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12.09.2019

11:12

Das Kandidatenfeld der US-Demokraten hat sich inzwischen erheblich reduziert. dpa (Montage)

Von links: Elizabeth Warren, Bernie Sanders, Joe Biden.

Das Kandidatenfeld der US-Demokraten hat sich inzwischen erheblich reduziert.

TV-Debatte

Diese drei US-Demokraten hätten die besten Chancen gegen Donald Trump

Von: Annett Meiritz

Immer mehr demokratische Präsidentschaftskandidaten geben auf, das Feld der Favoriten wird überschaubarer. Die Top Ten tritt am Abend vor Kameras gegeneinander an.

Washington Der interne Wahlkampf der US-Demokraten steht vor einem Meilenstein: Am Donnerstagabend werden erstmals die zehn Bewerber und Bewerberinnen mit den besten Aussichten auf eine Präsidentschaftskandidatur gemeinsam vor Fernsehkameras gegeneinander antreten.

Die TV-Debatte in der texanischen Metropole Houston macht das Ringen um die Nominierung erstmals etwas übersichtlicher. Denn in den vorangegangenen Runden standen 20 Politiker auf der Bühne, verteilt auf jeweils zwei Abende. Jetzt kristallisieren sich allmählich Favoriten heraus, das Feld der potenziellen Herausforderer von US-Präsident Donald Trump schrumpft.

Von einst 27 Demokraten sind noch 20 im Rennen, und von denen hat es gerade einmal die Hälfte geschafft, sich über Umfragewerte und Spenden für die aktuelle TV-Debatte zu qualifizieren – der Rest gilt inzwischen als beinahe chancenlos.

Zwar ist es bis zu den US-Wahlen noch über ein Jahr hin, doch schon die kommenden Monate sind entscheidend dafür, wen die Demokraten gegen Trump aufstellen. Im Februar und März halten mehrere Bundesstaaten Vorwahlen ab, Iowa wird der erste sein. Diese frühen Rennen entscheiden in aller Regel darüber, wer am Ende auf dem Parteitag der Demokraten zum Präsidentschaftskandidaten gekürt wird.

Barack Obamas Sieg bei den Iowa-Vorwahlen 2008 etwa katapultierte ihn bis ins Weiße Haus. Bislang ist sein Vizepräsident Joe Biden der populärste Kandidat in regionalen und bundesweiten Umfragen, aber er gerät zunehmend unter Druck, seinen Spitzenplatz verteidigen zu können.

Neben Biden halten sich die Parteilinke Elizabeth Warren, der Sozialist Bernie Sanders, die Indo-Afroamerikanerin Kamala Harris und der Kleinstadt-Bürgermeister Pete Buttigieg in den Top Fünf der Umfragen. Doch einzig Biden, Warren und Sanders gelingt es derzeit, zweistellige Umfragewerte einzufahren.

Sie gelten inzwischen als das Trio mit den besten Chancen auf eine Kandidatur. Das Rennen um die Nominierung verspricht spannend zu werden, weil die drei mit sehr unterschiedlichen Profilen antreten. Wer auch immer gewinnt, wird die US-Demokraten politisch nachhaltig prägen und entweder in die Mitte oder nach Links rücken.

Biden moderat, Sanders authentisch

Der 76-jährige Biden steht für den moderaten Flügel der Partei. Er inszeniert sich in Abgrenzung zu Trump als einende Kraft nach innen und als angesehener Staatenlenker nach außen. Vorkämpfer des linken Lagers sind hingegen Sanders und Warren, die in bundesweiten Umfragen etwa gleichauf hinter Biden liegen.

Sanders begeistert seine Anhänger mit authentischen Aktionen. Kürzlich reiste er mit dem Bus über die kanadische Grenze, um Insulin für einen Bruchteil des US-Preises einzukaufen. Die ehemalige Harvard-Professorin Warren gilt als „Die mit dem Plan” und legt ein Konzept nach dem anderen vor, für eine Vermögenssteuer, den Abbau von Studienschulden, oder eine Zerschlagung von Tech-Konzernen. In Iowa überholte sie Sanders zuletzt in Umfragen und verringerte den Abstand zu Biden.

Sanders und Warren verbindet eine lange Freundschaft, bisher vermieden sie es, sich offen zu attackieren. Das könnte mit der aktuellen Debatte, in der es mehr denn je um Abgrenzung und Wiedererkennung geht, vorbei sein.

Streitthemen gibt es genug: Die Spaltung der Partei ist greifbar, ob in der Gesundheits-, Flüchtlings- oder Steuerpolitik. Die Kluft zwischen dem Partei-Establishment und progressiven Meinungsführern ist offen aufgerissen, etwa beim Thema Klimawandel und der Frage, wie radikal man dagegen vorgehen will.

Ängste vor einer drohenden Rezession können außerdem die Wirtschaftspolitik in den Mittelpunkt rücken, in der sich die Bewerber teilweise deutlich voneinander unterscheiden, etwa bei der Besteuerung von Vermögenden oder dem Blick auf internationalen Handelsabkommen.

Der Kampf gegen Waffengewalt ist Konsens, doch Bewerber mit vielen ländlichen Wählern, etwa die Senatorin Amy Klobuchar, dürften sich mit allzu weitreichenden Vorschlägen zurückschrecken. Bei den Reizthemen Einwanderung und Bürgerrechte konnten in der Vergangenheit vor allem Harris, der Afroamerikaner Cory Booker oder der Latino Julián Castro punkten.

Interessant wird es auch, zu beobachten, ob und wie sich der Texaner Beto O’Rourke aus seiner Abseits-Position herausmanövrieren will. Und der zuvor unbekannte Unternehmer Andrew Yang fährt allein mit seiner Teilnahme einen Achtungserfolg ein. Er will Millionen Bürger mit einer Art Grundeinkommen gegen die Automatisierung der Wirtschaft absichern will – ein Thema, das offenbar einen Nerv trifft.

In Zeiten hoher Social-Media-Reichweiten mögen Fernsehdebatten veraltet wirken, doch ihr Einfluss ist nicht zu unterschätzen. Bei einer der vergangenen TV-Runden im Juni schalteten 18 Millionen Zuschauer ein, zusätzliche neun Millionen Menschen verfolgten die Debatte im Netz. Und da ein Großteil der Demokraten-Anhänger unentschlossen ist, kann jedes Fernseh-Spektakel entscheidende Prozentpunkte in der Zustimmung bringen. Oder eben kosten.

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