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04.10.2019

13:12

Rüstung

Tornado-Ersatz: Chancen für US-Kampfjet von Boeing steigen

Von: Donata Riedel

F18 gegen Eurofighter, welches Kampfflugzeug ersetzt bei der Bundeswehr den Tornado? Entscheidend könnte nun die Tragfähigkeit für Atomwaffen sein.

Chancen für US-Kampfjet als Tornado-Ersatz steigen AFP

Boeing F-18

Es deutet sich an, dass die Bundesregierung sowohl Jets von Boeing als auch von Rivale Airbus bestellt.

Berlin Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) wird wohl nicht umhinkommen, mindestens einen Teil der Tornado-Kampfflugzeuge der Bundeswehr durch US-Kampfjets zu ersetzen. In einem Schreiben hat das US-Verteidigungsministerium jetzt mitgeteilt, dass die F-18 von Boeing drei bis fünf Jahre schneller die notwendige Zertifizierung für die sogenannte nukleare Teilhabe bekommen kann als neue Eurofighter des französisch-deutschen Herstellers Airbus. Die Existenz der US-Hinweise, über die zuerst die Süddeutsche Zeitung berichtet hatte, wurde dem Handelsblatt von Insidern bestätigt.  

Das Bundesverteidigungsministerium lehnte mit Hinweis auf die Vertraulichkeit eine Stellungnahme ab. Eine Sprecherin erklärte auf Anfrage nur, dass Deutschland und die USA zu diesem Thema in ständigem Austausch stünden. Kramp-Karrenbauer hatte nach einem Treffen mit ihrem Amtskollegen Marc Esper vergangene Woche angekündigt, dass sie im ersten Quartal 2020 über die Tornado-Nachfolge entscheiden wolle.

Die Bundesregierung plant langfristig, gemeinsam mit Frankreich ein neuartiges Kampfflugzeugsystem namens FCAS zu entwickeln. Dies wird allerdings erst ab 2040 einsatzfähig sein. Die 85 Tornados der Bundeswehr sind inzwischen so alt, dass sie spätestens ab 2025 nur noch mit sehr hohen Kosten flugfähig gehalten werden können.

Die frühere Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hatte deshalb im Februar entschieden, die Tornados für die Zwischenzeit zu ersetzen: Im Bieterverfahren sind als Brückenlösung seither noch der Eurofighter und die F-18 von Boeing. Gleichzeitig hatte von der Leyen entschieden, weitere 33 Eurofighter als Ersatz für die ältesten Eurofighter zu bestellen. Rüstungsexperten werteten dies als eine industriepolitische Entscheidung und Treuebekenntnis zu  Frankreich: Airbus braucht Kampfjetaufträge auch für die Zwischenzeit bis zum FCAS, um seine Experten halten zu können.

Wunschlösung: Zwei Einsatztypen

Bei der Entscheidung werde es darum gehen, ob für den Tornado-Ersatz entweder F-18 oder Eurofighter gekauft werden – oder beide Flugzeuge für je einen Teil der Tornados. Letzteres gilt als wahrscheinliche Lösung. Für die F-18 spricht, dass sie neben der Atomwaffen-Tragfähigkeit auch über Fähigkeiten für elektronischen Kampf verfügen soll, die der Eurofighter nicht biete. Zudem werde in der Luftwaffe der Betrieb von zwei Kampfflugzeugtypen favorisiert – für den Fall, dass ein System technische Probleme zeigen sollte.

Für den Eurofighter wiederum spricht, dass er in Deutschland bereits für den hiesigen Flugraum zertifiziert ist. Ein solches Zertifikat fehlt bisher der F-18 von Boeing.

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