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25.07.2022

17:34

Radikaler Trumpismus

Einer von Trumps „loyalsten Soldaten“: Dieser Hardliner spaltet gerade die US-Republikaner

Von: Sarah Sendner

Er will noch laxere Waffengesetze und Abtreibungen nach der sechsten Woche unter Strafe stellen: Doug Mastriano verschreckt selbst mächtige Parteifreunde. Wird er zur Gefahr für Donald Trump?

Republikaner, Doug Mastriano AP

Doug Mastriano

Der Republikaner gilt als konservativer Hardliner.

Harrisburg, New York Er sei einer von Trumps „loyalsten Soldaten“, schrieb kürzlich das Nachrichtenportal Politico über Doug Mastriano. Dieses Attribut erhielt der Senator aus Pennsylvania aber nicht nur wegen seines früheren Berufs als Oberst der US-Army: Mastriano gilt auch als einer der größten Verfechter Trumps. 2020 war er es, der Trumps Fantasien von einem Wahlbetrug in seinem Staat besonders lautstark verbreitete.

Wenig überraschend sicherte er sich mit seinem Engagement das Wohlwollen und die Unterstützung des ehemaligen US-Präsidenten. Gab es in den Umfragen bereits einen leichten Vorsprung für ihn, setzte sich Mastriano nach Trumps Kampagne klar in den republikanischen Vorwahlen durch. Nun ist klar: Mastriano wird im November mit dem Demokraten Josh Shapiro um den Posten des Gouverneurs von Pennsylvania kämpfen.

Doch in der republikanischen Partei rumort es. Offenbar bereitet vielen Mitgliedern die Vorstellung Unbehagen, dass Mastriano dieses verantwortungsvolle Amt erobern könnte. Denn er steht für Überzeugungen, die in der Mitte der Gesellschaft nur schwer vermittelbar sind. So gilt er als religiöser Hardliner mit dem Hang zum irrationalen Pathos.

In einem Meinungsbeitrag des US-Nachrichtensenders MSNBC wird er als christlicher Nationalist charakterisiert, der Pennsylvania als „verheißenes Land für Christus“ sieht. Dort, so sein Plan, werde er „Gottes Königreich“ begründen.

Zugleich fordert er, die ohnehin schon laxen Waffengesetze weiter zu lockern. Auch ist er Verfechter des „Heartbeat-Gesetzes“, das Abtreibungen nach dem Nachweis eines Herzschlags verbietet. Das Gesetz, das dem Vorbild von Texas folgt, würde Schwangerschaftsabbrüche bereits nach der sechsten Woche unter Strafe stellen. Und in der Pandemie hatte sich Mastriano gegen Maßnahmen zum Eindämmen des Infektionsgeschehens ausgesprochen.

Durchschnittsbürger würde Mastriano nicht wählen

Mehrere einflussreiche Republikaner gehen nun auf Abstand zu ihrem Kandidaten. Insgesamt zehn Spitzenpolitiker haben angekündigt, den demokratischen Herausforderer Josh Shapiro zu unterstützen und für eine Gegenkampagne auch Geld einzusammeln.

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Tatsächlich ist Mastriano zwar nicht chancenlos, dürfte aber mit seinen radikalen Botschaften in der gemäßigten Mittelschicht auf Bedenken stoßen. Das zumindest glaubt Brian Rosenwald, Politikexperte an der Universität von Pennsylvania. „Dass ein Durchschnittsbürger, der sich über steigende Spritpreise ärgert, jetzt hingeht und einen Hardliner wie Mastriano wählt, ist unwahrscheinlich“, sagt der Wissenschaftler.

Und von diesen Durchschnittsbürgern gibt es in Pennsylvania viele. Historisch ist der US-Bundesstaat demokratisches Terrain, doch 2016 gelang es Donald Trump, einen Teil der demokratisch gesinnten Arbeiterschaft für sich zu gewinnen. Mittlerweile steht fest: Pennsylvania bleibt ein Swingstate. 2016 gewann Trump noch mit leichtem Vorsprung, vier Jahre später war der US-Bundesstaat wieder demokratisch.

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Doch erneut sind die Republikaner in Lauerstellung, wie Politologe Rosenwald argumentiert: „Die republikanischen Stammwähler wollen durchaus erzkonservative Werte und radikale Legislativen.“

Andererseits ist da aber dieser schwelende Konflikt in der Partei, der die Konservativen wohl noch bis zur Präsidentschaftswahl 2024 begleiten wird.

Donald Trump Reuters

Donald Trump

Die Vorzeichen mehren sich, dass Donald Trump bald seine Kandidatur als US-Präsident ankündigen könnte.

Im Zentrum steht die Frage, ob man mit oder ohne Trump die besten Chancen auf einen Einzug ins Weiße Haus hat. Viele Mitglieder verzweifeln an seinen Fehltritten, viele halten ihn für jemanden, der die US-Demokratie nach seiner erneuten Wahl zum Präsidenten gefährden könnte. Und sein Sündenregister, vor allem als Aufwiegler der Massen beim Sturm auf das US-Kapitol, wird immer länger.

Dass Trump sich erneut um das Amt des Präsidenten bemühen wird, gilt inzwischen als ausgemacht. Bereits im September – historisch früh – könnte er seine Kandidatur bekannt geben, berichten US-Medien. Doch auf dem Weg zu einer offiziellen Kandidatur stehen noch die Vorwahlen in der republikanischen Partei.

Die neue Generation der Hardliner steht bereit

Längst nicht alle Republikaner würden bei der Vorwahl für den 76-Jährigen stimmen, wie aktuelle Umfragen zeigen. Schon stehen zudem mit Floridas Gouverneur Ron DeSantis, dem Texaner Ted Cruz, Ex-Vize Mike Pence, Nikki Haley (South Carolina) und Ex-Außenminister Mike Pompeo Kandidaten bereit, die zwar ähnlich radikal sind wie Trump selbst, aber weniger vorbelastet, so Rosenwald.

Protest gegen Doug Mastriano Reuters

Protest gegen Mastriano

Der Republikaner stößt mit seinen radikalen Thesen auch auf Widerstand.

In der republikanischen Partei könnte der Wunsch entstehen, die Wahl zwar mit radikalen Botschaften zu gewinnen, aber ohne deren alte Galionsfigur Trump.

Der Publizist Mark Leibovich, Autor des Buches „Thank you for your Servitude“, skizziert ein Klima der Angst unter jenen Republikanern, die Trump hinter vorgehaltener Hand verabscheuen. Öffentlich würden diese den Ex-Präsidenten weiter unterstützen, weil sie persönliche Nachteile befürchteten. Die wenigen, die ihre Einschätzung öffentlich machten, hätten damit ihrer politischen Karriere massiven Schaden zugefügt.

Das gleiche Unbehagen gegen eine Radikalisierung der Politik treibt jetzt verschiedene Republikaner in Pennsylvania um. Es ist dieses Unbehagen, das Doug Mastrianos Siegeszug stoppen kann. Zurück bliebe eine gespaltene Partei.

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