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04.08.2019

11:56

Ruhestand im Ausland

Sorgen im Tropenparadies: Warum das Armutsrisiko für deutsche Rentner in Thailand steigt

Von: Mathias Peer

Die Zahl der deutschen Rentner in Thailand hat sich seit der Jahrtausendwende verzehnfacht. Ein historisch schlechter Wechselkurs führt nun zu Problemen.

Armutsrisiko für deutsche Rentner in Thailand steigt Photographer's Choice/Getty Images

Rentner im Ausland

Für viele wird das Leben in Thailand zu teuer.

Bangkok Jörg Dunsbach kam eigentlich als Seelsorger nach Thailand. Inzwischen kommt er regelmäßig als Finanzberater zum Einsatz. Bei dem Pfarrer aus Trier, der die deutsche katholische Gemeinde in Bangkok leitet, landen meistens die ganz schwierigen Fälle: „Bei mir melden sich nicht selten Menschen, die nichts anderes mehr besitzen als die Kleidung, die sie am Körper tragen“, sagt Dunsbach.

Im Schnitt werde er alle zwei Wochen wegen einer finanziellen Notlage um Hilfe gebeten, erzählt er. Fast immer sind es Ruheständler aus deutschsprachigen Ländern, die sich in Südostasien den Traum von einem Alterssitz im Tropenparadies erfüllen wollten. Doch wer zu knapp kalkuliert hat, gerät schnell in eine tiefe Krise. „Leider kommt das immer häufiger vor“, sagt Pfarrer Dunsbach.

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Ein Grund für die zunehmenden Probleme ist an den internationalen Devisenmärkten zu finden. Der thailändische Baht hat in den vergangenen zwölf Monaten im Vergleich zum US-Dollar mit einem Plus von mehr als sieben Prozent so stark aufgewertet wie kaum eine andere Währung der Welt. Im Vergleich zum Euro liegt der Baht auf historischen Rekordwerten – und führt so zu einem spürbaren Kostenanstieg für Rentner, die ihr Einkommen aus der Heimat beziehen.

Egmont Hilbig verbringt seit mehr als einem Jahrzehnt das halbe Jahr in Asien. Er plant jedoch, sich künftig dauerhaft in Thailand niederzulassen. Die Entwicklung des Wechselkurses, die seinen Plan erschwert, hat er in den vergangenen Wochen genau beobachtet. „Der Hammer kommt am Schalter am Airport“, sagt Hilbig.

Dort zeigen die Anzeigetafeln, wie wenig Baht er momentan für seine Euro bekommt. Die Zahlen kommentiert der 71-Jährige mit drei knappen Worten: „Oh mein Gott!“

20 Prozent weniger

Seit der Einführung der europäischen Gemeinschaftswährung 2002 war der Baht im monatlichen Durchschnitt noch nie so teuer wie in diesem Juli. Im Vergleich zu vor fünf Jahren ist das Einkommen deutscher Rentner in Thailand in die lokale Währung umgerechnet um 20 Prozent gesunken.

Dagegen ist die Zahl der Ruheständler, die mit dem Risiko solcher Währungsschwankungen leben, in den vergangenen Jahrzehnten stark angewachsen. Nach Daten der Deutschen Rentenversicherung haben die Rentenzahlungen an deutsche Staatsbürger mit Wohnsitz außerhalb der Euro-Zone seit dem Jahr 2000 um knapp 40 Prozent auf fast 140.000 zugenommen.

In Asien ist Thailand mit großem Abstand das beliebteste Land für ausgewanderte Rentner. Die Zahlungen an Deutsche haben sich dort seit der Jahrtausendwende mehr als verzehnfacht und lagen laut Statistik zuletzt bei 5.400. In Wahrheit dürften es aber noch deutlich mehr sein: Privatiers im Vorruhestand werden genauso wenig erfasst wie Menschen, die ihren Wohnsitz noch in Deutschland gemeldet haben.

Rentner Hilbig hat auch noch eine Wohnung in Deutschland. Doch die will er bald vermieten, um sein Einkommen in Thailand aufzustocken. Hilbig stammt aus Zwickau, arbeitete früher für ein paar Jahre als Lkw-Fahrer und später in einem Immobilienbüro. Hoch ist seine Rente nicht: 516 Euro netto kommen bei ihm an.

Mit der Vermietung der Wohnung würden nochmals etwas mehr als 200 Euro hinzukommen. In Thailand komme er mit dem Betrag gut aus, sagt Hilbig. Für große Sprünge reicht es aber nicht: Er trinke kaum Alkohol und gehe mit seiner thailändischen Frau auch nur in günstigen Restaurants essen. „Zum Glück ist sie keine Frau, die Luxus haben muss“, gesteht er.

Als ungewöhnlich empfindet er seine finanzielle Lage nicht: Er könne jedem, der nach Thailand auswandern wolle, vorrechnen, wie man hier mit 800 Euro im Monat leben könne. Der durchschnittliche Monatslohn in dem Schwellenland liegt bei nur etwas mehr als der Hälfte.

Thailand hat seit Langem den Ruf, dass man hier auch mit wenig Geld weit kommt. Rucksacktouristen schlafen in Hostels für eine Handvoll Euro pro Nacht. Komplette Mahlzeiten kosten in den Straßenrestaurants so viel wie eine Kugel Eis in Deutschland.

Der Pfarrer lebt seit 2011 in Bangkok. Mathias Peer

Jörg Dunsbach

Der Pfarrer lebt seit 2011 in Bangkok.

Pfarrer Dunsbach, der selbst seit 2011 in Bangkok lebt, wird oft mit Vorstellungen von Thailand als einem Ort für ein billiges Luxusleben konfrontiert: Regelmäßig bekommt er E-Mails von Auswanderwilligen, die sich wünschen, dass er ihre Pläne absegnet. Doch Dunsbach sendet meistens Warnungen zurück. „Man kann hier günstig leben, wenn man sich auf einen thailändischen Lebensstil einlässt“, sagt er. „Aber wenn man so leben will wie in Deutschland und Parmesan, Nudeln und Nutella braucht, dann kann es in Thailand mitunter sogar deutlich teurer sein.“

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