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27.06.2022

16:32

Neue Seidenstraße

So verläuft Chinas neue Handelsroute

Von: Anja Holtschneider

China will mit der Neuen Seidenstraße eine wichtige Handelsroute zwischen Asien, Europa und Afrika aufbauen. Doch wo soll sie verlaufen? Und wer profitiert wirklich davon?

Güterzug auf dem Weg von Chongqin in China nach Duisburg Imago

Zug im chinesischen Chongqing

Die Neue Seidenstraße soll den Schienenverkehr zwischen China und wichtigen westlichen Handelsplätzen wie Duisburg ausbauen.

In Duisburg geht es geschäftig zu. Rund 60 Züge kommen im Binnenhafen an oder fahren von dort pro Woche in die Welt. 2021 wickelte der wichtigste Binnenhafen Europas mehr als 2.800 Fahrten über die Neue Seidenstraße ab, teilte der Hafenbetreiber Duisport im April mit. Was in Duisburg schon passiert, soll auch in weiteren Teilen der Welt bald Realität sein: ein effizienter Handel mit China. Dafür investiert das Land eine Billion US-Dollar und finanziert zahlreiche neue Infrastrukturprojekte. Ein Überblick über Chinas neue Handelsroute: die Neue Seidenstraße.

Was ist die Neue Seidenstraße?

Das Megaprojekt ist Teil von Chinas Außenpolitik. Die Neue Seidenstraße soll die Wirtschaftsräume Asien, Europa und Afrika verbinden. Dadurch sollen sich chinesische Unternehmen Aufträge sichern und neue Märkte für chinesische Produkte erschließen.

Seit 2013 baut China deshalb ein Handels- und Infrastrukturnetzwerk auf. Dazu gehören unter anderem Straßen, Bahnstrecken, Häfen, Pipelines und Glasfaserleitungen. Mittlerweile beteiligen sich mehr als 100 Länder weltweit. Zu diesem Ergebnis kommt eine Auswertung der Fanhai International School of Finance der Fudan University in Shanghai. Das Land will rund eine Billion Dollar in das Projekt investieren.

Wie ist der Verlauf der Neuen Seidenstraße?

Die Neue Seidenstraße führt – größtenteils per Schiene – durch Zentralasien über Kasachstan und Russland nach Europa. Enden soll sie an wichtigen Handelsplätzen wie beispielsweise Hamburg, Duisburg und Rotterdam. Eine südlichere Route soll über den Iran und die Türkei nach Europa führen.

Grafik

Neben dem Schienenverkehr plant China auch eine eigene Route für Schiffe. Diese soll entlang wichtiger Häfen wie Singapur, Kalkutta in Indien, Mombasa in Kenia und Piräus in Griechenland laufen.

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Wer profitiert von der Neuen Seidenstraße?

China Ziel ist es vor allem, seine wirtschaftliche Position zu verbessern und neue Absatzmärkte zu schaffen. Durch die Neue Seidenstraße erschließt China nicht nur weitere Handelswege, sondern knüpft auch zusätzliche Handelsbeziehungen und intensiviert bereits bestehende. Zudem sind viele chinesische Unternehmen an den einzelnen Infrastrukturprojekten beteiligt.

Auch für Partnerländer kann sich das Megaprojekt auszahlen. Sie profitieren von modernerer Infrastruktur, neu geschaffenen Arbeitsplätzen und neuen Wirtschaftsbeziehungen, zeigt eine Studie des Ifo-Instituts. Nicht-chinesische Unternehmen haben es allerdings schwer, sich am Bau der Neuen Seidenstraße zu beteiligen. Laut einer Studie des Thinktanks Mercator Institute for China Studies gingen rund 90 Prozent der bisherigen Logistikaufträge an chinesische Unternehmen.

Welche Kritik gibt es an der Neuen Seidenstraße?

Kritiker fürchten eine zu große Abhängigkeit von China. Denn das Land bietet den Partnerländern ein Komplettpaket an. Von der Finanzierung bis hin zu den Arbeitern stellen die Chinesen im Zweifel alles für den Ausbau der Neuen Seidenstraße. Vor allem bei der Kreditvergabe an Entwicklungsländer ist China zum größten öffentlichen Geldgeber weltweit geworden. Durch diese Marktmacht können chinesische Staatsbanken besonders günstige Bedingungen durchsetzen und werden teilweise als bevorzugte Gläubiger bei Zahlungsausfall behandelt. Zu diesem Schluss kommt eine Studie unter Mitarbeit des Institut für Weltwirtschaft in Kiel (IfW) von 2021.

Wie verlief die Alte Seidenstraße?

Die Alte Seidenstraße galt in der Antike und im Mittelalter als eine der wichtigsten und ältesten Handelsrouten zwischen dem Westen und Osten. Sie bestand aus einem verzweigten Wegenetz, das China über Zentralasien mit dem Mittelmeerraum verband. Über die Route transportierten Händlerkarawanen teure Güter wie Edelsteine, Seide, Metalle, Glas und Gewürze. Der aufsteigende Seehandel ab 15. Jahrhundert löste die Seidenstraße als Handelsweg ab.

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