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01.09.2019

17:21

Polnischer Staatschef

Andrzej Duda fordert Wiedergutmachung für den Zweiten Weltkrieg

Von: Mathias Brüggmann

Mit Bundespräsident Steinmeier gedachte Polens Staatschef dem Beginn des Zweiten Weltkriegs. Nebenbei kündigte er Reparationsforderungen an.

Die Staatschefs gedenken gemeinsam an den Überfall auf Polen durch die Nationalsozialisten. AFP

Andrzey Duda und Frank-Walter Steinmeier

Die Staatschefs gedenken gemeinsam an den Überfall auf Polen durch die Nationalsozialisten.

Manche Arbeitstage sind hart für Präsidenten. Schon um 4.20 Uhr am Sonntag empfing das polnische Staatsoberhaupt Andrzej Duda am Sonntag Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier im polnischen Wielun. Dort, wo am 1. September 1939 um 4.37 Uhr, rund 20 Kilometer von der damaligen deutschen Grenze entfernt, Hitlers Wehrmacht mit den berüchtigten Stukas die polnische Kleinstadt bombardierte und den Zweiten Weltkrieg begann. Es folgte in der Hauptstadt Warschau ein Staatsakt zum Kriegsbeginn vor 80 Jahren mit weiteren ranghohen Repräsentanten aus 40 Staaten.

Kein typischer Arbeitstag für Duda. Aber in Polen gehört das Gedenken zum Kriegsbeginn politisch zu den bedeutendsten Teilen der Erinnerungskultur. Das polnisch-deutsche Verhältnis wird gerade vor Wahlen – wie am 13. Oktober zum Sejm – immer wieder thematisiert. Und spielt so auch für den 47-jährigen, aus Krakau stammenden, mit einer Deutschlehrerin verheirateten Politiker eine wichtige Rolle. So dankte Duda Steinmeier, dass der sich mit seiner Bitte um Vergebung für deutsche Menschheitsverbrechen in Polen „der schwierigen Wahrheit“ stelle. Das sei „eine Form der moralischen Wiedergutmachung“.

Tags zuvor hatte er Polens Forderungen nach deutschen Reparationszahlungen bekräftigt: Sie seien „eine Frage von Verantwortung und Moral“, sagte Duda. Der Zweite Weltkrieg habe in Polen „gewaltige Schäden verursacht“. Das polnische Parlament werde dafür „eine Rechnung vorlegen“.

2017 war im Sejm eine Kommission zu dem Thema eingesetzt worden, die in Kürze ihren Abschlussbericht vorlegt. Darin geht es laut polnischen Medienberichten um Forderungen in Höhe von 800 Milliarden Euro.

Deutschland hält diese Forderungen für unbegründet: 1953 habe die kommunistische Volksrepublik Polen auf weitere Reparationen verzichtet und der im Zuge der Wiedervereinigung Deutschlands 1991 geschlossene deutsch-polnische Nachbarschaftsvertrag ebenfalls.

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Kommentare (2)

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Herr Hans Schönenberg

02.09.2019, 09:35 Uhr

Das Thema der Wiedergutmachung sollte strikt abgelehnt werden. Das ist auf polnischer Seite ein Ablenken von eigenen Problemen. Die Gefahr die besteht, ist, dass evtl. wieder mit einem Aufrechnen von gegenseitigen Schäden begonnen wird. Deutschland hat das Abtreten der ehemaligen Ostgebiete an Polen verbindlich anerkannt. Bei den Vertreibungen der Ostdeutschen wurde damals auf polnischer Seite nicht zimperlich agiert. Ich hatte vor wenigen Tagen die Gelegenheit, Südpolen zwischen Görlitz und Wrozlaw zu bereisen. Dort hat sich sehr bezüglich Industrie/Infrastruktur etc. getan; dies wurde erreicht mit Investitionen u.a. deutscherkonzerne, EU-Mitteln usw. Bei Gesprächen mit jungen Polen ergab sich, dass für diese der zweite Weltkrieg nicht mehr wirklich präsent ist. Dabei sollte man es auch belassen.

Herr Heiner Krause

02.09.2019, 16:35 Uhr

Die ewigen Entschuldigungen unserer Herren Politiker laden die Polen ja geradezu ein
Forderungen gegen Deutschland zu stellen. Es wäre auch eine Entschuldigung der Polen fällig. Bei der Vertreibung aus den Ostgebieten wurden wir kleinen Kinder mit Steinen beworfen ( Narben heute noch vorhanden) und uneren Müttern ging es nicht besser.
Vielleicht sollte Herr Steinmeier & Co. das auch einmal bedenken.

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