MenüZurück
Wird geladen.

04.09.2017

12:03 Uhr

TV-Duell mit Merkel und Schulz

Erdogan-Sprecher weist Türkei-Kritik zurück

Die deutsche Regierung schüre Diskriminierung und Rassismus, twittert ein Sprecher des türkischen Staatspräsidenten Erdogan. Dass Erdogan im TV-Duell angegriffen wurde, sei Ausdruck der Kurzsichtigkeit in Europa.

Die Politik des türkischen Präsidenten war am Sonntagabend auch Thema beim TV-Duell. AFP

Recep Tayyip Erdogan

Die Politik des türkischen Präsidenten war am Sonntagabend auch Thema beim TV-Duell.

IstanbulDer Sprecher des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan hat die Türkei-Kritik von Kanzlerin Angela Merkel und ihres SPD-Herausforderers Martin Schulz beim TV-Duell zurückgewiesen. Dass die deutsche Politik sich „dem Populismus und der Ausgrenzung“ beuge, schüre Diskriminierung und Rassismus, teilte Erdogan-Sprecher Ibrahim Kalin am Montag in einer Reihe von Twitter-Nachrichten mit. Dass die grundsätzlichen Probleme Deutschlands und Europas ignoriert und stattdessen Erdogan und die Türkei angegriffen worden seien, „ist Ausdruck der Kurzsichtigkeit in Europa“.

Schulz hatte am Sonntagabend beim TV-Duell gesagt, er wolle sich als Kanzler bei den EU-Partnern für einen Stopp der Beitrittsverhandlungen mit der Türkei einsetzen. Merkel plädierte für ein Einfrieren der Beitrittshilfen für die Türkei in Milliardenhöhe. Die Kanzlerin kündigte an, den wirtschaftlichen Druck auf die Türkei zu erhöhen, um die Freilassung der aus politischen Gründen in dem Land inhaftierten Deutschen zu erreichen.

Türkei: CSU und Linke für Stopp der EU-Beitrittsverhandlungen

Türkei

CSU und Linke für Stopp der EU-Beitrittsverhandlungen

Wie wird die Bundesregierung auf die neuen Festnahmen in der Türkei reagieren? Die Forderung nach einer Reisewarnung steht im Raum. Und CSU und Linke wollen in seltener Einigkeit sogar noch weiter gehen.

Kalin nannte es bezeichnend, dass sich weder Merkel noch Schulz zu wachsendem Rassismus geäußert hätten. Er bezichtigte Deutschland erneut, Terroristen aus der Türkei Schutz zu bieten. Deutschland verteidige nicht die Demokratie, sondern „Terroristen und Putschisten“, hieß es in einer von insgesamt neun Twitter-Nachrichten Kalins. Der Erdogan-Sprecher teilte mit Blick auf das TV-Duell weiter mit: „Welche Partei die Wahlen in Deutschland gewinnt, hat keine sehr große Bedeutung. Weil nun klar wird, welche Geisteshaltung gewinnt.“

Von

dpa

Kommentare (2)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Turgay Sanac

04.09.2017, 12:49 Uhr

(schreibt aus Köln) Es ist eigentlich zu schade, sowohl national-ökonomisch und als auch geopolitisch unklug, daß (auch) die großen deutschen Parteien sich kurzsichtig an "Aufrechterhaltung/Ausbau/Beschleunigung" der "Zerlegung/Zerstörung der Deutsch-Türkischen Beziehung" als "vermeintlicher Dividendenbringer bei kommenden Bundestagswahlen" weiterhin festhalten !

Herr Lothar Thürmer

08.09.2017, 14:24 Uhr

Erdogan hat den Bogen leider endgültig überspannt. Selbstverständlich müssen wir weiter im Gespräch bleiben. Aber kein vernünftiger Mensch wird jetzt noch in Abrede stellen können, dass der Zeitpunkt gekommen ist, wo weitere Beitrittsverhandlungen der EU mit der Türkei keinen Sinn mehr machen. Von unseren europäischen Partnern dürfen wir Solidarität und Entgegenkommen in dieser Frage erwarten.
Schluss mit Appeasement! Wir dürfen nicht aus Sorge vor möglichen Reaktionen Erdogans in einer politischen Starre verharren. Wir müssen endlich das politisch Gebotene tun und zugleich unsere Abhängigkeit von Erdogan verringern. Effektive Kontrolle der EU-Außengrenzen und eine gemeinsame Verteidigungs- und Sicherheitspolitik: Diese Aufgaben sind Europa ohnehin gestellt. Jetzt gilt es, sie noch entschlossener anzupacken. Erdogan ist ein Weckruf für Europa!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×