Handelsblatt App
Jetzt 4 Wochen für 1 € Alle Inhalte in einer App
Anzeigen Öffnen
MenüZurück
Wird geladen.

25.02.2022

15:50

Sanktionen gegen Russland

Was ist Swift?

Swift-Sanktionen gelten als der härteste Wirtschaftsschlag gegen Russland. Doch stimmt das überhaupt? Und was ist Swift eigentlich genau? Die wichtigsten Fragen und Antworten.  

Über das Zahlungsverkehrssystem Swift fließen zwischen Banken weltweit die Geldströme (Foto: Reuters/Chris Helgren/File Photo).

Swift

Über das Zahlungsverkehrssystem Swift fließen zwischen Banken weltweit die Geldströme (Foto: Reuters/Chris Helgren/File Photo).

Düsseldorf. Seit dem Angriff Russlands auf die Ukraine wird viel über mögliche Sanktionen diskutiert. Dabei fällt häufig der Begriff Swift – viele Länder fordern, Russland aus dem Zahlungssystem auszuschließen. Die Bundesregierung hat sich bisher allerdings dagegen gestellt. Doch was bedeutet Swift eigentlich? Wir haben die Antworten auf die wichtigsten Fragen für Sie zusammengestellt.

Was hat es mit Swift auf sich? 

Swift steht für Society for Worldwide Interbank Financial Telecommunication. Der Zahlungsdienstleister mit Sitz in Belgien wurde 1973 gegründet und wickelt nach eigenen Angaben den Zahlungsverkehr zwischen 11.000 Finanzinstituten, Banken und Börsen in 210 Staaten ab.  

Wer Geld von oder nach Russland überweist, nutzt üblicherweise Swift. Dabei sendet der Dienstleister die Nachricht einer Bank, etwa aus Deutschland, über die Zahlung durch einen Kunden an ein Institut in Russland.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Aus der Nachricht geht der Name von Zahler und Empfänger sowie Kontonummer und Swift-Code der Institute hervor. Der Swift-Code ist auch als BIC bekannt. Mit ihm lassen sich Banken weltweit eindeutig identifizieren. Durch Swift wird also sichergestellt, dass das Geld auf dem richtigen Konto landet.  

    Dabei ist Swift selbst allerdings nur für die Nachrichtenübermittlung zuständig. An der tatsächlichen Verbuchung einer Überweisungszahlung ist der Dienstleister nicht beteiligt. 

    Warum schadet Russland ein Ausschluss von Swift? 

    Aus Sicht von Bankenexperten wäre ein Ausschluss Russlands von Swift nicht unbedingt die härteste, aber mit Sicherheit die pauschalste Sanktion gegen das Land. Wird Russland – wie der Iran und Nordkorea – von Swift ausgeschlossen, wären viele grenzüberschreitende Finanzgeschäfte nicht mehr möglich. Zumindest würden sie deutlich erschwert.  

    Aus Sicht der Ratingagentur Fitch würde ein Ausschluss russischer Banken die Überlebensfähigkeit der Institute nicht gefährden. Allerdings würde er für große operationelle Herausforderungen sorgen. „Die Banken müssten dann alternative Wege finden, um ihre Transaktionen abzuwickeln und ihre Gläubiger zu bezahlen“, sagt der Moskauer Fitch-Bankenanalyst Anton Lopatin. 

    Gibt es Alternativen zu Swift?

    Einen alternativen Weg hat Russland bereits aufgebaut und selbst einen Zahlungsnachrichtendienst entwickelt: das System für die Übergabe von Finanzdienstleistungsnachrichten (SPFS). Am SPFS sind 400 russische Banken angeschlossen. Über das System seien bisher rund 20 Prozent der inländischen Zahlungen abgewickelt worden, erklärte die Ratingagentur Fitch.

    Von internationalen Banken werde das System allerdings kaum genutzt. Seit Gründung im Jahr 2014 als Reaktion auf die Krim-Krise versucht Russland, auch chinesische und iranische Banken daran anzuschließen. 

    Eine weitere Option ist das chinesische Zahlungssystem Cips. Banken setzen es jedoch ebenfalls deutlich weniger bei internationalen Zahlungen ein als Swift. Ein Swift-Ausschluss der russischen Banken könne die Entwicklung von Cips und anderen Swift-Alternativen jedoch beschleunigen, betont Fitch. Denn er könne dafür sorgen, dass der Anteil des Dollars bei der Abwicklung internationaler Transaktionen über die Zeit etwas sinkt. 

    Aus Sicht von Bankenexperten ist es aber unrealistisch, kurz- bis mittelfristig eine ernsthafte Swift-Alternative aufzubauen. Ob Banken und Unternehmen dennoch Wege finden, erlaubte Zahlungen weiter abzuwickeln ist aus ihrer Sicht schwer abzuschätzen. Dies könne etwa über Tochtergesellschaften russischer Konzerne in der EU geschehen Somit gebe es eine große Unsicherheit, welche wirtschaftlichen Folgen ein russischer Swift-Ausschluss letztlich hätte. 

    Was spricht gegen einen Sanktionierung von Swift?  

    Der Ausschluss Russlands von Swift würde nicht nur russischen Geldhäusern und Unternehmen Probleme bereiten, sondern auch westlichen Konzernen und Hilfsorganisationen. Humanitäre Hilfsgelder könnten dann vermutlich genauso wenig überwiesen werden wie Gehälter von westlichen Geschäftsleuten, Diplomaten oder Medienvertretern in Russland.  

    Wenn die Politik solche Kollateralschäden vermeiden will, wären aus Sicht von Bankern gezielte Sanktionen gegen den russischen Finanzsektor geeigneter. Dazu zählen etwa das Einfrieren von russischen Vermögenswerten in Fremdwährungen oder der Ausschluss russischer Banken von bestimmten Bereichen des Finanzsektors. Solche Sanktionen würden auch dann greifen, wenn russische Banken noch an Swift angeschlossen sind. 

    Hinzu kommt, dass ein Ausschluss Russlands vom Swift-System für Verwerfungen im weltweiten Finanzsystem sorgen könnte. Russische Banken und Unternehmen könnten ihren Verpflichtungen aus Derivatgeschäften, die sie mit westlichen Instituten getätigt haben, dann möglicherweise nicht mehr nachkommen. 

    Darüber hinaus müssten westliche Banken und Unternehmen alternative Wege finden, um ihre Geschäfte mit Russland abzuwickeln. Besonders relevant für Deutschland ist die Frage, ob beziehungsweise wie es russische Gaslieferungen dann bezahlen könnte.

    Warum blockiert Deutschland eine Swift-Sanktion gegen Russland?

    Regierungssprecher Steffen Hebestreit begründete die Haltung der deutschen Regierung nach dem EU-Gipfel mit den Worten: „Eine Aussetzung von Swift wäre technisch aufwendig vorzubereiten, hätte auch massive Auswirkungen auf den Zahlungsverkehr in Deutschland und für deutsche Unternehmen im Geschäft mit Russland.“ 

    Von

    HB/Agenturen

    Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

    Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

    Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

    ×