MenüZurück
Wird geladen.

24.09.2017

17:11 Uhr

Trumps Verbalattacken

Nordkorea droht mit Raketenangriff

Nordkorea droht mit einem Raketenangriff auf die USA. Außenminister Ri Yong Ho erklärt, Trumps Rede habe die Lage verschärft. Derweil twittert der US-Präsident weiter gegen den „kleinen Raketenmann“.

Drohungen über Drohungen

Nordkorea vs. USA: „Trump ist auf einer Selbstmord-Mission“

Drohungen über Drohungen: Nordkorea vs. USA: „Trump ist auf einer Selbstmord-Mission“

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

New York/PjöngjangDie Krise zwischen den USA und Nordkorea schaukelt sich immer weiter hoch: Nach den jüngsten Verbalattacken von US-Präsident Donald Trump droht Nordkorea mit einem Raketenangriff auf das US-Festland. Dieser Schritt sei unausweichlich geworden, sagte Nordkoreas Außenminister Ri Yong Ho vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen. Nordkorea sei nur wenige Schritte davon entfernt, eine Atommacht zu werden. Daran änderten auch härtere Sanktionen nichts.

Die USA hingegen haben mehrere B-1B-Bomber und Kampfjets an den nördlichsten Punkt der Grenze zwischen Nord- und Südkorea geschickt. Der Einsatz am Samstag (Ortszeit) in internationalem Luftraum sei der erste in diesem Jahrhundert, bei dem US-Kampfflugzeuge so weit nördlich vor der Küste Nordkoreas geflogen seien, teilte das Pentagon mit. Er zeige, wie ernst US-Präsident Donald Trump das „rücksichtslose Verhalten“ Nordkoreas nehme.

Der Einsatz sei eine klare Botschaft, dass der US-Präsident viele militärische Optionen habe, eine Bedrohung abzuwehren, erklärte die Sprecherin des Verteidigungsministeriums, Dana White. Nordkoreas Waffenprogramm stelle eine große Gefahr für den Asien-Pazifik-Raum und die gesamte Welt dar. Die B-1B-Bomber waren nach Angaben des Pentagons in Guam gestartet und wurden von Kampfflugzeugen aus Japan begleitet. Die Bomber sind kein Teil der nuklearen Streitkräfte der USA, sie können jedoch eine große Anzahl normaler Bomben abwerfen.

Dieses Bild soll laut US-Angaben zeigen, wie ein Bomber auf der Pazifikinsel Guam abflugbereit gemacht wird. AP

B-1B-Bomber der US-Streitkräfte

Dieses Bild soll laut US-Angaben zeigen, wie ein Bomber auf der Pazifikinsel Guam abflugbereit gemacht wird.

Der nordkoreanische Außenminister Ri Yong Ho hatte zuvor einen Raketenangriff seines Landes auf das US-Festland als unvermeidbar dargestellt. Die Beleidigung des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong Un als „Raketenmann“ durch US-Präsident Donald Trump mache „den Besuch unserer Rakete auf dem gesamten US-Festland umso unausweichlicher“, sagte Ri am Samstag bei den Vereinten Nationen in New York.

Trump sei „ein psychisch gestörter Mensch voll von Größenwahn und Selbstgefälligkeit“, der seinen Finger auf dem „Atomknopf“ habe, sagte Ri. „Kein anderer als Trump selbst befindet sich auf einer Selbstmordmission.“ Sollten unschuldige Amerikaner „wegen dieses Selbstmordanschlags“ getötet werden, „wird Trump vollständig dafür verantwortlich gemacht“, sagte Ri bei seiner Rede bei dem jährlichen Ministertreffen der Uno-Vollversammlung.

Trump reagierte prompt auf die Aussagen des Außenministers: Sollte dieser damit die Gedanken des „kleinen Raketenmanns“ Kim wiederholen, würden „sie“ nicht mehr lange da sein, schrieb Trump am späten Samstagabend auf Twitter. Trump hatte in seiner Rede an die Vollversammlung bereits am Dienstag damit gedroht, Nordkorea im Falle einer Provokation „vollständig zu zerstören“. Kim reagierte, indem er ankündigte, Maßnahmen „auf höchster Ebene“ gegen die USA zu ergreifen.

Korea-Konflikt – die Positionen der Akteure

Generaldebatte in New York

Die alljährliche Generaldebatte der Vereinten Nationen bot Raum für einen ausgiebigen Schlagabtausch zum Atomkonflikt mit Nordkorea – die Bandbreite reichte von „total zerstören“ bis „noch Hoffnung auf Frieden“.

Südkorea

Nach den Worten von Präsident Moon Jae In strebt Südkorea ein friedliches Nebeneinander mit seinem Nachbar Nordkorea an. „Wir wünschen keinen Kollaps Nordkoreas.“ Südkorea strebe auch keine Wiedervereinigung mit dem kommunistisch regierten Staat durch „künstliche Mittel“ oder durch „Verschlucken“ an. Seoul und die Weltgemeinschaft unternähmen alles nur mögliche, um den Atomkonflikt mit Pjöngjang friedlich beizulegen. Zwischen beiden Ländern gilt seit Ende des Korea-Krieges (1950-1953) ein Waffenstillstand. Ein Friedensvertrag wurde bis zum heutigen Tag nicht geschlossen.

China

Auch China will Frieden auf der koreanischen Halbinsel, wie Außenminister Wang Yi sagte - und dafür gebe es „noch Hoffnung“. Er forderte Nordkorea allerdings auf, „nicht weiter in die eingeschlagene gefährliche Richtung zu gehen“. China setze sich weiter für eine entnuklearisierte koreanische Halbinsel ein und fordere alle Beteiligten auf, dazu konstruktiv beizutragen. Der einzige Weg zu diesem Ziel sei politischer Dialog.

USA

US-Präsident Donald Trump brandmarkte das isolierte Regime und drohte ihm mit völliger Zerstörung. „Wenn (die USA) gezwungen sind, sich selbst oder ihre Verbündeten zu verteidigen, dann haben wir keine Wahl, als Nordkorea total zu zerstören.“ Nordkoreas Staatschef Kim Jong Un bezeichnete er als „Raketenmann auf einer Selbstmordmission“. Das Atomprogramm des Landes stelle eine Gefahr für die ganze Welt dar. „Keine Nation der Welt hat ein Interesse daran, dabei zuzusehen, wie diese Bande von Kriminellen sich mit Raketen und Nuklearwaffen ausrüstet“, erklärte Trump.

Japan

Wie die USA sieht auch Japan „alle Optionen auf dem Tisch“. Der Konflikt sei eine „ernste Bedrohung ohne Beispiel“, sagte Ministerpräsident Shinzo Abe. Nordkorea sei derzeit dabei, „mit einem süffisanten Lächeln“ alle Abrüstungsbemühungen der vergangenen Jahre vom Tisch zu wischen. „Es ist eine Krise mit einer komplett neuen Dimension.“ Nordkorea müsse dazu gebracht werden, sein Nuklear- und Raketenprogramm komplett und überprüfbar aufzugeben. „Was gebraucht wird, ist nicht Dialog, sondern Druck.“

Nordkorea

„Ich werde den geisteskranken, dementen US-Greis gewiss und auf jeden Fall mit Feuer bändigen“, zitierte die nordkoreanische Staatsagentur KCNA Machthaber Kim Jong Un. Außenminister Ri bezeichnete die Ansprache von Trump als „Hundegebell“ und sagte, Trumps Berater täten ihm leid. „Wenn er wirklich dachte, er könne uns mit dem Geräusch von Hundegebell Angst einjagen, ist das der Traum eines Hundes“, sagte Ri laut CNN. Die Wendung „Traum eines Hundes“ bedeutet auf Koreanisch etwas Absurdes, das wenig Sinn ergibt.

Ri hatte bereits am Freitag gegenüber Reportern angedeutet, dass Nordkorea eine Wasserstoffbombe testen könnte, um Kims Versprechen zu erfüllen. Am Samstag erwähnte er einen solchen Test aber nicht.

Vor dem Hintergrund des eskalierenden Streits hat Nordkorea Zehntausende von Bürgern in Pjöngjang zu einer Kundgebung gegen die USA mobilisiert. Mehr als 100.000 Menschen aus allen Gesellschaftsschichten hätten sich am Samstag auf dem Kim-Il-Sung-Platz der Hauptstadt „in dem vollen Geist versammelt, die Feinde auszulöschen“, berichteten die Staatsmedien am Sonntag.

Alle Parteimitglieder und Bürger von Pjöngjang seien entschlossen, „die US-Imperialisten, den eingeschworenen Feind, vollständig von der Erde zu beseitigen“, rief demnach der Vizevorsitzende des Stadtkomitees der herrschenden Arbeiterpartei, Choe Hak Chol, als einer von mehreren Rednern der Menge zu.

Report von der Grenze zu Nordkorea: Schattenboxen mit Bombe

Report von der Grenze zu Nordkorea

Schattenboxen mit Bombe

Trotz Sanktionen lässt Kim Jong Un unbeirrt Raketen testen. Peking trägt die Strafaktionen mit, will aber Nordkoreas Kollaps verhindern. Nirgendwo zeigt sich diese Zwiespältigkeit besser als in der Grenzstadt Dandong.

Das Publikum soll unter anderem Schilder mit der Aufschrift „Tod den amerikanischen Imperialisten“ nach oben gehalten haben. Bei den Menschen soll es sich um Arbeiter, Studenten und Regierungsvertreter gehandelt haben. Nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur KCNA riefen sie nach einer „totalen Zerstörung“. Ob Machthaber Kim bei der Kundgebung anwesend war, wurde zunächst nicht mitgeteilt.

Solche Massenkundgebungen sind in Nordkorea nicht unüblich, um die Unterstützung der Bürger für die Politik der kommunistischen Regierung zu demonstrieren. In einer Erklärung, die bei der Kundgebung noch einmal vorgelesen wurde, hatte Machthaber Kim Jong Un am Freitag US-Präsident Donald Trump als „geisteskranken, dementen“ Greis beschimpft und damit gedroht, ihn „auf jeden Fall mit Feuer zu bändigen“. Er reagierte damit auf kriegerische Töne von Trump vor der Uno-Vollversammlung.

Der Konflikt schaukelt sich seit Monaten hoch. Der Uno-Sicherheitsrat hatte zuletzt die Sanktionen gegen Pjöngjang wegen des neuen Atomtests vom 3. September deutlich verschärft. Nach eigenen Angaben hatte Nordkorea bei dem Test eine Wasserstoffbombe gezündet. Infolgedessen gab es im Norden des Landes ein Erdbeben. Am Samstag bebte dann in Nordkorea erneut die Erde, dieses Beben wurde aber vermutlich nicht durch einen erneuten Atomtest ausgelöst. Das meteorologische Institut in Südkorea, chinesische Behörden und internationale Atomtestbeobachter gingen von einer natürlichen Ursache aus.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×