MenüZurück
Wird geladen.

23.09.2017

13:18 Uhr

Nordkorea-Konflikt

China deckelt Öl-Lieferungen für Pjöngjang

Im Nordkorea-Konflikt macht nun offenbar auch China ernst. Die Volksrepublik, die bisher mehr als Pjöngjangs Protegé agierte, drosselt die wichtigen Öl-Lieferungen an das Land und unterstützt die neuesten UN-Sanktionen.

Als Konsequenz aus den andauernden Raketen- und Atomtests Nordkoreas hat China eine Drosselung der Öl-Exporte nach Pjöngjang angekündigt. dpa

Sanktionen gegen Nordkorea

Als Konsequenz aus den andauernden Raketen- und Atomtests Nordkoreas hat China eine Drosselung der Öl-Exporte nach Pjöngjang angekündigt.

PekingChina hat eine Beschränkung von Öl-Lieferungen an Nordkorea angekündigt. Diese soll ab dem 1. Oktober für raffinierte Erdölprodukte gelten, teilte das chinesische Handelsministerium am Samstag mit. Zudem würde der Import von Textilien aus Nordkorea eingestellt. Die Volksrepublik setzt damit die härteren Sanktionen der Vereinten Nationen gegen Pjöngjang um. Da China keine Details zum Handel mit Nordkorea veröffentlicht, war zunächst nicht klar, wie groß die Reduzierung der Öl-Lieferungen ausfällt.

China war lange einer der wichtigsten Verbündeten und der größte Handelspartner Nordkoreas. Rund 90 Prozent von Nordkoreas Handel findet mit der Volksrepublik statt. Peking galt auch lange als politischer Beschützer der Regierung von Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un. China äußerte angesichts der anhaltenden Raketentests und Pjöngjangs Festhalten am Atomprogramm jedoch zunehmend Unzufriedenheit.

Erdbeben der Stärke 3,4: Erdstöße erschüttern Nordkorea

Erdbeben der Stärke 3,4

Erdstöße erschüttern Nordkorea

In Nordkorea hat die Erde gebebt. Hat Kim Jong-Un eine neue Atombombe gezündet? Südkoreanische Experten sagen „nein“. War es also ein natürliches Erdbeben? Es könnte auch ein dritter Grund in Frage kommen.

China unterstütze die jüngste Runde neuer UN-Sanktionen gegen Nordkorea - ist in der Umsetzung bisher jedoch aus Angst vor einem Zusammenbruch der Kim-Regierung selbst eher zurückhaltend gewesen. Die Volksrepublik argumentiert zudem, dass die Bewohner der Landes geschützt werden sollten.

Ungeachtet des schärferen UN-Sanktionskurses gegenüber Nordkorea ist der Handel des weitgehend isolierten Staates mit China weiter gewachsen. Im August sei das größte monatliche Volumen seit Dezember 2016 umgesetzt worden, teilte die chinesische Zollbehörde am Samstag mit. Die weltweit zweitgrößte Volkswirtschaft habe im vergangenen Monat Güter im Wert von 604 Millionen Dollar im- oder exportiert. Im Juli seien es lediglich 456 Millionen Dollar gewesen.

Die wichtigsten Akteure im Nordkorea-Konflikt (Sep 17)

Nordkorea

Der junge Machthaber Kim Jong Un sieht in der Entwicklung von Atomwaffen und Raketen eine Überlebensgarantie. Hatte sich sein 2011 gestorbener Vater und Vorgänger Kim Jong Il anfangs noch auf Verhandlungen eingelassen, lehnt Kim Jong Un dies ab. Der stark abgeschottete kommunistische Staat sieht sich von den USA und Südkorea bedroht. Mit dem äußeren Feind rechtfertigt Kim sein repressives System und erklärt Armut und Hunger im Land.

Südkorea

Das demokratische Südkorea schwankt zwischen Aussöhnung mit dem Norden und einer harten Linie. Da der Ballungsraum Seoul mit 25 Millionen Menschen nur 50 Kilometer von der Grenze in Reichweite der nordkoreanischen Artilleriebatterien liegt, wäre ein Krieg verheerend für Südkorea. Das Bündnis mit der Atom-Supermacht USA, die 28 500 Soldaten in Südkorea stationiert haben, soll Nordkorea abschrecken. Außerdem möchte Seoul seine eigenen Raketen perfektionieren. Gleichzeitig versucht der neue Präsident Moon Jae In, über Dialog mit dem Norden die Spannungen abzubauen.

USA

Nordkorea stellt die USA als Ursache allen Übels dar und droht der Weltmacht offen mit Atomangriffen. US-Präsident Donald Trump hat die Phase der „strategischen Geduld“ für beendet erklärt. Als erster US-Präsident drohte Trump ebenfalls offen Militärschläge an, was aber folgenlos blieb. Daneben bemühen sich die USA, Nordkorea politisch und wirtschaftlich unter Druck zu setzen und dafür stärker Nordkoreas Nachbarn China und Russland zu gewinnen. Pjöngjang soll der Zugang zu Devisen genommen werden. Washington macht auch Druck auf Länder, die Gastarbeiter aus Nordkorea beschäftigen.

China

China hatte im Koreakrieg (1950-53) an der Seite Nordkoreas gegen Südkorea und die USA gekämpft, aber die Waffenbruderschaft ist längst Vergangenheit. Nie war das Verhältnis zu Pjöngjang so schlecht wie heute. China versucht, Nordkorea und die USA zu Verhandlungen zu bewegen. Rund 90 Prozent des nordkoreanischen Handels fließen über China, das die Sanktionen mitträgt, aber den Schmuggel nicht völlig im Griff hat und auch einen Kollaps des Nachbarn fürchtet. Es wird befürchtet, dass wie bei einem Krieg Millionen Flüchtlinge über die Grenze strömen. Sollte ein Zusammenbruch Nordkoreas zur Wiedervereinigung mit Südkorea führen, könnten US-Truppen an Chinas Grenze stehen. Da bevorzugt China den Status quo.

Japan

Wie Südkorea ist Japan mit den USA militärisch verbündet und sieht Nordkorea als große Bedrohung. Mehrmals flogen nordkoreanische Raketen bei Tests bis in japanische Gewässer oder über Japan hinweg wie zuletzt vergangenen Dienstag eine Mittelstreckenrakete. Mit Raketenabwehrsystemen will sich Japan schützen. Zudem nimmt der rechtskonservative Ministerpräsident Shinzo Abe Nordkorea zum Anlass, um von der rein defensiven Militärdoktrin des Landes abzurücken.

Russland

Knapp 20 Kilometer gemeinsame Grenze machen Russland und Nordkorea zu Nachbarn, eine Bahnlinie verbindet beide Länder. Moskau verurteilt die nukleare Aufrüstung Pjöngjangs und trägt Sanktionen der UN mit. Doch die UN-Vetomacht lehnt jedwede gewaltsame Lösung des Konflikts ab und fordert Gespräche der USA mit Nordkorea. Moskau ist auch das US-Militär in Südkorea ein Dorn im Auge, das mit dem Ausbau seiner Raketenabwehr gegen Nordkorea auch die russische strategische Position schwächt. Auf die brutale Diktatur Nordkoreas wirkt Moskau nicht ein.

Angesichts der wiederholten Atom- und Raketentests des kommunistischen Landes haben die Vereinten Nationen ihre Sanktionen zuletzt immer wieder verschärft, unter anderem Anfang August. Damals wurde der Regierung in Pjöngjang die Ausfuhr von Kohle, Eisen, Blei und Fisch verboten, um die Exporteinnahmen von bisher drei Milliarden Dollar jährlich um ein Drittel zu kappen. China hatte erklärt, die Strafmaßnahmen ab Mitte August umzusetzen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×