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28.11.2021

18:08

Omikron-Mutante

Südafrika wird isoliert – Weite Teile des Tourismus womöglich unrettbar verloren

Von: Wolfgang Drechsler

PremiumForscher in Südafrika haben die Omikron-Variante entdeckt und schnell davor gewarnt. Das Land muss das damit verbundene Stigma nun teuer bezahlen.

Eine Reisende versucht verzweifelt, noch einen Flug in Richtung Heimat zu bekommen. Reuters

Flughafen in Johannesburg

Eine Reisende versucht verzweifelt, noch einen Flug in Richtung Heimat zu bekommen.

Kapstadt Für Südafrika ist es ein Déjà-vu der besonderen Art. Erst vor einem Jahr hatten Forscher am Kap ebenfalls eine vermeintlich hochgefährliche Coronamutante entdeckt, die später Beta genannt wurde. Wie jetzt wurde Südafrika damals kurz vor seiner lukrativen Sommersaison von Weihnachten bis Ostern vom internationalen Flugverkehr weitgehend abgeschnitten – mit verheerenden Folgen für den Tourismus und seine Wirtschaft.

Zwar wurde Beta von der viel gefährlicheren Delta-Variante in Indien abgelöst, doch der Schaden war getan: Erst zur Jahresmitte wurde Südafrika von der Virusvariantenliste der Bundesregierung gestrichen, was Reisen ans Kap extrem schwierig gestaltet hatte.

Nachdem nun südafrikanische Experten die Omikron-Variante entdeckt haben, ist Südafrika abermals als Virusvariantengebiet klassifiziert und international auf den Index gesetzt worden. Viele Regierungen haben Südafrika und den südlichen Kontinent quasi über Nacht isoliert. Wieder ist die Sommersaison am Kap verloren – und weite Teile seines Tourismus nun womöglich unrettbar verloren.

Dabei sind bislang erst vergleichsweise wenige Fälle der neuen Mutation bekannt. Dies liegt auch daran, dass die Zahlen am Kap bis vor zwei Wochen extrem niedrig waren. Allerdings gibt es nun recht eindeutige Hinweise auf eine stärkere Zunahme der Infektionen im Großraum Johannesburg/Pretoria (Provinz Gauteng), dem Wirtschaftszentrum des Landes. Jedoch ist noch nicht sicher, ob diese mehrheitlich in Zusammenhang mit der neuen Mutante stehen oder nur eine neue Coronawelle am Kap einläuten.

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    Am Freitag waren in Gauteng fast 2200 Fälle registriert worden – bei landesweit insgesamt weniger als 3000 Fällen. Als Folge der weltweiten Panik hatte auch die Johannesburger Börse am Freitag an Boden verloren – mit 2,75 Prozent allerdings weniger als der Dax. Auch die südafrikanische Währung Rand verbuchte mit 2,8 Prozent im Minus zwar größere Verluste, doch hatte sie in den letzten 15 Monaten auch um fast 20 Prozent zum Euro gewonnen und galt unter Experten als überbewertet.

    Bisher keine schweren Erkrankungen

    In Südafrika reagierten Regierung und Wirtschaft entsetzt auf die plötzliche und derart weitgehende Abschottung ihres Landes und acht weiterer Nachbarstaaten. Viele Südafrikaner sind vor allem darüber erbost, dass ihr Land für seine außergewöhnliche Fähigkeit und Offenheit bestraft wird, neue Virusvarianten schnell aufzuspüren und weiterzumelden.

    Einer dieser Experten ist Professor Tulio de Oliveira, Chef des südafrikanischen Genomforschungsinstituts Krisp, der letzte Woche auf Twitter als Erster vor der neuen Variante gewarnt hatte, ohne Rücksprache mit der WHO. Innerhalb weniger Minuten gerieten die Börsenkurse daraufhin weltweit in Bewegung – und Südafrika in den Fokus der Welt. De Oliveira wird jetzt von einigen vorgeworfen, Südafrikas Feriensaison fast im Alleingang ruiniert zu haben. Man solle dem Mann sein Handy wegnehmen, spöttelte etwa der bekannte Kommentator Peter Bruce in der Johannesburger „Sunday Times“.

    Weltgesundheitsorganisation

    WHO: Omikron stellt sehr hohes globales Risiko dar

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    Zu einer leichten Beruhigung der Lage hatte zuletzt die Nachricht beigetragen, dass alle bislang mit der neuen Coronavirus-Variante infizierten Menschen in Südafrika nicht schwer erkrankt seien. Die Vorsitzende des südafrikanischen Ärzteverbands, Angélique Coetzee, erklärte der BBC, dass die bisher in ihrem Land festgestellten Fälle nicht schwerwiegend seien. Überhaupt befinden sich die Untersuchungen der neuen Variante noch in einem sehr frühen Stadium.

    Wolfgang Preiser, ein deutscher Virologe an der Universität Stellenbosch, wies darauf hin, dass am Kap aktuell der klinische Verlauf und die Effektivität von Antikörpern gegen das Virus erforscht werden. Nach Expertenangaben dürfte es drei bis vier Wochen dauern, bis Wissenschaftler die Auswirkungen der neuen Variante ausreichend gut verstehen könnten.

    Bei aller Empörung über die Isolation des Landes wird Omikron auch in Südafrika ausgesprochen ernst genommen. Schon am Samstag hatte Präsident Cyril Ramaphosa ein Treffen seines „National Coronavirus Command Council“ einberufen, um die Entwicklung der Mutante zu bewerten und womöglich den Lockdown-Level zu erhöhen, der derzeit auf seiner niedrigsten Stufe ist. In Südafrika selbst sind derzeit nur rund 24 Prozent der Menschen vollständig geimpft. Etwa 35 Prozent haben eine Erstimpfung.

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