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28.10.2019

15:43

Terrororganisation

Nach Tod von Terrormiliz-Chef: Arabische Staaten würdigen US-Einsatz

Der Tod des IS-Anführers wird als wichtiger Schritt zur Bekämpfung der Terrormiliz begriffen. Doch mehrere Politiker betonen, dass der Anti-IS-Kampf noch nicht vorbei sei.

 Arabische Staaten würdigen US-Einsatz gegen IS-Anführer dpa

Nach Angriff auf IS-Anführer al-Bagdadi in Syrien

Menschen stehen auf Trümmern eines Hauses in der Nähe des Dorfes Barisha in der Provinz Idlib nach einer Militäroperation der USA gegen al-Bagdadi.

Kairo, Beirut, Istanbul, Tunis Ägypten, Jordanien und Saudi-Arabien haben die Tötung von Abu Bakr al-Bagdadi, Chef der Terrormiliz Islamischer Staat (IS), im Zuge eines US-Einsatzes begrüßt. Alle drei Länder sind Verbündete der USA im Kampf gegen Terrorismus. Sie bekräftigten, ihre Bemühungen voranzutreiben, um extremistische Gruppen auszulöschen. Al-Bagdadi war am Wochenende bei einem Einsatz von US-Spezialkräften in Nordwest-Syrien aufgespürt und beim Zünden einer Sprengstoffweste getötet worden.

Laut den syrischen Kurden sei am Sonntagabend auch ein enger Vertrauter des toten IS-Chefs getötet worden. Der Kommandeur der kurdischen Truppen, Maslum Abdi, sagte, kurdische Kämpfer hätten Stunden nach dem Tod Al-Baghdadis in Nordsyrien eine gemeinsamen Operation mit US-Soldaten ausgeführt. Abu Hassan al-Muhadschir, der auch Sprecher der Terrormiliz Islamischer Staat war, sei am Sonntag in der Nähe von Dscharablus getötet worden.

US-Vertreter äußerten sich zunächst nicht dazu. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit Sitz in Großbritannien berichtete ebenfalls, dass al-Muhadschir tot sei. Er sei in einem Konvoi gereist, der aus einem Öltanker und einer Limousine bestanden habe.

Saudi-Arabien würdigte am Montag die „großen Anstrengungen“ der US-Regierung, Mitglieder der „gefährlichen Terrororganisation“ aufzuspüren. Der IS habe „das wahre Bild des Islam und der Muslime weltweit verzerrt“. Jordaniens Außenminister Aiman al-Safadi bezeichnete den Tod al-Bagdadis auf Twitter als wichtigen Schritt im Kampf gegen Terrorismus und gegen die „Ideologie des Hasses“. Ein Sprecher des ägyptischen Außenministeriums forderte „vereintes Handeln“ im Kampf gegen Extremisten.

Der IS bestätigte den Tod seines Anführers auch am Montag zunächst nicht. Auf ihrer Plattform Naschir News sprach die Terrororganisation über laufende Aktivitäten in Syrien, im Irak und Ägypten, äußerte sich aber nicht zum Einsatz gegen Al-Bagdadi. Möglicherweise soll vor einer solchen Bestätigung erst ein neuer Anführer bestimmt werden.

Trump bedankt sich bei Türkei und syrischen Kurden

Die türkische Regierung will beim Einsatz gegen den Chef der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Nordsyrien eng mit den USA zusammengearbeitet haben. Präsidentensprecher Ibrahim Kalin sprach am Montag von „intensiver Diplomatie“ und sagte: „Unsere militärischen und geheimdienstlichen Einheiten hatten Kontakt zu ihren amerikanischen Kollegen und haben auch koordiniert.“

Außenminister Mevlüt Cavusoglu sagte kurz darauf: „Die Türkei und die USA haben bei der Neutralisierung Bagdadis zusammengearbeitet.“ Man habe Informationen und Ideen ausgetauscht.

Trump hatte sich unter anderem bei der Türkei und den syrischen Kurden bedankt. Deren Verdienste will die türkische Regierung nicht anerkennen.

Auf den Philippinen wurden verschärfte Sicherheitsmaßnahmen im Süden des Landes angeordnet, wo Extremisten mit Verbindungen zum IS aktiv sind, wie General Cirilito Sobejana berichtete. Aufständische könnten al-Bagdadis Tod als Anlass nehmen, um zu Vergeltung aufzurufen, sagte er. Verteidigungsminister Delfin Lorenzana sagte, al-Bagdadis Tod sei „ein Schlag“ gegen den IS. „Aber das ist nur ein kurzer Rückschlag, wenn man die Tiefe und Reichweite der Organisation weltweit bedenkt“, sagte er.

Bundeswehreinsatz gegen den IS wurde verlängert

Nach den Worten von Bundesaußenminister Heiko Maas sei auch Deutschland bereit, sich weiter am Kampf gegen die Terrororganisation Islamischer Staat (IS) zu beteiligen. Der Tod von al-Bagdadi sei zwar ein wichtiger Schritt im Kampf gegen den IS-Terror, „aber wir müssen uns auch darüber klar sein, dass der Kampf damit gegen den IS in Gänze ganz sicher nicht zu Ende sein wird“, sagte Maas am Montag bei einem Besuch in Tunis. Man müsse beobachten, welche Auswirkungen der Tod al-Bagdadis auf die Struktur der Organisation habe.

Deutschland habe grundsätzlich eine „eigene Verantwortung“ bei der Bekämpfung des IS, sagte der SPD-Politiker auf die Frage, wie es bei einem Abzug der USA aus Syrien im Kampf gegen die Terrormiliz weitergehe. „Ich bin mir sicher, dass auch von Deutschland erwartet wird – und auch zurecht erwartet wird –,dass wir uns am Kampf gegen den Islamischen Staat beteiligen und dem stellen wir uns auch.“ Derzeit sei noch nicht ganz klar, inwieweit sich die Vereinigten Staaten komplett aus Syrien zurückziehen werden.

Der SPD-Politiker verwies darauf, dass der Bundestag erst in der vergangenen Woche den Bundeswehreinsatz gegen den IS verlängert habe. Die Mission von deutschen Tornado-Aufklärungsflugzeugen und Tankflugzeugen soll aber nur noch bis zum 31. März fortgesetzt werden. Daneben ist die Bundeswehr mit Militärausbildern im Irak an der Anti-IS-Koalition beteiligt, der rund 80 Länder angehören. Im November soll bei einem Treffen dieser Koalition ausgelotet werden, wie es weitergeht.

Nach Schätzungen der von den USA geführten Anti-IS-Koalition halten sich noch 14.000 bis 18.000 IS-Anhänger im früheren Herrschaftsgebiet der Dschihadisten in Syrien und im Irak auf.

Mehr: Der Kopf der Terrormiliz Islamischer Staat ist tot. Er nahm sich selbst das Leben, wie US-Präsident Donald Trump nun bekanntgab.

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