MenüZurück
Wird geladen.

12.06.2018

22:18 Uhr

Showdown in Singapur

„Kim hat Trump übers Ohr gehauen“ – so bewertet die Presse den Gipfel

VonAdriane Palka

Die Bewertung des Nordkorea-Gipfels in internationalen Medien reicht von „PR-Show“ bis hin zur Einschätzung eines „politischen Siegs für Kim“.

Das historische Treffen könnte die geopolitischen Verhältnisse in Asien dramatisch verändern. imago/Levine-Roberts

Titelblätter von US-Zeitungen

Das historische Treffen könnte die geopolitischen Verhältnisse in Asien dramatisch verändern.

DüsseldorfDeutsche und internationale Medien analysieren das Gipfeltreffen von US-Präsident Donald Trump und Nordkoreas Diktator Kim Jong Un. Eine Auswahl der Einschätzungen:

Süddeutsche Zeitung: „Trump hat Nordkorea den Ausweg aus seiner Sackgasse geebnet“

Die Münchner „SZ“ sah Kim Jong Un bei dem Treffen in Singapur auf Augenhöhe mit dem US-Präsidenten. Dort habe er seinen „bisher größten Schritt getan, Nordkoreas Isolation zu überwinden.“ Kim scheine mittlerweile verstanden zu haben, dass das Atomprogramm ihn eher gefährdet. Die Atom- und Raketentests seien deshalb ohnehin nichts weiter als ein Bluff gewesen.

Die Kritik von Experten, dass der US-Präsident „nicht hart genug auf eine sofortige Denuklearisierung gepocht“ hätte, bewertet die „Süddeutsche“ als verfehlt: „Trump hat Kim nicht zur Kapitulation gezwungen – damit hätte er den Gipfel zum Platzen gebracht –, sondern Nordkorea den Ausweg aus seiner Sackgasse geebnet, den der südkoreanische Präsident Moon Jae In vorgespurt hat“.

Frankfurter Allgemeine Zeitung: „Peking will amerikanischen Einfluss in der Region zurückdrängen“

Diplomatie: Der Trump-Kim-Gipfel ist ein erster Schritt auf einem Weg voller Tücken

Diplomatie

Der Trump-Kim-Gipfel ist ein erster Schritt auf einem Weg voller Tücken

Die historische Show in Singapur ist für Trump und Kim vor allem ein politischer PR-Erfolg. Der Weg zur totalen nuklearen Abrüstung ist weit.

Die „FAZ“ nimmt insbesondere Chinas Interessen in den Fokus. Bei den anstehenden und „vermutlich langwierigen“ Gesprächen würde Nordkoreas Nachbarstaat „mehr oder weniger direkt mitsprechen wollen“ – und dabei vor allem versuchen, den Einfluss der USA in der Region zurückzudrängen.

Zur zukünftigen Entwicklung prophezeit die „FAZ“, dass „sich ein nach Anerkennung gierender amerikanischer Präsident“ auf Vereinbarungen einlassen könnte, die zwar gut klingen – letztlich aber Amerika und seinen Verbündeten schaden. Für Trump wäre das aber keineswegs ein Novum, denn „mit dem Beschädigen von Verbündeten hat dieser Präsident ja Übung.“

Huffington Post: „Trump belügt sich selbst“

Für die deutsche „Huffington Post“ war das Treffen zwischen Trump und Kim nichts weiter als „eine wohlfühlige PR-Show“. Zu mehr als einem „ikonischen Handschlag“ und einem „großen Versprechen“ habe es nicht gereicht. Dass sich die beiden Staatschefs nicht als Feinde, sondern als Gesprächspartner auf Augenhöhe begegnet sind, sieht die „HuffPost“ zwar als Erfolg – allerdings nur als symbolischen.

Ein politischer Durchbruch sei die Erklärung, die Trump und Kim unterschrieben, keinesfalls, dafür sei sie zu vage. Der US-Präsident sehe das selbstverständlich anders: „Trump selbst hatte kurz nach seinen Gesprächen mit Kim noch getönt, das Treffen sei besser abgelaufen, als sich überhaupt jemand habe vorstellen können. Er belog sich mit diesen Worten selbst.“

Neue Zürcher Zeitung: „Kim hat sich keinen Zentimeter bewegen müssen“

Die renommierte Schweizer „NZZ“ glaubt, dass beide Politiker von der „Singapurer Show“ profitieren: „ Trump demonstriert, dass er selbst mit Männern wie dem nordkoreanischen Diktator Vereinbarungen abschließen kann, wenn er will; Kim hat die Anerkennung erlangt, die sich sein Land schon lange wünschte.“

Kommentar: Warum sollte „Raketenmann“ Kim auf Atomwaffen verzichten?

Kommentar

Warum sollte „Raketenmann“ Kim auf Atomwaffen verzichten?

Für eine Erfolgsmeldung nach dem Treffen von Donald Trump und Kim Jong Un ist es zu früh. Das zeigt ein Blick auf andere Abkommen mit Nordkorea.

Für die „NZZ“ geht Kim als klarer Sieger aus dem Gipfeltreffen hervor. Denn der Nordkoreaner habe sich in seiner Haltung „keinen Zentimeter“ bewegen müssen. Trump hingegen „ist mit seinem vollmundigen Auftritt ein beträchtliches Risiko eingegangen“ – das Risiko, dass nur eine weitere „Phase der Achterbahnfahrt mit dem Kim-Regime begonnen hat“, sei groß.

Zu vage sind die Zusagen Kims: „Sollte sich herausstellen, dass Nordkorea einmal mehr Wirtschaftshilfe ohne echte Gegenleistungen herausholt, könnte der Gipfel von Singapur zu einem Bumerang werden, der Trump mitten ins Gesicht flöge. Kim dagegen hätte bloß die Tradition seiner Vorväter fortgesetzt – und die Amerikaner einmal mehr erfolgreich über den Tisch gezogen.“

The Guardian: „Ein weiterer Grund für Kummer“

Der britische „Guardian“ vergleicht die Vereinbarung von Singapur mit dem Iran-Abkommen – und das von Kim und Trump unterzeichnete Dokument schneidet dabei alles andere als gut ab. Während im Iran-Abkommen auf 110 Seiten detailliert festgelegt wurde, wie Teheran sein Atomprogramm einschränken sollte, fänden sich auf den mageren anderthalb Seiten von Singapur keinerlei konkrete Zusagen.

Für scharfe Kritik sorgt vor allem, dass Nordkorea den Umfang seines Atomprogramms nicht enthüllen muss: „Wie kann die Welt wissen, wie Pjöngjang abrüsten will, wenn sie nicht weiß, was Pjöngjang überhaupt hat?“

Auch aus der Sicht des „Guardian“ hat sich Nordkoreas Machthaber auf dem Gipfel besser geschlagen als der US-Präsident. Trump habe mit seinen Schmeicheleien der Kim-Dynastie und „deren Herrschaft über eine versklavte Nation“ großen Auftrieb gegeben: „Für den Rest von uns ist es nur ein weiterer Grund für Kummer – weil die mächtigste Nation der Welt in solch unfähigen Händen liegt.“

New York Times: „Kim hat Trump übers Ohr gehauen“

Laut „New York Times“ hat Trump auf ganzer Linie versagt. „Es ist verblüffend, wie viel Trump gab und wie wenig er bekam“, schreibt die „NYT“ und analysiert: „Es gibt kein Anzeichen dafür, dass Nordkorea bereit ist, seine Atomwaffen aufzugeben, und Trump hat nicht im Ansatz etwas so Gutes wie den Iran-Deal erreicht, der dafür sorgte, dass Iran 98 Prozent seines angereicherten Urans entsorgte.“

Dokumentation im Wortlaut: Auf diese 4 Kernpunkte haben sich Kim und Trump geeinigt

Dokumentation im Wortlaut

Auf diese 4 Kernpunkte haben sich Kim und Trump geeinigt

Der US-Präsident und Nordkoreas Machthaber haben sich zu einer vollständigen Denuklearisierung der koreanischen Halbinsel bekannt. Ihre Vereinbarung im Wortlaut.

Noch schlimmer findet das US-Medium, dass Trump mit dem Ergebnis des Treffens zufrieden sei. Insofern „scheint Kim Trump übers Ohr gehauen zu haben.“

Besorgt zeigt sich die Zeitung auch über die Beziehungen zu den Verbündeten des Landes. Denn der Stopp der Militärübungen werde unter den Verbündeten der USA Fragen über die Loyalität des Landes aufwerfen – vor allem bei Japan.

Washington Post: „Was den Inhalt des Treffens betrifft – es gab keinen“

Das renommierte US-Blatt hat für das Abkommen von Singapur nur vernichtende Worte übrig. Es wiederhole nur frühere vage Vereinbarungen, sei unkonkret, ohne Substanz: „Was den Inhalt des Treffens betrifft – es gab keinen.“ Trump sei es vor allem darum gegangen, sein Image als Dealmaker zu stärken – das sei ihm gelungen, allerdings „ohne jegliche intellektuelle Anstrengungen“.

Die Zeitung ist sich sicher, dass beide Politiker den Gipfel zu Hause als Erfolg verkaufen könnten, denn „beide haben Propagandamaschinen, beide werden von ihren jeweiligen Unterstützern laut beklatscht werden.“ Sowohl Trump als auch Kim hätten bei den Treffen also gewonnen – „auch wenn ihre Länder das nicht tun.“

China Daily: „Die Hoffnungen sollten nicht aufgegeben werden“

Die größte englischsprachige Tageszeitung in China sieht das Gipfeltreffen als Anfang einer positiven Entwicklung. Trump habe mit seinem Sicherheitsversprechen, das er Kim gab, klug gehandelt: Denn das Sicherheitsgefühl Nordkoreas war bislang stets die größte Hürde in den Verhandlungen mit dem Land. Der US-Präsident habe so ein Hindernis für ein Friedensabkommen beiseite räumen können.

Im Hinblick auf die kommenden Verhandlungen zeigt sich „China Daily“ optimistisch: „Obwohl niemand erwarten sollte, dass das Gipfeltreffen alle Differenzen ausbügelt und das tief sitzende Misstrauen zwischen den beiden langjährigen Feinden ausradiert, hat es Hoffnungen aufkommen lassen, dass sie endlich ihre Feindseligkeit beenden können und dass das seit Langem bestehende Problem der koreanischen Halbinsel endlich gelöst wird. Diese Hoffnungen sollten nicht aufgegeben werden.“

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×