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05.09.2017

20:03 Uhr

Nordkorea-Konflikt

Pjöngjang droht mit weiteren „Geschenkpaketen“

Die Weltgemeinschaft ringt weiterhin um eine gemeinsame Antwort. Die USA, Südkorea und Deutschland wollen schärfere Sanktionen, Russland und China äußern Zweifel. Nordkorea droht derweil mit weiteren „Geschenkpaketen“.

Nordkoreas Diktator protzt mit Wasserstoffbombe

Südkorea übt Angriff auf Kim Jong-un

Nordkoreas Diktator protzt mit Wasserstoffbombe: Südkorea übt Angriff auf Kim Jong-un

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Seoul/BerlinIm Konflikt mit Nordkorea ringt die Weltgemeinschaft um eine gemeinsame Antwort auf die anhaltenden Drohungen aus Pjöngjang. Der nordkoreanische Botschafter bei den Vereinten Nationen (UN), Han Tae Song, sagte am Dienstag mit Blick auf den sechsten und bisher größten Nukleartest, sein Land werde den USA noch mehr solche „Geschenkpakete“ schicken. Doch trotz der Aussicht auf eine weitere Fortentwicklung des weltweit kritisierten Atom- und Raketenprogramms blieb in der internationalen Diplomatie vorerst unklar, wie Nordkorea zur Räson gebracht werden könnte: Während die USA, Südkorea und Deutschland für härtere Sanktionen plädierten, äußerten die UN-Vetomächte Russland und China Zweifel am Sinn solcher Maßnahmen.

Der nordkoreanische UN-Botschafter bezeichnete das aktuelle Vorgehen seines Landes bei einer Abrüstungskonferenz in Genf als Selbstverteidigung. Diese Strategie werde fortgesetzt, solange die „unverantwortlichen Provokationen und nutzlosen Versuche“ anhielten, Druck auf die Volksrepublik Korea auszuüben. Jahrelange Sanktionen haben das weitgehend isolierte Land unter kommunistischer Führung kaum davon abgehalten, seine Militärmacht auszubauen. Der Konflikt hat sich durch eine Reihe von Atom- und Raketentests verschärft. Nicht zuletzt weil Nordkorea mit seinen Geschossen immer mehr in die Reichweite von US-Territorium kommt, hat US-Präsident Donald Trump eine härtere Gangart gegenüber der Führung in Pjöngjang eingelegt und sich auch Militärschläge vorbehalten.

Seit Anfang der Woche dringen die USA im UN-Sicherheitsrat darauf, die Nordkorea-Sanktionen bis zum Äußersten zu verschärfen. Die US-Botschafterin bei den UN, Nikki Haley, räumte am Dienstag zwar ein, dass solche Strafmaßnahmen kaum das Verhalten Nordkoreas ändern würden. Allerdings könnten sie das Land um die finanziellen Mittel bringen, die es für sein Atom- und Raketenprogramm brauche. Diplomaten zufolge sind unter anderem Exportverbote für Nordkoreas Textilbranche im Gespräch sowie eine Unterbrechung von Öllieferungen an staatliche Stellen und das Militär. Haupthandelspartner Nordkoreas ist China.

Die wichtigsten Akteure im Nordkorea-Konflikt (Sep 17)

Nordkorea

Der junge Machthaber Kim Jong Un sieht in der Entwicklung von Atomwaffen und Raketen eine Überlebensgarantie. Hatte sich sein 2011 gestorbener Vater und Vorgänger Kim Jong Il anfangs noch auf Verhandlungen eingelassen, lehnt Kim Jong Un dies ab. Der stark abgeschottete kommunistische Staat sieht sich von den USA und Südkorea bedroht. Mit dem äußeren Feind rechtfertigt Kim sein repressives System und erklärt Armut und Hunger im Land.

Südkorea

Das demokratische Südkorea schwankt zwischen Aussöhnung mit dem Norden und einer harten Linie. Da der Ballungsraum Seoul mit 25 Millionen Menschen nur 50 Kilometer von der Grenze in Reichweite der nordkoreanischen Artilleriebatterien liegt, wäre ein Krieg verheerend für Südkorea. Das Bündnis mit der Atom-Supermacht USA, die 28 500 Soldaten in Südkorea stationiert haben, soll Nordkorea abschrecken. Außerdem möchte Seoul seine eigenen Raketen perfektionieren. Gleichzeitig versucht der neue Präsident Moon Jae In, über Dialog mit dem Norden die Spannungen abzubauen.

USA

Nordkorea stellt die USA als Ursache allen Übels dar und droht der Weltmacht offen mit Atomangriffen. US-Präsident Donald Trump hat die Phase der „strategischen Geduld“ für beendet erklärt. Als erster US-Präsident drohte Trump ebenfalls offen Militärschläge an, was aber folgenlos blieb. Daneben bemühen sich die USA, Nordkorea politisch und wirtschaftlich unter Druck zu setzen und dafür stärker Nordkoreas Nachbarn China und Russland zu gewinnen. Pjöngjang soll der Zugang zu Devisen genommen werden. Washington macht auch Druck auf Länder, die Gastarbeiter aus Nordkorea beschäftigen.

China

China hatte im Koreakrieg (1950-53) an der Seite Nordkoreas gegen Südkorea und die USA gekämpft, aber die Waffenbruderschaft ist längst Vergangenheit. Nie war das Verhältnis zu Pjöngjang so schlecht wie heute. China versucht, Nordkorea und die USA zu Verhandlungen zu bewegen. Rund 90 Prozent des nordkoreanischen Handels fließen über China, das die Sanktionen mitträgt, aber den Schmuggel nicht völlig im Griff hat und auch einen Kollaps des Nachbarn fürchtet. Es wird befürchtet, dass wie bei einem Krieg Millionen Flüchtlinge über die Grenze strömen. Sollte ein Zusammenbruch Nordkoreas zur Wiedervereinigung mit Südkorea führen, könnten US-Truppen an Chinas Grenze stehen. Da bevorzugt China den Status quo.

Japan

Wie Südkorea ist Japan mit den USA militärisch verbündet und sieht Nordkorea als große Bedrohung. Mehrmals flogen nordkoreanische Raketen bei Tests bis in japanische Gewässer oder über Japan hinweg wie zuletzt vergangenen Dienstag eine Mittelstreckenrakete. Mit Raketenabwehrsystemen will sich Japan schützen. Zudem nimmt der rechtskonservative Ministerpräsident Shinzo Abe Nordkorea zum Anlass, um von der rein defensiven Militärdoktrin des Landes abzurücken.

Russland

Knapp 20 Kilometer gemeinsame Grenze machen Russland und Nordkorea zu Nachbarn, eine Bahnlinie verbindet beide Länder. Moskau verurteilt die nukleare Aufrüstung Pjöngjangs und trägt Sanktionen der UN mit. Doch die UN-Vetomacht lehnt jedwede gewaltsame Lösung des Konflikts ab und fordert Gespräche der USA mit Nordkorea. Moskau ist auch das US-Militär in Südkorea ein Dorn im Auge, das mit dem Ausbau seiner Raketenabwehr gegen Nordkorea auch die russische strategische Position schwächt. Auf die brutale Diktatur Nordkoreas wirkt Moskau nicht ein.

Die Volksrepublik erklärte, in Strafmaßnahmen allein könne nicht die Lösung liegen. Zugleich forderte ein Sprecher des Pekinger Außenministeriums zu Besonnenheit auf. Es sei keine Option, den Konflikt mit Nordkorea militärisch zu lösen. Alle Beteiligten müssten dafür sorgen, dass die Lage nicht eskaliere.

Ähnlich äußerte sich auch der russische Präsident Wladimir Putin: „Eine Intensivierung der militärischen Hysterie führt zu nichts Gutem. Sie könnte in einer globalen Katastrophe münden.“ Schärfere Sanktionen bezeichnete der Präsident auf einem Treffen der fünf großen Schwellenländer in China als „sinnlos“. Sie hätten keinen Einfluss auf die Regierung von Kim Jong Un, könnten aber das Leiden der Bevölkerung deutlich vergrößern. Bundesaußenminister Sigmar Gabriel äußerte Verständnis für Putins Haltung, da das Land selbst von Sanktionen betroffen sei.

Laut Bundeskanzlerin Angela Merkel ist für das Wochenende ein EU-Außenministertreffen geplant, auf dem über eine Ausweitung der Druckmittel auf Handelsebene beraten werden soll. „Das ist auch dringend notwendig“, sagte Merkel, die sich zuvor in Telefonaten mit dem südkoreanischen Präsidenten Moon Jae In und dem japanischen Ministerpräsidenten Shinzo Abe für härtere Sanktionen ausgesprochen hatte. Die USA fordern darüber eine Abstimmung im UN-Sicherheitsrat am Montag. Dem Gremium gehören neben den ständigen Mitgliedern USA, Russland, China, Großbritannien und Frankreich zehn weitere Länder an. Frankreichs Verteidigungsministerin Florence Parly warnte: „Europa riskiert, zügiger als erwartet in Reichweite von Kim Jong Uns Raketen zu geraten.“

Wie Nordkorea die Welt provoziert

Kim Jong Un als Alleinherrscher

Seit Kim Jong Un, Sohn des langjährigen Alleinherrschers Kim Jong Il, Ende 2011 die Macht in Nordkorea übernommen hat, sorgt das abgeschottete Land immer wieder für internationale Spannungen. Das kommunistische Regime sieht sich von den USA und anderen Ländern bedroht.

April 2012

Nach internationaler Kritik an einem gescheiterten Raketentest fühlt sich Nordkorea nicht mehr an ein Abkommen mit den USA gebunden, das unter anderem den Verzicht auf Atomversuche vorsah.

Dezember 2012

Trotz internationaler Warnungen befördert das Regime einen Satelliten ins All. Die USA und Südkorea befürchten, dass damit eine Interkontinentalrakete getestet werden sollte, die einer Weltraumrakete ähnlich ist.

Februar/März 2013

Allen Warnungen zum Trotz unternimmt Pjöngjang einen weiteren unterirdischen Atomversuch. Der UN-Sicherheitsrat antwortet mit Sanktionen.

Mai 2015

Nordkoreas staatliche Medien berichten, das Land habe erstmals erfolgreich von einem U-Boot eine neuartige ballistische Rakete abgefeuert.

August 2015

Landminen an der innerkoreanischen Grenze verletzen zwei südkoreanische Soldaten. Nach einem Schusswechsel an der Grenze droht Pjöngjang mit einem Militärschlag. In zähen Krisengesprächen wenden Süd- und Nordkorea eine Eskalation ab.

Januar 2016

Nordkorea hat nach eigenen Angaben erstmals eine Wasserstoffbombe erfolgreich gezündet und löst damit weltweit Empörung aus. Atomexperten in Südkorea und anderen Ländern bestätigen einen Kernwaffentest, bezweifeln aber, dass eine Wasserstoffbombe detonierte.

Februar 2016

Das Regime in Pjöngjang schießt erneut einen Satelliten ins Weltall und brüskiert damit die Weltgemeinschaft.

März 2016

Der UN-Sicherheitsrat verhängt seine bislang schärfsten Sanktionen gegen Nordkorea. Der kommunistische Staat sorgt mit neuen Raketentests für Unruhe.

Februar 2017

Pjöngjang testet eine ballistische Rakete, die über Tausende Kilometer einen Atomsprengkopf transportieren könnte.

März 2017

Nordkorea feuert vier ballistische Raketen ab; drei davon seien erst in der 200-Seemeilen-Zone vor Japan ins Meer gestürzt, heißt es aus Tokio.

28. Juli 2017

Nordkorea testet erneut eine Interkontinentalrakete, die die USA erreichen könnte.

5. August 2017

Einstimmig verhängt der UN-Sicherheitsrat weitreichende Wirtschaftssanktionen gegen Nordkorea. Die Ausfuhr wichtiger Handelsgüter wird verboten. Hauptabnehmer war China.

9. August

Nordkoreas Militär heizt den Konflikt mit der Drohung an, die US-Pazifikinsel Guam mit Raketen anzugreifen. US-Präsident Donald Trump droht „Feuer, Zorn und Macht, wie die Welt es so noch nicht gesehen hat“ für den Fall an, dass die Provokationen andauern. Nach heftigen Wortgefechten zieht Kim Jong Il Tage später die Drohung zurück.

29. August 2017

Unbeeindruckt von allen Sanktionen feuert Nordkorea eine Rakete von großer Reichweite über Japan hinweg in Richtung offenes Meer ab.

3. September 2017

Nordkorea unternimmt seinen sechsten Atomwaffentest - nach Auswertungen in den Nachbarländern könnte es der bisher größte sein. Nach Angaben aus Pjöngjang wurde dabei eine Wasserstoffbombe eingesetzt.

Einem südkoreanischen Medienbericht zufolge verlegte Nordkorea offenbar jüngst eine Interkontinental-Rakete (ICBM) an die Westküste, wo sich Abschussrampen befinden. Beobachter rechnen damit, dass Nordkorea anlässlich des Jahrestages der Staatsgründung am 9. September weitere Maßnahmen vorbereitet. Im vergangenen Jahr testete das Land an dem Tag eine Atombombe.

Südkorea setzt darauf, dank der Aufhebung der Obergrenze für das Gewicht von Gefechtsköpfen auf südkoreanischen Raketen besser gegen die Bedrohung durch den Nachbarn gewappnet zu sein. Zwischen dem Norden und dem Süden gibt es keinen Friedensvertrag, da der Korea-Krieg 1953 nur mit einem Waffenstillstand endete. Nord- und Südkorea haben Tausende Raketen aufeinander gerichtet.

Von

rtr

Kommentare (11)

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Herr Tomas Maidan

05.09.2017, 17:17 Uhr

Aufrüstung, Aufrüstung, Aufrüstung. Deutschland soll auch aufrüsten, sagt Trump. Kann der nicht mal eine andere Platte auflegen?

Herr Peter Spiegel

05.09.2017, 17:37 Uhr

Ein weiters Geschäft für US-Firmen, Herr Trump liefert traumhafte Ergebnisse.
Währen sich die EU um kriminelle Okkupanten kümmert, räumen die Amis ab.

Herr Tomas Maidan

05.09.2017, 17:43 Uhr

Trump ist der kapitalistische Kriegstreiber in Reinform. Und Putin, der Esel, hat ihn auch noch an die Macht gebracht!

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