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05.09.2017

10:50 Uhr

Nordkorea-Konflikt

Für Putin sind Sanktionen „nutzlos“

Die USA und Russland sind sich uneinig, wie mit Nordkorea umgegangen werden soll: Trump fordert noch härtere Sanktionen, Russland bremst. Die deutsche Kanzlerin will, dass sich die EU auf die Seite Trumps stellt.

Der russische Präsident fürchtet, dass härtere Sanktionen gegen Nordkorea lediglich das Leiden der Bevölkerung vergrößern, anstatt die Regierung in Pjöngjang zum Umdenken zu bewegen. dpa

Wladimir Putin

Der russische Präsident fürchtet, dass härtere Sanktionen gegen Nordkorea lediglich das Leiden der Bevölkerung vergrößern, anstatt die Regierung in Pjöngjang zum Umdenken zu bewegen.

Berlin/XiamenDie EU wird nach Angaben von Bundeskanzlerin Angela Merkel am Wochenende über neuen Sanktionen gegen Nordkorea beraten. „Das ist auch dringend notwendig“, sagte Merkel am Dienstag im Bundestag. Die USA und Südkorea unterstützten diese europäische Initiative, sagte Merkel nach Telefonaten mit dem amerikanischen Präsidenten Donald Trump und dem südkoreanischen Präsidenten Moon Jae. Am Wochenende ist ein EU-Außenministertreffen zu diesem Thema geplant.

Zugleich warnte Merkel vor einer militärischen Eskalation. „Hier kann es nur eine friedliche, diplomatische Lösung geben, für die wir allerdings mit allen Kräften eintreten müssen“, mahnte sie. Auch wenn Nordkorea weit von Europa entfernt sei, müsse sich die EU engagieren: „Europa hat eine wichtige Stimme in der Welt und muss diese Stimme nutzen in dieser Situation.“

Der russische Präsident Wladimir Putin zeigte sich dagegen skeptisch, dass Sanktionen etwas bewirken würden: Moskau sehe solche Maßnahmen als „nutzlos und unwirksam“ an, sagte er auf einer Pressekonferenz im chinesischen Xiamen. In Richtung Washington fügte er hinzu, es sei absurd, dass die USA erst mit einem einzigen Sanktionsgesetz gegen Russland und Nordkorea vorgingen und dann verlangten, dass der Kreml beim Verhängen von Sanktionen gegen Pjöngjang behilflich sei.

Die wichtigsten Akteure im Nordkorea-Konflikt (Sep 17)

Nordkorea

Der junge Machthaber Kim Jong Un sieht in der Entwicklung von Atomwaffen und Raketen eine Überlebensgarantie. Hatte sich sein 2011 gestorbener Vater und Vorgänger Kim Jong Il anfangs noch auf Verhandlungen eingelassen, lehnt Kim Jong Un dies ab. Der stark abgeschottete kommunistische Staat sieht sich von den USA und Südkorea bedroht. Mit dem äußeren Feind rechtfertigt Kim sein repressives System und erklärt Armut und Hunger im Land.

Südkorea

Das demokratische Südkorea schwankt zwischen Aussöhnung mit dem Norden und einer harten Linie. Da der Ballungsraum Seoul mit 25 Millionen Menschen nur 50 Kilometer von der Grenze in Reichweite der nordkoreanischen Artilleriebatterien liegt, wäre ein Krieg verheerend für Südkorea. Das Bündnis mit der Atom-Supermacht USA, die 28 500 Soldaten in Südkorea stationiert haben, soll Nordkorea abschrecken. Außerdem möchte Seoul seine eigenen Raketen perfektionieren. Gleichzeitig versucht der neue Präsident Moon Jae In, über Dialog mit dem Norden die Spannungen abzubauen.

USA

Nordkorea stellt die USA als Ursache allen Übels dar und droht der Weltmacht offen mit Atomangriffen. US-Präsident Donald Trump hat die Phase der „strategischen Geduld“ für beendet erklärt. Als erster US-Präsident drohte Trump ebenfalls offen Militärschläge an, was aber folgenlos blieb. Daneben bemühen sich die USA, Nordkorea politisch und wirtschaftlich unter Druck zu setzen und dafür stärker Nordkoreas Nachbarn China und Russland zu gewinnen. Pjöngjang soll der Zugang zu Devisen genommen werden. Washington macht auch Druck auf Länder, die Gastarbeiter aus Nordkorea beschäftigen.

China

China hatte im Koreakrieg (1950-53) an der Seite Nordkoreas gegen Südkorea und die USA gekämpft, aber die Waffenbruderschaft ist längst Vergangenheit. Nie war das Verhältnis zu Pjöngjang so schlecht wie heute. China versucht, Nordkorea und die USA zu Verhandlungen zu bewegen. Rund 90 Prozent des nordkoreanischen Handels fließen über China, das die Sanktionen mitträgt, aber den Schmuggel nicht völlig im Griff hat und auch einen Kollaps des Nachbarn fürchtet. Es wird befürchtet, dass wie bei einem Krieg Millionen Flüchtlinge über die Grenze strömen. Sollte ein Zusammenbruch Nordkoreas zur Wiedervereinigung mit Südkorea führen, könnten US-Truppen an Chinas Grenze stehen. Da bevorzugt China den Status quo.

Japan

Wie Südkorea ist Japan mit den USA militärisch verbündet und sieht Nordkorea als große Bedrohung. Mehrmals flogen nordkoreanische Raketen bei Tests bis in japanische Gewässer oder über Japan hinweg wie zuletzt vergangenen Dienstag eine Mittelstreckenrakete. Mit Raketenabwehrsystemen will sich Japan schützen. Zudem nimmt der rechtskonservative Ministerpräsident Shinzo Abe Nordkorea zum Anlass, um von der rein defensiven Militärdoktrin des Landes abzurücken.

Russland

Knapp 20 Kilometer gemeinsame Grenze machen Russland und Nordkorea zu Nachbarn, eine Bahnlinie verbindet beide Länder. Moskau verurteilt die nukleare Aufrüstung Pjöngjangs und trägt Sanktionen der UN mit. Doch die UN-Vetomacht lehnt jedwede gewaltsame Lösung des Konflikts ab und fordert Gespräche der USA mit Nordkorea. Moskau ist auch das US-Militär in Südkorea ein Dorn im Auge, das mit dem Ausbau seiner Raketenabwehr gegen Nordkorea auch die russische strategische Position schwächt. Auf die brutale Diktatur Nordkoreas wirkt Moskau nicht ein.

Gleichzeitig verurteilte Putin den nordkoreanischen Atomtest als Provokation und rief zu Gesprächen mit Pjöngjang auf. Er warnte vor „militärischer Hysterie“ und erklärte, dass es wichtig sei, dass niemandem mit Vernichtung gedroht werde. „Militärische Hysterie aufzupeitschen ergibt in dieser Situation absolut keinen Sinn“, sagte Putin. „Das ist eine Straße nach Nirgendwo.“

Am Montag hatte die US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen deutliche Worte gegen Nordkorea gefunden: Machthaber Kim Jong Un „bettelt um Krieg“, sagte Nikki Haley im UN-Sicherheitsrat. Die USA wollten niemals Krieg, auch jetzt nicht, aber die Geduld Amerikas sei nicht grenzenlos.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte sich danach in Telefonaten mit US-Präsident Donald Trump und mit Südkoreas Staatschef Moon Jae In für schärfere Strafmaßnahmen ausgesprochen. Die Regierung in Seoul erklärte, sie stelle sich auf weitere Raketentests des Nordens ein.

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dpa

Kommentare (16)

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Herr Clemens Keil

05.09.2017, 11:21 Uhr

Schulz und Gabriel machen den Schröder und von der Leyen macht die Merkel!
So wie Frau Merkel dem damaligen US-Präsidenten Bush beim Irak-Krieg zur Seite gesprungen - und dem damaligen Bundeskanzler Schröder in den Rücken gefallen - ist, so fühlt sich für mich von der Leyens aktuell geäußertes, anbiederndes Verständnis für Trump's Nord-Korea-Politik und seine Afghanistan-Politik an. Will sie uns auch in einen Krieg führen?
Mein Bauchgefühl läßt nichts Gutes erwarten. Auch wenn ich sehe, wie Frau Merkel den anderen schlimmen Autokraten, Erdogan, hofiert. Auch wenn ich sehe, wie sie und andere Unions-Granden die Tabubrüche Trump's "schüchtern" umschiffen. Da würde ich mich, wie damals bei Schröder, bei einem SPD-Kanzler besser aufgehoben fühlen! Mir machen Frau Merkel und Frau von der Leyen Angst!
Bisher hat Merkel vermieden, die Frage zu beantworten, ob sie mit Trump Deutschland in einen Krieg führen würde! Warum wohl?
Es sind Wahlkampfzeiten:
https://youtu.be/dOa-fcp74uU

Herr Paul Kersey

05.09.2017, 11:40 Uhr

Würde Kim nicht dauernd mit irgendwelchen Raketen- oder Atomtests auf sich aufmerksam machen, würde die Welt dieses bedeutungslose Land überhaupt nicht wahrnehmen. Und das ist das Problem von Kim, so wie von jedem Größenwahnisinnigen. Es ist die verzweifelte, kranke Sehnsucht nach Aufmerksamkeit. Kim bekommt diese Aufmerksamkeit eben nur durch militärische Provokation und ich bin tief und fest davon überzeugt, dass ihn das in seinem tiefsten Innern zu einem sehr glücklichen Menschen macht. Ein Ignorieren führt deshalb nicht zum Erfolg, denn Ignoranz wird nur noch stärkere Provokation nach sich ziehen. So wie ein Kind erst leise nach Mama ruft, dann immer lauter, bis es schreit und schließlich weint. Hat es die Aufmerksamkeit ist das künstliche Weinen wie weggeblasen. Kim gehört in die Klapsmühle. Aber es wird auf Krieg hinauslaufen. Wenn die Welt nicht zum Präventivschlag ausholt, dann wird Kim eben selbst die erste Rakete abfeuern. Meine Prognose!

Herr Hans Henseler

05.09.2017, 11:56 Uhr

Hat jemand gestern das Interview von Hr. Novak, ehemaliger Planungschef im
Kanzleramt, gesehen. Da kommt ein ganz anderes Bild: Nordkorea hat permanent
Angst, dass die Amerikaner mit Gewalt einen Regime-Change wie im Irak und in
Libyen planen. Um die nordkoreanische Wirtschaft zu sabotieren, veranstalten die
Amerikaner mit den Suedkoreaner 2x im Jahr grosse Manoever zur nordkoreanischen Erntezeit ab, um so Kraefte zu binden. Nordkorea versucht mit
dem Atomprogramm eine Ueberlebensversicherung zu schaffen, wie es der Iran
auch tat. Warum nicht mit Nordkorea verhandeln anstatt die Eskalation weiter
zu treiben und von Praeventivschlaegen zu reden? Denkt mal darueber nach,
liebe Foristen!

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