Handelsblatt App
Jetzt 4 Wochen für 1 € Alle Inhalte in einer App
Anzeigen Öffnen
MenüZurück
Wird geladen.

18.04.2019

17:11

Portugal

29 Tote bei Busunglück auf Madeira – Bundesregierung prüft Einsatz von Luftwaffe-Airbus

Unter den Toten von Madeira befinden sich wahrscheinlich 27 deutsche Staatsbürger. Außenminister Maas will noch am Donnerstag auf die Insel fliegen.

Busunfall auf Madeira

Mindestens 29 Tote nach Busunglück auf Madeira – auch Deutsche unter den Opfern

Busunfall auf Madeira: Mindestens 29 Tote nach Busunglück auf Madeira – auch Deutsche unter den Opfern

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

Funchal, Berlin Die Bundesregierung prüft den Einsatz eines Rettungsflugzeugs der Luftwaffe zur schnellen Hilfe für die bei einem Busunglück auf Madeira verletzten Deutschen. Der Einsatz eines „MedEvac“-Airbus werde sich noch heute entscheiden, sagte Kanzleramtsminister Helge Braun am Donnerstag in Berlin zu dem Busunglück auf Madeira mit vielen deutschen Opfern. „Wir haben den bereits in Bereitschaft gestellt, und wenn es sinnvoll ist und möglich ist, Verletzte mit ihm hierher zu transportieren, dann werden wir ihn zum Einsatz bringen“, sagte Braun vor Journalisten.

Der Airbus A310 MedEvac ist die fliegende Intensivstation der Bundeswehr. Die Luftwaffe bezeichnet die Maschine als „wichtiges Glied in der Rettungskette zur medizinischen Evakuierung schwer und schwerst verletzter Personen über große Distanzen“. An Bord sind bis zu sechs Plätze für intensivmedizinische Behandlung. Zudem gibt es 38 weitere Liegeplätze, wobei für 16 Patienten eine verstärkte medizinische Überwachung mit Monitoren möglich ist. Damit können 44 Patienten liegend transportiert werden.

Bei dem Busunglück auf der portugiesischen Atlantikinsel Madeira sind nach offiziellen Angaben 29 Menschen ums Leben gekommen. Unter den Opfern sind nach Informationen der Deutschen Presse Agentur 27 deutsche Urlauber. Die nordrhein-westfälische Landesregierung von Ministerpräsident Armin Laschet vermutet viele Betroffene aus dem Bundesland. „Wir müssen davon ausgehen, dass bei diesem schweren Unglück auch Menschen aus Nordrhein-Westfalen zu Schaden gekommen sind“, teilte Ministerpräsident Laschet (CDU) am Donnerstag mit.

Der Reisebus war am Mittwoch in der Gemeinde Caniço in einer Kurve von der Fahrbahn abgekommen und eine Böschung hinunter auf ein Wohnhaus gestürzt. Auf Bildern war zu sehen, wie der zerstörte Reisebus auf der Seite und teilweise auf einem roten Ziegeldach liegt.

Medienberichten zufolge soll der Bus erst sechs Jahre alt gewesen sein. Beim Fahrer soll es sich um einen 55-Jährigen mit viel Berufserfahrung handeln. Er habe einen von insgesamt drei Bussen gefahren, die die Urlauber vom Hotel „Quinta Splendida“ in der Gemeinde Caniço zu einem Abendessen in der Hauptstadt Funchal bringen sollten.

Die Staatsanwaltschaft leitete eine Untersuchung ein. Der Inhaber des Unglücksfahrzeugs sagte den Ermittlungsbehörden seine uneingeschränkte Kooperation zu. „Es ist unser Wille und unser Bestreben, dass alle Fakten, Gründe und Verantwortlichkeiten des Unfalls ermittelt werden“, zitierte die Nachrichtenagentur Lusa am Donnerstag aus einer Mitteilung des Verkehrsunternehmens SAM.

Überlebende des schweren Busunglücks von Madeira haben ein Bremsversagen als wahrscheinliche Unfallursache bezeichnet. „Ich kann mir keine andere Ursache vorstellen. Der Bus fuhr von der Quinta Splendida los, nach einige Sekunden wurde er immer schneller. Er schlug gegen die Mauer, wir glaubten sofort, dass er außer Kontrolle geraten war. Er wurde immer schneller, und dann überschlug er sich“, erzählte ein leicht verletzter Mann nach einem Bericht der Online-Zeitung „Observador“.

Der Mann hatte sich demzufolge bei dem Unfall eine Rippe gebrochen, seine Frau wurde am Nacken leicht verletzt. Alter und Herkunft des Ehepaars nannte „Observador“ nicht. Die Frau erzählte, dass ein Tipp auf dem Hinflug wohl dafür gesorgt habe, dass sie glimpflich davon kamen. „Im Flugzeug erklärten sie uns, was zu tun war. Wir kauerten uns zusammen wie die Babys. Und das war unser Glück“, sagte sie.

Außenminister Heiko Maas (SPD) reist noch am Donnerstag auf die portugiesische Insel. Er werde von Ärzten, Psychologen und Konsularbeamten des Auswärtigen Amts begleitet, sagte Maas am Donnerstag kurz vor dem Abflug. Er wolle auf Madeira selbst mit Betroffenen sprechen und den portugiesischen Hilfskräften für ihren Einsatz danken.

„Noch haben wir keine Gewissheit, wie viele Deutsche unter den Opfern sind“, sagte Maas. Die Botschaft in Lissabon arbeite mit Hochdruck gemeinsam mit den lokalen Behörden an der Aufklärung, der Botschafter sei am Mittag mit einem Team auf Madeira gelandet.

Nach Unfall auf Madeira

29 Tote nach Busunglück auf Madeira – Bundesregierung trauert mit Angehörigen

Nach Unfall auf Madeira: 29 Tote nach Busunglück auf Madeira – Bundesregierung trauert mit Angehörigen

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zeigte sich in einer Mitteilung bestürzt. „Ich bin tief erschüttert über den tragischen Unfall auf Madeira, durch den so viele Menschen aus dem Leben gerissen wurden“, so Steinmeier. „In Gedanken bin ich bei den Familien und Freunden der Opfer, wie viele Menschen hier in Deutschland. Wir trauern und fühlen alle mit ihnen. Den Verletzten wünsche ich gute und baldige Genesung.“

Zugleich dankte der Bundespräsident den Rettungs- und Einsatzkräften auf Madeira. Sie hätten schnell am Unglücksort Hilfe geleistet, teilte Steinmeier am Donnerstag in Berlin mit. „Dem portugiesischen Präsidenten Sousa danke ich für seine Anteilnahme in diesen schweren Stunden.“ Portugals Präsident Marcelo Rebelo de Sousa drücke im Namen aller Portugiesen den Hinterbliebenen sein Beileid aus.

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) reagierte mit Entsetzen auf das Busunglück. „Mit Trauer und Bestürzung denke ich an unsere Landsleute und alle anderen Menschen, die von dem fürchterlichen Busunglück auf Madeira betroffen sind“, erklärte Merkel am Donnerstag. „Meine aufrichtige Anteilnahme gilt vor allem all den Familien, die in diesem Unglück ihre Liebsten verloren haben.“

Sie hoffe mit den Verletzten und ihren Angehörigen, die um sie bangten, dass sie die körperlichen wie seelischen Folgen überwinden könnten. „Ich danke allen auf Madeira, den Rettern, Sanitätern und Ärzten, die unter schwierigen Umständen an der Unglücksstelle im Einsatz waren“, schrieb Merkel weiter.

Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) drückte den Hinterbliebenen ebenfalls sein Mitgefühl aus. „Ich bin mit meinen Gedanken bei den Hinterbliebenen und den zahlreichen Verletzten, denen ich schnelle Genesung wünsche“, erklärte Schäuble am Donnerstag in Berlin. Bundesratspräsident Daniel Günther (CDU) äußerte sich ebenfalls: „Es ist furchtbar, dass ein unbeschwertes Urlaubserlebnis für viele Menschen ein so grausames Ende gefunden hat. Diese Tragödie berührt mich sehr.“

Die Regionalregierung ordnete nach dem Unfall eine dreitägige Trauerzeit für die Insel an. Diese gelte von Donnerstag bis Samstag, hieß es in einer Erklärung des Regierungsrats der Autonomen Region Madeira. Demnach werden die Flaggen an allen öffentlichen Gebäuden auf Madeira während der drei Tage auf halbmast gesetzt.

Handelsblatt Premium

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Hans Schönenberg

18.04.2019, 09:08 Uhr

Auch ich möchte keine Vorverurteilung machen; aber die Busfahrer dort fahren auf den schmalen, kurvigen Straßen einen "heißen" Stil. Ich selbst habe diese Ausflugstour vor ca. 10 Jahren teilgenommen. Die dortigen PKW-Fahrer fahren meistens wesentlich gelassener und werden von einigen Bussen fast geschoben. Da hat dann der kleinste Fehler oder plötzliche Hindernisse unter Umständen fatale Folgen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×