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14.09.2018

12:32 Uhr

Suchmaschine

Qwant will mit strengem Datenschutz zum Google-Konkurrenten aufsteigen

VonThomas Hanke

Die Suchmaschine erstellt keine persönlichen Profile ihrer Nutzer und blockt Werbung. Nun hat sie sich mit dem Internetbrowser „Brave“ zusammengetan.

Die alternative Suchmaschine „Qwant“ kommt in Frankreich auf etwa sechs Prozent Marktanteil, nun will Léandri auch den deutschen Markt erobern. Reuters

Der Gründer Eric Léandri

Die alternative Suchmaschine „Qwant“ kommt in Frankreich auf etwa sechs Prozent Marktanteil, nun will Léandri auch den deutschen Markt erobern.

ParisMan muss wohl größenwahnsinnig sein, um so vorzugehen wie Eric Léandri – oder Korse. Seit fünf Jahren versucht der Franzose mit Wurzeln in der streitbaren Inselbevölkerung, mit Qwant eine Suchmaschine zu etablieren, die Google die Stirn bietet. Anfangs wurde er ausgelacht, dann belächelt, mittlerweile stößt er auf skeptisches Interesse.

Am gestrigen Donnerstag hat Léandri einen schönen Coup gelandet: Brendan Eich, als Entwickler von Javascript eine Legende des Internets, macht Qwant in Frankreich und Deutschland zur Standardsuchmaschine für seinen Browser „Brave“.

„Mit Brave und Qwant können die Nutzer im Internet unterwegs sein, ohne ihre Privatsphäre zu gefährden“, sagte Eich in der Qwant-Zentrale in Paris. Brave blockiere Werbung und Software, die als Werbung daherkomme, um Nutzer auszuspionieren.

Qwant-Vizepräsident Tristan Nitot erläutert, um was es geht: „Wenn Sie auf Google ein Produkt suchen, gehen Sie in die Falle: Das Produkt verfolgt sie wochenlang, wird ihnen ständig aufgedrängt, auch in völlig anderen Zusammenhängen.“ Doch es bleibe nicht bei der Belästigung: „Werbeplattformen und Google erstellen komplette Profile der Nutzer, und die schnappen sich die Nachrichtendienste, um uns zu kontrollieren.“

Die Antwort von Léandri, Eich und Nitot: „Wir versuchen, ein gesundes Internet zu fördern, das seine User und deren Privatsphäre respektiert.“ Die drei glauben, dass sie damit im Trend liegen: „In Deutschland verwenden bereits 37 Prozent der Personen, die im Internet unterwegs sind, Werbeblocker.“ Das Zeitalter, in dem der naive Spruch galt: „Ich habe nichts zu verbergen“, gehe zu Ende.

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Eich ist davon überzeugt, dass Google am eigenen Ast sägt. Der Gigant sei zu gefräßig, er habe seinen Anteil an den Werbeeinnahmen zielstrebig ausgeweitet, zulasten der Verleger. Die seien vor ein paar Jahren noch auf 50 Prozent gekommen, heute seien es nur noch 20 Prozent. Eich verfolgt mit Brave ein alternatives Modell: Werbung sehe nur, wer sich durch ein Opt-in dafür entscheide. Auch dann blieben alle Daten auf dem lokalen Rechner liegen.

Die Kooperation mit Brave ist für Qwant ein weiterer Schritt nach vorne. Es sind kleine Schritte, doch immerhin kommt die Suchmaschine, an der Springer beteiligt ist, in Frankreich auf sechs Prozent Markanteil. Die Wachstumsraten lassen sich sehen: Gab es 2016 erst 2,6 Milliarden Suchanfragen, waren es im vergangenen Jahr bereits 9,8 Milliarden.

In Deutschland kommt Qwant erst auf einen geringeren Anteil. „Ihr wollt ein perfektes Produkt, den Mercedes unter den Suchmaschinen, die Franzosen stört es nicht, wenn ein paar Kratzer im Lack sind“, sagt Léandri mit Selbstironie. Mehr deutsches Personal soll die Verbreitung in der Bundesrepublik voranbringen.

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Der hochentwickelten deutschen Sensibilität beim Thema Datenschutz kommt Qwant sehr entgegen: Die Maschine speichert keine Historie der Suchanfragen und verzichtet auch darauf, wie Google persönliche Profile zu erforschen.

„Wenn Sie bei uns ein Fahrrad suchen, geht es nur um das Fahrrad und nicht im Hintergrund um Sie persönlich, Ihr Kaufverhalten und was man Ihnen sonst noch andrehen könnte“, versichert der Korse, der früher für British Telecom und General Electric gearbeitet hat.

Sein Ansatz wird nicht nur von den Nutzern honoriert, sondern auch von der französischen Politik: Die Regionen Ile de France, wirtschaftlicher Kern Frankreichs, und Okzitanien haben Qwant zu ihrer offiziellen Suchmaschine gemacht. Und in den Schulen lernen die Kinder demnächst mit Qwant Junior. „Ohne Sex and Crime, also total langweilig für mich“, grinst Qwant-Vize Nitot.

Léandri hat eine weitere Idee, wie er Google auf die Pelle rücken kann: „In den USA ist deren Marktenteil bei 70 Prozent gedeckelt, in der EU dagegen nicht, hier kommen sie auf 93 Prozent – wieso sind wir großzügiger als die USA?“ Die Frage werde er demnächst mal der EU-Kommission stellen, sagt der Qwant-Gründer.

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