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20.10.2019

13:47

Protestbewegung

Schwere Ausschreitungen bei verbotener Demonstration in Hongkong

In Hongkong haben sich Tausende Menschen dem Demonstrationsverbot der Polizei widersetzt. Nach Wochen eskalierte wieder die Gewalt – auf beiden Seiten.

Ausschreitungen

Gewalt bestimmt in Hongkong wieder das Geschehen

Ausschreitungen: Gewalt bestimmt in Hongkong wieder das Geschehen

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Hongkong Nach zwei vergleichsweise ruhigen Wochen sind in Hongkong wieder schwere Unruhen ausgebrochen. Die Polizei ging am Sonntag mit Tränengas und Wasserwerfern gegen Demonstranten vor, die Brandsätze unter anderem auf eine Polizeiwache warfen. Entlang der Strecke einer nicht genehmigten Kundgebung wurden U-Bahn-Stationen sowie Hunderte Geschäfte verwüstet.

Schwarz gekleidete Demonstranten warfen Waren auf die Straßen und nahmen auch chinesische Banken ins Visier. An verschiedenen Stellen legten sie Brände. Die Polizei räumte mit schweren Fahrzeugen von Protestierenden errichtete Straßensperren.

Beobachtern zufolge setzte die Polizei Wasserwerfer so intensiv ein wie kaum zuvor bei den seit Monaten andauernden Protesten. Zudem deuteten Hustenanfälle von Menschen daraufhin, dass die Polizei dem Wasserstrahl Reizstoffe zugesetzt hatte. Die Polizei färbt zudem das Wasser blau, um Demonstranten später identifizieren zu können.

Die Polizei hatte die Demonstration mit der Begründung untersagt, die öffentliche Sicherheit werde gefährdet. Trotz des Verbots gingen Zehntausende Menschen auf die Straßen. Zuletzt war es vor gut zwei Wochen bei der Einführung eines Vermummungsverbots auf Grundlage von Gesetzen aus der Kolonialzeit zu schweren Ausschreitungen gekommen. Am Sonntag trugen viele Demonstranten Schirme, um sich vor Überwachungskameras zu verbergen.

Auf Transparenten war zu lesen „Befreit Hongkong“, an Wände wurde gesprüht „Lieber tot als rot“ und „Wir wollen lieber auf unseren Füßen sterben, als auf Knien zu leben.“

Friedliche Demonstranten sangen die Hymne der Protestbewegung und forderten die Regierung dazu auf, sämtliche ihrer Forderungen zu erfüllen. Auch wollten die Protestierenden ein Zeichen gegen Gewalttaten setzen.

Jimmy Shan, einer der Organisatoren der Märsche, war vergangene Woche ins Krankenhaus eingeliefert worden, nachdem er von Männern auf der Straße zusammengeschlagen wurde. Am Samstag wurde zudem ein 19-Jähriger Protestanhänger mit einem Messer angegriffen.

Erneut waren am Sonntag viele Demonstranten mit US-Flaggen zu sehen. Die Annahme eines Gesetzentwurfs im US-Abgeordnetenhaus zur Unterstützung der Demokratiebewegung in Hongkong hatte vergangene Woche schwere Spannungen zwischen China und den USA ausgelöst.

Der Entwurf schreibt wirtschaftliche Sanktionen vor, wenn die Autonomie Hongkongs untergraben wird. Er sieht ferner Strafmaßnahmen gegen Politiker vor, die Freiheitsrechte von Hongkongern verletzt haben. Das Papier muss noch in den Senat, genießt aber große Unterstützung bei Republikanern und Demokraten. Am Ende müsste auch US-Präsident Donald Trump das Gesetz noch unterzeichnen.

Die Proteste hatten vor gut vier Monaten als Widerstand gegen einen inzwischen zurückgezogenen Gesetzentwurf für Auslieferungen Beschuldigter an die Volksrepublik China begonnen. Doch die Demonstranten sehen darüber hinaus allgemeine Freiheiten gefährdet, die die ehemalige britische Kronkolonie genießt. Inzwischen richten sich die Proteste auch direkt gegen die Regierung in Peking. Hongkong ist seit 1997 eine Sonderverwaltungszone der Volksrepublik.

Mehr: Die politische Krise in Hongkong sei noch keine wirkliche Gefahr, sagen Experten. Trotzdem ziehen Anleger ihr Geld aus Hongkonger Hedgefonds ab.

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