Städten Israels waren am Samstag Warnsirenen zu hören. Mehr als 300 Raketen sollen einem Vertreter des Militärs zufolge seit Freitagabend auf Israel abgefeuert worden sein. Sie gingen demnach auf offenem Gelände nieder oder wurden vom Raketenabwehrsystem Iron Dome abgefangen. Teilweise landeten sie noch im Gazastreifen.

    Mehr als 300 Raketen gingen seit Freitagabend auf offenem Gelände nieder oder wurden vom Raketenabwehrsystem Iron Dome abgefangen. AP

    Raketen-Abwehrsystem

    Mehr als 300 Raketen gingen seit Freitagabend auf offenem Gelände nieder oder wurden vom Raketenabwehrsystem Iron Dome abgefangen.

    Mehrere Städte, darunter auch die Küstenstadt Tel Aviv, öffneten aus Sorge vor weiteren Attacken öffentliche Luftschutzräume. Im Süden verbrachten dort zahlreiche Menschen die Nacht. Ein Testspiel zwischen Juventus Turin und Atlético Madrid in Tel Aviv wurde wegen Sicherheitsbedenken abgesagt. Auch im Großraum Tel Avivs wurden die Menschen am Samstag vor Raketen gewarnt.

    In Gaza wurde unterdessen aus Treibstoffmangel das einzige Kraftwerk abgeschaltet. Die Stromversorgung in dem Küstengebiet mit mehr als 2 Millionen Einwohnern wurde laut Stromgesellschaft von zwölf auf vier Stunden reduziert. Israel hatte am Montag die Einfuhr von Treibstoff in das Gebiet gestoppt und dies mit der Angst vor Angriffen nach der Festnahme eines Anführers des Islamischen Dschihads im Westjordanland, Bassem Saadi begründet.

    Israel hatte nach Saadis Festnahme über mehrere Tage hinweg Gebiete am Rande des Gazastreifens abgesperrt und die Alarmbereitschaft erhöht. Vor den israelischen Luftangriffen am Freitag soll es Berichten zufolge konkrete Pläne eines Angriffs auf israelische Zivilisten gegeben haben.

    Ende des Konflikt nicht in Sicht

    Die Palästinenserorganisation Islamischer Dschihad schien einem Bericht zufolge am Samstag vorerst nicht bereit zu einer Waffenruhe zu sein. „Unsere höchste Priorität ist jetzt, uns gegen die Besatzung zu wehren, der Aggression entgegenzutreten und auf diesen Terror und diese Attacken auf unser Volk zu antworten“, sagte der Sprecher der Organisation, Dawud Schihab, dem Fernsehsender Al-Majadin zufolge. Experten zufolge ist nun entscheidend, wie die Hamas auf die Angriffe reagiere.

    Israels Verteidigungsminister Benny Gantz sagte am Samstag: „Unsere operativen Aktivitäten gegen die Urheber des Terrorismus werden fortgesetzt und intensiviert“. Das Militär teilte zuvor mit, sich auf eine einwöchige operative Tätigkeit einzustellen. Am Samstagabend war eine Sitzung des Sicherheitskabinett einberufen worden.

    Die EU verfolge die Ereignisse mit großer Sorge und rufe alle Seiten zu größter Zurückhaltung auf, teilte ein EU-Sprecher mit. „Israel hat zwar das Recht, seine Zivilbevölkerung zu schützen, doch muss alles getan werden, um eine Ausweitung des Konflikts zu verhindern.“

    Militante Palästinenser feuerten ihrerseits hunderte Raketen auf israelisches Gebiet. AP

    Raketenabschuss aus Gaza-Stadt

    Militante Palästinenser feuerten ihrerseits hunderte Raketen auf israelisches Gebiet.

    Israels Streitkräfte hatten sich bereits im vergangenen Jahr einen elftägigen Konflikt mit militanten Palästinensern im Gazastreifen geliefert. Nach palästinensischen Angaben starben damals 255 Menschen, in Israel kamen nach israelischen Behördenangaben 13 Menschen ums Leben. Mehr als 4000 Raketen wurde nach israelischen Angaben aus dem Gazastreifen abgefeuert. Ägypten vermittelte schließlich eine Waffenruhe zwischen Israel und der Hamas.

    Während des Sechstagekrieges 1967 hatte Israel unter anderem das Westjordanland und den Gazastreifen erobert. Die Hamas hatte 2007 gewaltsam die Macht an sich gerissen. Israel verschärfte daraufhin eine Blockade des Gebiets, die von Ägypten mitgetragen wird. Beide Staaten begründen die Maßnahme mit Sicherheitsinteressen.

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