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26.04.2017

21:40 Uhr

Razzien gegen Gülen-Bewegung

Über tausend türkische Polizisten festgenommen

Der türkische Präsident Erdogan vermutet auch in der Polizei Anhänger des Predigers Gülen, den er für den Putschversuch vom Juli verantwortlich macht. Nun wurden mehr als tausend Verdächtige festgenommen.

Razzia in der Türkei

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Razzia in der Türkei: Massenfestnahme – Wer sind die Inhaftierten?

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IstanbulGut neun Monate nach dem Putschversuch in der Türkei sind bei landesweiten Razzien gegen mutmaßliche Gülen-Anhänger innerhalb der Polizei mehr als tausend Verdächtige festgenommen worden. Die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu meldete, bei dem Einsatz in allen 81 Provinzen des Landes sei es zu 1120 Festnahmen gekommen. Auf Basis eines Dekrets aus dem derzeit geltenden Ausnahmezustand seien außerdem 9103 Polizisten wegen angeblicher Verbindungen zur Gülen-Bewegung entlassen worden.

Zu den Razzien berichtete Anadolu, Ziel sei es, die geheime Struktur der Gülen-Bewegung innerhalb der Polizei zu zerschlagen. 8500 Sicherheitskräfte seien an den Operationen beteiligt gewesen. Innenminister Süleyman Soylu nannte den Einsatz „einen sehr wichtigen Schritt“. Ziel der geheimen Struktur sei es gewesen, durch Infiltration die Kontrolle über den Polizeiapparat zu erlangen.

Die Regierung macht den in den USA lebenden Prediger Fethullah Gülen für den Putschversuch vom Juli vergangenen Jahres verantwortlich. Gülen weist das zurück. Die Bewegung gilt in der Türkei als Terrororganisation. Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes äußerte sich kritisch zu den erneuten Massenfestnahmen. Er sagte am Mittwoch in Berlin, die Aufklärung des Putschversuches sei zwar wichtig. Es sei aber schwer zu glauben, „dass so eine lange Zeit nach dem Putsch die Verhaftung von tausend Personen wirklich verhältnismäßig sein soll“.

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Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte nach dem Putschversuch angekündigt, den Staatsapparat von Gülen-Anhängern zu „säubern“. Seitdem kommt es immer wieder zu Festnahmen. Nach offiziellen Angaben von Anfang des Monats wurden seit Juli mehr als 47 000 Verdächtige wegen angeblicher Gülen-Verbindungen in Untersuchungshaft genommen. Rund 100 000 Beschuldigte wurden aus dem Staatsdienst entlassen.

Auch westliche Sicherheitskreise hatten vor dem Putschversuch keinen Zweifel daran, dass die Polizei, aber auch die Justiz von der Gülen-Bewegung massiv unterwandert war. Gülen und Erdogan waren bis zu einem offenen Zerwürfnis im Jahr 2013 Verbündete. Nach dem Putschversuch hatte Erdogan den landesweiten Ausnahmezustand ausgerufen, der zuletzt in der vergangenen Woche verlängert wurde. Der Ausnahmezustand gilt nun bis mindestens zum 19. Juli. Erdogan brachte außerdem die Wiedereinführung der Todesstrafe ins Spiel.

Aus Sorge um die Demokratie in der Türkei seit dem Putschversuch hatte die Parlamentarische Versammlung des Europarats das Land am Dienstag erstmals seit 13 Jahren wieder unter volle Beobachtung gestellt. Die Regierung in Ankara verurteilte den Beschluss als politisch motiviert. Zuvor war es bereits zu erneuten Spannungen mit Europa rund um das Verfassungsreferendum zur Einführung eines Präsidialsystems gekommen, das Erdogan nach vorläufigen Ergebnissen knapp gewonnen hatte. Die Opposition kritisierte „Wahlbetrug“ und verlangte vergeblich eine Annullierung des Referendums.

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Kommentare (6)

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Herr Günther Schemutat

26.04.2017, 11:25 Uhr

Das Erdogan weiter macht und sich sicher ist , dass Merkel und Gabriel weiter zu ihm stehen und alles verzeihen obwohl er keinen Wert darauf legt, sollte uns Deutsche
dazu bewegen zu protestieren und das Urlaubsland Türkei meiden.

War ein Scherz , ein Deutscher lässt sich doch nicht von Ungerechtigkeiten abhalten Urlaub zu machen wenn der sooo billig ist. Erst wenn es zu Verhaftungen von Deutschen Touristen kommen wird und das geht heute ganz schnell, heult man den Strand voll und dann seine Zelle nach Deutscher Hilfe.

Eine Liste von Gülenanhänger in Deutschland und dessen Unterstützer hat Erdogan schon in der Hand, schliesslich darf er von Merkel und Gabriel erlaubt fleissig bei uns spionieren.

Als der Vorstand der Türkischen Gemeinde in Hamburg , gefragt wurde warum Türken die hier in Sicherheit leben , Erdogan wählen sagte er salopp gesagt:

Wissen sie warum schliesst der Hamburger Senat mit den Erdogan Moscheen Staatsverträge ab wenn Erdogan so schlimm ist, da sehen die Leute doch , dass
Deutsche Politiker hinter Erdogan stehen.

Darauf gab es keine Antwort , die aber lauten könnte, Hamburg - Twintower-Scholz
Grüne.

Herr Hofmann Marc

26.04.2017, 11:29 Uhr

Wollen wir mal hoffen, das Merkel sich nicht zuviel von Erdogan als Vorbild nimmt...so als beste Freunde...

Herr Paul Kersey

26.04.2017, 12:02 Uhr

Das Thema Türkei ist für mich erledigt. Das Referendum ist entschieden. Es gibt nichts mehr zu diskutieren. Wer noch meint, Urlaub in der Türkei machen zu müssen, muss das eben so machen. Schlimmer fände ich, wenn die deutsche Wirtschaft, vor allem natürlich die Rüstungsindustrie so tut, als wäre nichts geschehen.

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