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27.08.2020

13:12

Südostasien

Urlaub in Quarantäne – Thailands umstrittener Tourismusneustart

Von: Mathias Peer

Nach monatelanger Abriegelung will sich Thailand wieder für Urlauber öffnen. Doch strenge Coronavorschriften für Touristen wecken Zweifel an dem Plan.

Das Ausbleiben der Touristen trifft Thailand hart. LightRocket/Getty Images

Khao San Road in Bangkok

Das Ausbleiben der Touristen trifft Thailand hart.

Bangkok Zwei Wochen Quarantäne zu Ferienbeginn, regelmäßige Covid-19-Tests und ständige Überwachung mit einem GPS-Armband: So stellen sich die Behörden in Thailand nach monatelanger Abschottung den Neustart des Tourismusgeschäfts vor.

Nach Angaben von Regierungsvertretern könnten im Oktober die ersten Urlauber unter diesen strengen Sicherheitsvorkehrungen in das tropische Reiseland zurückkehren. „Eine Lockerung der Einreiseverbote ist für den Tourismussektor überlebenswichtig“, sagte Thailands Premierminister Prayut Chan-ocha diese Woche.

Der Chef der militärnahen Regierung will mit der Strategie einen Ausweg aus Thailands schwerer Wirtschaftskrise finden: Rund ein Fünftel der Wirtschaftsleistung des Schwellenlands hängt am Tourismus – seit April dürfen aber keine Urlauber mehr ins Land. Mit dieser Abriegelung brachte Thailand zwar das Coronavirus unter Kontrolle: Seit drei Monaten verzeichnete es keine lokale Infektion mehr. Gleichzeitig droht Hotels, Fluglinien und Reiseveranstaltern wegen der fehlenden Kunden aber das Aus.

Das Vorhaben der thailändischen Behörden soll nun internationale Gäste zurück ins Land holen und gleichzeitig verhindern, dass sich das Virus wieder ausbreitet. Laut dem von Tourismusminister Phiphat Ratchakitprakarn vorgelegten Plan sollen zunächst nur Reisen auf die Ferieninsel Phuket erlaubt sein. Urlauber müssten demnach vor ihrer Abreise und nach ihrer Ankunft auf Covid-19 getestet werden.

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    Zudem dürfen sie demnach die ersten zwei Wochen ihres Aufenthalts nur in ausgewählten Hotelanlagen verbringen. Für Gäste, die von Phuket aus in andere Landesteile weiterreisen wollen, soll sich die Quarantäne um sieben weitere Tage verlängern. Transportminister Saksiam Chidchob sagte, dass die Touristen zusätzlich wahrscheinlich auch ein GPS-Armband tragen müssen, das ihre Bewegungsdaten aufzeichnet.

    Thailänder setzen auf deutsche Urlauber

    Die strengen Regeln sollen der Bevölkerung das Gefühl vermitteln, weiter vor dem Virus sicher zu sein: „Sie werden isoliert sein“, sagte Premier Prayut mit Blick auf die Touristen. „Wenn das Virus entdeckt wird, werden wir es eindämmen können“, versprach er.

    Doch ob ein Thailand-Urlaub angesichts der strikten Auflagen überhaupt noch attraktiv ist, bleibt zweifelhaft: In der Vergangenheit blieben Touristen durchschnittlich nur fünf Tage auf Phuket – das wäre nicht einmal die Hälfte der geplanten Quarantäne. Stuart McDonald, Betreiber des auf Südostasien spezialisierten Reiseportals „Travelfish“, vermutet, dass sich kaum jemand auf die Bedingungen einlassen dürfte. „Dieses Konzept ist zum Scheitern verurteilt“, kommentierte er.

    Bill Barnett, Chef der Tourismusberatungsfirma C9 Hotelworks, ist optimistischer: Das Konzept sei kein Allheilmittel, sagte er. „Aber es ist ein Schritt in die richtige Richtung.“ Es könne beispielsweise Europäer im Ruhestand anlocken, die in Thailand mehrere Monate lang überwintern wollten.

    Im Blick hat Thailands Tourismusindustrie dabei unter anderem den deutschen Markt: Die kriselnde Airline Thai Airways kündigte am Donnerstag an, zunächst Charterflüge nach Phuket aus sechs Regionen anbieten zu wollen: Eine davon ist Deutschland – neben Dänemark, Großbritannien, Südkorea, Japan und Hongkong.

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